Vor einem Besuch internationaler Chemiewaffenexperten am Ort eines mutmaßlichen Giftgasangriffs in Syrien wächst die Sorge, dass bis dahin alle Spuren beseitigt sein werden. Am 7. April war ein Giftgasangriff in Duma gemeldet wurden. Zerstörte Gebäude in Duma
Vor einem Besuch internationaler Chemiewaffenexperten am Ort eines mutmaßlichen Giftgasangriffs in Syrien wächst die Sorge, dass bis dahin alle Spuren beseitigt sein werden. Am 7. April war ein Giftgasangriff in Duma gemeldet wurden.
© 2018 AFP

Zehn Tage nach einem mutmaßlichen Giftgasangriff in der syrischen Stadt Duma ist dort nach Angaben syrischer Staatsmedien ein internationales Expertenteam eingetroffen. Die Inspekteure der Organisation für das Verbot von Chemiewaffen (OPCW) erreichten am Dienstag die einstige Rebellenbastion in Ost-Ghuta, wie die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete. Eigentlich war der Besuch für Mittwoch angekündigt. International wuchs die Sorge, dass bereits alle Spuren beseitigt seien.

"Es ist sehr wahrscheinlich, dass Beweise und wesentliche Elemente verschwinden werden", warnte die französische Regierung am Dienstag. Die Stadt Duma, in der sich am 7. April der mutmaßliche Giftgasangriff ereignete, sei "vollkommen unter Kontrolle der russischen und syrischen Armee", und die OPCW-Experten hätten bisher den Ort nicht untersuchen können.

Schon am Montag hatte der US-Vertreter bei der OPCW Russland vorgeworfen, in Duma Beweise zu manipulieren. Die USA seien "besorgt", dass die Russen am Angriffsort Dinge getan hätten, um die Ermittlungen der OPCW zu behindern, sagte Ken Ward. Der russische Außenminister Sergej Lawrow versicherte daraufhin, dass Russland nichts manipuliert habe.

Der Westen beschuldigt die syrische Staatsführung, in Duma international geächtete Chemiewaffen eingesetzt zu haben. Bei dem Angriff wurden nach Angaben örtlicher Helfer mindestens 40 Menschen getötet. In der Nacht zum Samstag bombardierten die USA, Frankreich und Großbritannien mehrere Standorte der syrischen Chemiewaffenproduktion.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte am Dienstag, mit den Luftangriffen hätten die westlichen Staaten "die Ehre der internationalen Gemeinschaft" verteidigt. Die syrische Führung habe wiederholt Giftgasanschläge gegen die eigene Bevölkerung gerichtet, auch gegen Frauen und Kinder, sagte Macron vor dem EU-Parlament. "Das können wir nicht dulden."

Die syrische Regierung und ihre Verbündeten Russland und Iran werfen dem Westen dagegen vor, ohne eine unabhängige Bestätigung der Vorwürfe gehandelt zu haben. Westliche Diplomaten beschuldigten aber Damaskus, die OPCW-Experten an ihrer Arbeit zu hindern. Moskau begründete die mehrtägige Verzögerung mit der schwierigen Sicherheitslage in Duma.

Die Stadt im Nordosten von Damaskus war die letzte Bastion der Rebellen in der Region Ost-Ghuta. Einen Tag nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff in Duma sagte die Rebellengruppe Dschaisch al-Islam zu, ihre Kämpfer aus der Stadt abzuziehen. Zuvor waren bereits andere Gruppen unter dem Druck der Regierungstruppen abgezogen.

Am Dienstag sagte Dschaisch al-Islam laut Sana zu, auch die Stadt Dumair rund 50 Kilometer östlich von Damaskus zu räumen. Demnach sollen rund tausend Kämpfer von dort in die nordsyrische Stadt Dscharablus abziehen. In Dumair galt seit 2016 ein "Versöhnungsabkommen", das eine Waffenruhe zwischen Regierung und Rebellen umfasste.

Unterdessen erwiesen sich Berichte über einen nächtlichen Raketenangriff auf die Provinz Homs als falsch. "Es gab keine Attacke von außen auf Syrien", meldete Sana am Dienstag unter Berufung auf Militärkreise. Es habe sich um einen "falschen Alarm" gehandelt. Sana hatte in der Nacht gemeldet, dass mehrere Raketen über Homs abgeschossen worden seien.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beriet derweil am Telefon mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über die Entwicklungen in Syrien. Wie die Bundesregierung anschließend mitteilte, waren sich Merkel und Putin einig, "den politischen Prozess zur Beilegung des jahrelangen blutigen Konflikts in den Mittelpunkt aller Bemühungen zu stellen".

Zuvor hatten bereits die G7-Staaten eine politische Lösung angemahnt. Ziel müsse es sein, bei den Verhandlungen unter UN-Ägide in Genf einen "glaubwürdigen politischen Übergang" herbeizuführen, hieß es in einer Erklärung der Staats- und Regierungschefs Deutschlands, Großbritanniens, Frankreichs, Kanadas, Italiens, Japans, der USA sowie der EU.