Felix Baumgartner
Um 17.30 Uhr stieg der mit 850.000 Kubikmetern Helium gefüllte Ballon hoch.
Red Bull Stratos
Der ursprünglich für 14 Uhr unserer Zeit vorhergesehene Start des mit 850.000 Kubikmetern Helium gefüllten Ballons musste aufgrund der noch nicht optimalen Wetterbedingungen mehrere Male nach hinten verschoben werden. Um 13.10 Uhr schlüpfte Felix Baumgartner in Roswell in seinen Raumanzug. Um 15.06 Uhr bestieg er die Spezialkapsel. Der Start sollte dann um 18 Uhr erfolgen. Doch bereits eine halbe Stunde vorher waren die  Bedingungen ideal, sodass der Ballon genau um 17.30 Uhr losfuhr und einen perfekten, butterweichen Start hinlegte. Um 20.07 Uhr öffnete der Österreicher in einer Höhe von 39.045 Metern die Tür seiner Kapsel. Er hielt kurz inne, sagte die Worte "I'm going home now" (Ich gehe jetzt heim), salutierte mit der rechten Hand und sprang in die Tiefe. Um 20.17 Uhr betrat er den Boden von New Jersey. Insgesamt dauerte der Sprung neun Minuten und drei Sekunden.

 

1342 Stundenkilometer, Schallmauer durchbrochen


Felix Baumgartner (AUT) - Action
Felix Baumgartner kurz nach seiner Landung in New Mexico.
Red Bull Stratos
Ziel des Österreichers war es, einen Rekord von 1960 zu knacken: Damals sprang der US-Amerikaner Joe Kittinger aus 31 Kilometern in die Tiefe. Darüber hinaus hatte der Österreicher noch einen zweiten Rekord im Visier. Am 14. Oktober 1947, also vor exakt 65 Jahren, hatte der Pilot Chuck Yeagar mit einem experimentellen Raketenflugzeug als erster Mensch Überschallgeschwindigkeit erreicht. Baumgartner wollte der erste Mensch sein, der dies im freien Fall und ohne ein Flugzeug schafft. Auf der Pressekonferenz am späten Sonntagabend gab die Federation Aeronautique Internationale (FAI) die Spitzengeschwindigkeit während des freien Falles bekannt: 373 Meter pro Sekunde entsprechen 1342 Stundenkilometer oder 1,24 Mach. Damit hat der Österreicher als erster Mensch der Geschichte die Schallmauer durchbrochen. Baumgartner war sich in einem ersten Interview nach seiner Landung nicht sicher, ob er es geschafft hatte. "Ich habe absolut keine Ahnung, ob und wann ich Überschall gesprungen bin." Einen Überschallknall spürte er nicht.
 
Felix Baumgartner
Um 20.08 Uhr sprang Felix Baumgartner aus der Kapsel aus einer Höhe von rund 39.000 Metern.
Servus TV
"Mir sind 20 Tonnen Last von den Schultern gefallen", sagte der Extremsportler nach seinem Sprung in die Geschichtsbücher. Beinahe wäre die Mission gescheitert - seine Visierbeheizung versagte ihren Dienst. "Ich dachte mir, das kann ja nicht sein, dass das Ganze daran scheitert - und habe mich für den Sprung entschieden". Kurz nach seinem Absprung kam Baumgartner ins Flachtrudeln, das gefürchtete "Flat-Spinning" trat ein. Kurz hatte er gedacht, das Bewusstsein zu verlieren, dann fing er sich wieder. Er hätte aber zu keinem Moment daran gedacht, den Notfallknopf zu drücken bzw. den Fallschirm zu lösen, meinte der Extremsportler. "Ich wusste zu jeder Sekunde, was passiert." 
 

Rätselraten um Freifallrekord

 
 
Außerdem handelte es sich bei der Mission in New Mexico um den höchsten bemannten Ballonflug (bisherige Bestmarke: 34.668 Meter aus dem Jahr 1961). Rätselraten gibt es um einen vierten Rekord. Als längster freier Fall standen bislang die vier Minuten und 36 Sekunden von Joe Kittinger aus dem Jahr 1960 in den Geschichtsbüchern. Baumgartner war lediglich vier Minuten und 20 Sekunden unterwegs, ehe er seinen Fallschirm öffnete. Dennoch soll diese Zeit ein neuer Weltrekord sein, weil er im Gegensatz zu Kittinger nicht den Push-Button zur Stabilisierung des "Flat-Spinning" gedrückt hatte - so jedenfalls ein Statement auf der offiziellen Pressekonferenz am Sonntagabend. 
 
Baumgartner und Bodenteam
Die Abstimmung zwischen Felix Baumgartner und dem Team in der Walker Air Force Base in Roswell klappte perfekt. Mit dem bisherigen Rekordhalter Joe Kittinger stand der Österreicher in ständigem Funkkontakt.
Red Bull Stratos
Zwei Stunden vorher, kurz nach seiner Rückkehr nach Roswell, zeigte sich Baumgartner gegenüber seinem Teammitglied und Mentor noch jovial: "Ich glaube, Joe hat es verdient, diesen Rekord zu behalten". Zu diesem Zeitpunkt war der 43-Jährige noch davon ausgegangen, die Bestmarke seines Vorgängers knapp verfehlt zu haben. Mit dem 84-jährigen Amerikaner stand er sowohl während der Ballonfahrt als auch während seines Sprunges zurück zur Erde in ständigem Funkkontakt.
 
Es kann sich noch eine Weile hinziehen, bis all die Zahlen und Rekorde offiziell bestätigt sind. Die FAI wertet nun die GPS-Daten aus, die während Baumgartners Ballonfahrt und seines gut neunminütigen Sprunges aufgezeichnet wurden. Die ausgewerteten Daten gehen dann, weil Baumgartner Österreicher ist, an den Aeroclub of Austria, einer Organisation des National Airsport Control (NAC). Dieser verfasst ein umfangreiches Dossier für die FAI. Die FAI mit Sitz im schweizerischen Lausanne wird die Rekorde letztendlich bestätigen und veröffentlichen. Dies muss innerhalb von 120 Tagen nach dem Rekordversuch passieren.
 
Am vergangenen Dienstag musste der erste Versuch der Mission abgebrochen werden. Wenige Minuten vor dem geplanten Start hatte eine plötzlich aufkommende Windböe in 230 Metern Höhe die Spitze des Spezialballons zu Boden gedrückt und damit zerstört. Sieben Jahre Vorbereitungszeit, so die Aussage von Felix Baumgartner kurz nach seiner Rückkehr zur Base in Roswell, lagen insgesamt vor der Mission, durch die wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse über die Stratosphäre und die Reaktion des menschlichen Körpers auf extreme Bedingungen im All gewonnen werden sollen.
 

Weltweites Interesse

 
Servus TV
Servus TV übertrug das Ereignis in einer 13-stündigen Livesendung und überzeugte, wie bereits beim ersten Rekordvesuch am Dienstag, durch seine seriöse und kompetente Berichterstattung. Hier erläutert Physiker und Wissenschafts-Astronaut Ulrich Walther die Beschaffenheit des Heliumballons.
Servus TV
Das Medienimperium des Österreichers Dietrich Mateschitz (Red Bull) investierte rund 25 Millionen Euro in das Unternehmen  Stratos und nutzte die Mission, um auf eindrucksvolle Art und Weise auf sich und seinen Sender aufmerksam zu machen. Der am Dienstag nach etlichen Stunden abgebrochene Versuch stieß auf weltweites Interesse. Über 50 Fernsehsender, darunter auch welche in Indien, Neuseeland und Japan, übertrugen das Spektakel live. 340 Millionen Videoabrufe konnte der Livestream allein auf Youtube generieren, was einen neuen Weltrekord bedeutete. Nie zuvor in der Geschichte des Internets haben mehr User eine Liveübertragung via Internet verfolgt.
 
Servus TV, das seit dieser Saison auch die Übertragungsrechte an der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) besitzt, gefiel wie schon bei der ersten Liveübertragung am Dienstag durch seine seriöse Berichterstattung von der Air Force Base in Roswell und durch spektakuläre Aufnahmen. Via HD-Kameras hatte der Fernsehzuschauer den neuen Rekordmann in seiner Kapsel und auch während des Sprungs zu jeder Sekunde im Blick. Experten hatten sich im Salzburger Studio des Senders eingefunden, um das Medienereignis fachkundig zu kommentieren. Vor Ort berichtete Andreas Jäger als einziger Journalist weltweit direkt von der Flightline. Dass er nach dem geglückten Sprung seines Landsmannes die journalistische Distanz über Bord warf, sei ihm verziehen. "Vielleicht haben wir uns durch diese Übertragung für die erste bemannte Landung auf dem Mars beworben", sagte der Moderator im Salzburger Studio während der über 13-stündigen Livesendung. 
 
Den wohl bedeutendsten Satz des langen und ereignisreichen Tages sprach Felix Baumgartner gegen Ende der Pressekonferenz am späten Sonntagabend. Er sei froh, lebend zurückgekommen zu sein. Und: "Manchmal musst du weit hinaufgehen, um zu sehen, wie klein du eigentlich bist."