"Er hat alles gegeben"
Ingolstadt (dk) Heute vor 20 Jahren starb Queen-Sänger Freddie Mercury. Der DONAUKURIER sprach aus diesem Anlass mit dem Chef des Queen-Fanclubs über verkannte Songs, alte Kassetten und bodenständige Superstars.
Helmut Priebe: Ich werde mich heute in Ruhe zurückziehen und meinen Schallplattenspieler anwerfen. Dann werde ich mir eine der ersten Queen-Aufnahmen mit ein bisschen Knistern im Hintergrund anhören. Bei den neuen, digitalisierten Versionen fehlen teilweise einzelne Sequenzen in den Songs – und das ist für den Fan schon eine harte Nummer.
Welcher Song wird auf jeden Fall mit dabei sein?
Priebe: „Teo Torriatte“ von dem Album „A Day At The Races“. Das ist eine wunderbare Ballade mit einem traumhaft schönen Chorgesang. Wie ich finde, ein verkannter Song. Den kann ich jedem nur empfehlen.
Wie sind Sie mit der Band in Kontakt gekommen?
Priebe: Ich habe – das muss wohl 1976 gewesen sein – den Song „Killer Queen“ im Radio gehört. Kurz darauf stand ich in einem kleinen Plattenladen in Lübeck und hab’ dem Inhaber die Melodie vorgesungen. Der hat nur gelacht – aber gleich gewusst, welches Lied es ist. Ich hab mir dann das Album „A Day At The Races“ gekauft – allerdings auf Musikkassette, weil ich keinen Plattenspieler hatte.
Gibt’s die Kassette noch?
Priebe: (lacht) Ja, aber die ist leider nicht mehr abspielbar. Ich kann sie nur noch bestaunen.
Wie oft waren Sie auf Queen-Konzerten?
Priebe: Viermal. Zweimal in Hamburg, einmal in München und einmal in Stuttgart. Das war in den Jahren 1977, 1979, 1980 und 1982. Ich war meistens relativ weit hinten, weil ich ein schüchternes Landei war (lacht). Aber Freddie Mercury hat auch dort mit einem Kontakt aufgenommen, selbst bei 60 000 Zuhörern. Es war, als würde man direkt auf der Bühne sitzen. Die imposante Technik, das Licht, der Sound und dazu das Wirbel-Wunder Mercury – das war überwältigend.
Ist Freddie Mercury der beste Sänger aller Zeiten?
Priebe: Er ist auf jeden Fall die beste Kombination aus Sänger und Frontmann.
Konnten Sie ihn mal persönlich kennen lernen?
Priebe: Nein, leider nicht. Aber später habe ich über den Fanclub einmal die restlichen Mitglieder der Band getroffen. Ich muss sagen: Es sind Superstars, aber trotzdem sehr bescheiden und bodenständig.
Was hätten Sie Freddie Mercury gefragt, wenn Sie die Gelegenheit dazu gehabt hätten?
Priebe: Ganz einfach: Was machst du als Nächstes? Er war ja so voller Energie und hatte ständig neue Projekte in Planung. Vor allem in den letzten Jahren seines Lebens, nach der Aids-Diagnose, war er wahnsinnig aktiv, nicht nur was das Songschreiben betrifft. Er hat in jeder freien Minute, die seine Stimme noch hergab, Lieder eingesungen, um möglichst viel Material für das Lebenswerk von Queen zusammenzukriegen. Er hat in dieser Zeit alles gegeben.
Können Sie sich noch erinnern, wie Sie am 24.11.1991 von seinem Tod erfahren haben?
Priebe: Selbstverständlich. Ich saß damals im Büro und hörte im Hintergrund leise Radio. Die Schlussmeldung im Nachrichtenblock war der Tod von Freddie Mercury. Ich dachte, das kann gar nicht sein. Er hatte erst zwei Tage zuvor seine Aids-Erkrankung öffentlich gemacht. Ich dachte, die haben da was verwechselt. Eine Stunde später habe ich noch einmal Nachrichten gehört. Dann war es eindeutig. Ich habe an diesem Vormittag um 11 Uhr Feierabend gemacht und den Rest des Tages frei genommen.In der Schweizer Stadt Montreux steht eine Freddie-Mercury-Statue. Waren Sie mal dort?
Priebe: Ja. Vom Fanclub aus haben wir schon die eine oder andere Fahrt dorthin organisiert. Dieser Platz ist natürlich sehr schön, weil man weiß, dass Freddie Mercury dort einen Großteil seiner letzten Jahre verbracht und auch die letzten Musikstücke aufgenommen hat. Er hat dort Ruhe und auch ein bisschen zu sich selbst gefunden. Ein Grab gibt es ja nicht, wegen seines Glaubens. Im Internet gibt es allerdings im Moment Aktivitäten einiger Fans, die für ihn eine Gedenkstätte in London einrichten wollen.
Interview: Sebastian Peterhans
Hier geht´s zum Queen-Fanclub Deutschland: www.queenfcg.de


