Aber anstatt der Polizei zu vermitteln, man stehe hinter ihr, gaben Günther Beckstein und Joachim Herrmann im Sinne Stoibers zunächst weiter Gas, als wollten sie den Karren vollends an die Wand fahren. Erst unter Ministerpräsident Horst Seehofer kam die Wende, die Zahl der Stellen steigt. Das ist mehr denn je nötig, weil geburtenstarke Jahrgänge vor der Pensionierung stehen. Da die Ausbildung aber dauert, stehen neue Kräfte erst nach Jahren wirklich zur Verfügung.

Das Innenministerium hätte gut daran getan, den Sparkurs als Fehler einzugestehen, um der Basis zu signalisieren: Da ist etwas schiefgelaufen, wir haben verstanden, wir nehmen eure Sorgen ernst! Ein solches Zeichen hätte viel Druck weggenommen. Statt dessen tut Joachim Herrmann berechtigte Sorgen der Polizei als unbegründet ab und tritt ihr wie ein gefühlloser Klotz noch einmal schmerzhaft vors Schienbein. Die Nöte in der Schicht oder beim Schreiben der Dienstpläne, die zahllosen Überstunden, immer mehr psychisch angeschlagene Beamte - alles nur Fata Morgana?

Niemand bezweifelt, dass es im Innenministerium zuletzt einige Anstrengungen gab, um neue Stellen zu schaffen. Warum aber verteilt man sie nicht endlich so, dass diejenigen Dienststellen bevorzugt bedacht werden, die am meisten belastet sind? Stattdessen werden nur die Pensionisten ersetzt, was "jungen" Präsidien wie dem in Ingolstadt wenig hilft. Zugleich wächst die Stadt überproportional und mit ihr die Aufgaben. Herrmann hat nun bereits zweimal deutliche Stellenzuweisungen für Ingolstadt versprochen, allein es blieb beim Sprücheklopfen.

Kein Wunder, würden frustrierte Polizisten im Wahljahr ihr Kreuzerl anderswo machen. War die Bundestagswahl nicht Warnung genug? Der designierte Ministerpräsident Markus Söder wird sich auch daran messen lassen müssen, wie er dieses Thema angeht.