Stephanie Simbeck, Model und Schauspielerin aus dem Landkreis Pfaffenhofen

Stephanie Simbeck
Stephanie Simbeck
Privat
Ingolstadt

Belästigungen haben mich meine ganze Karriere als Model und Schauspielerin begleitet, überall, wo ich gearbeitet habe. Wenn sie nicht rassistisch motiviert waren, dann waren sie sexistisch. Bei Männern geht es immer nur um ihre Fähigkeiten, während bei Frauen immer angedeutet wird, dass sie nur Karriere gemacht haben, weil sie sich hochgeschlafen haben. Ich finde das sehr traurig. Ich tausche meinen Körper doch nicht gegen einen Job! Ich habe im Laufe der Jahre viele Aufträge nicht bekommen, weil ich mich dem System widersetzt habe. Dadurch habe ich auch viel Geld verloren, das war als junge Frau nicht immer leicht, wenn man jeden Monat seine Miete zahlen muss. Es geht immer nur um Sex – und der wird in meiner Branche ganz oft angeboten, da ist es völlig egal, ob man verheiratet ist oder eine Familie hat. Ist man mit manchen Fotografen nicht in die Kiste gestiegen, da war man dann das Model, das auf einem Foto in der letzten Reihe posieren musste und nicht vorne stehen durfte. Wir Frauen müssen konsequent für unsere Rechte einstehen, auch wenn es bedeutet, dass wir im Notfall die Polizei rufen müssen. Und gleichzeitig darf man uns nicht als „empfindlich“ abstempeln, wenn wir uns wehren. Belästigungen tun weh, es können unheilbare Wunden zurückbleiben – und damit meine ich nicht nur körperliche Übergriffe, sondern auch Andeutungen, die verletzend sein können.

Veronika Peters, Unternehmerin und Stadträtin (SPD) aus Ingolstadt

Veronika Peters
Veronika Peters
Eberl
Ingolstadt

Ich mag es nicht, wenn viele Männer einem immer zuerst auf den Busen schauen. Die sollen mir gefälligst in die Augen sehen! Aber sonst ist mir noch nichts in der Art passiert. Aber zu mir als Chefin sind schon Frauen gekommen, die sich sexuell belästigt fühlten. Denen habe ich geholfen, und ich war immer parteiisch auf ihrer Seite. Meistens ist es so, dass die Belästigung von Vorgesetzten kam. Wenn man sie zur Rede stellt, dann werden Männer oft aggressiv oder sind beleidigt. Einer dieser Mitarbeiter hat unsere Firma sogar verlassen. Es ist schlecht, dass sich Männer dieser Debatte nicht stellen und nur alles abstreiten. Darum finde ich #MeToo gut, denn endlich reden alle über dieses Tabu. Die Frage ist, wo die Grenzen sind und ob Männer die Grenzen überhaupt erkennen. Trauen sie sich noch, einer Frau beispielsweise ein Kompliment zu machen? Andernfalls wäre es schade, denn ich bekomme gern Komplimente. 

Claudia Forster (CSU), Bürgermeisterin aus Denkendorf (Kreis Eichstätt)

Claudia Forster
Claudia Forster
Wermuth
Ingolstadt

Als Ende vergangenen Jahres die Debatte aufkam, da habe ich mich auch solidarisiert und auf Facebook gepostet: #MeToo. Ich auch. 30 Jahre ist es her, dass ich Opfer von sexueller Belästigung wurde. 30 Jahre, in denen ich nie darüber gesprochen habe, weil mir das peinlich war, man hat über so etwas einfach nicht gesprochen. Heute ist es ein befreiendes Gefühl zu wissen, dass wir jetzt die Diskussion darüber führen können. 30 Jahre lange habe ich das Thema verdrängt, jetzt will ich Mädchen und Frauen Mut machen: „Werdet deutlich! Passt auf euch auf, lasst euch nicht begrapschen.“ Heute würde ich anders reagieren als damals, jetzt bin ich abgeklärter und älter. Heute habe ich zwar nicht das Gefühl, als Frau belächelt oder nicht ernst genommen zu werden, aber als Bürgermeisterin stehe ich anders im Fokus und es wird durchaus beobachtet, was ich tue oder welche Kleidung ich trage.

Karin Heidmeier, Fotografin aus Neuburg

Karin Heidmeier
Karin Heidmeier
Karin Heidmeier
Ingolstadt

An mich persönlich traut sich keiner ran, ich habe da so eine „Ich-schlag-zurück-Ausstrahlung". Was aber wirklich regelmäßig vorkommt, ist, dass uns in unser Fotostudio Nacktaufnahmen geschickt werden, auf denen Männer ihre Geschlechtsteile, teilweise im erigierten Zustand, fotografiert haben und uns dann fragen, ob wir die nicht auch mal ablichten wollen. Mich belasten diese Bilder nicht psychisch, aber ich weiß, dass Frauen, die sexuell belästigt werden, teilweise jahrelang darunter leiden. Als ich noch eine junge Fotografin in der Ausbildung war, war das aber auch noch etwas anders. Da hat mich mal ein Mann am Telefon richtig ausgefragt über Aktaufnahmen, und ob ich auch schon mal welche gemacht hätte. Ich habe das am Anfang gar nicht richtig kapiert und wollte höflich sein und seine Fragen beantworten. Aber als er dann einfach aufgelegt hat, habe ich gemerkt, dass er sich nur aufgeilen wollte. Das hat mich damals schon verunsichert. In meinem Studio machen wir auch keine Einzel-Nacktaufnahmen von Männern mehr – als Schutzmaßnahme, weil uns das Risiko einfach zu groß ist. Wir Fotografinnen wären dann ja alleine mit den Männern im Studio. 

 

Anita Kerner, Raumausstatterin und Kreisrätin aus Neuburg (FW)

Anita Kerner
Anita Kerner
Belzer
Ingolstadt

Ich saß knapp neun Jahre im Stadtrat, als ich beschlossen habe, dass es reicht. Ich bin in einem Ausschuss öffentlich vorgeführt und runtergemacht worden, daheim habe ich geweint und meinem Mann gesagt, dass ich mich wie vergewaltigt fühle. Es braucht nicht zwingend die körperliche Belästigung, um sich elend zu fühlen. Das andere ist genauso schlimm und sitzt oft viel tiefer. Es passiert im Alltag einfach viel zu oft, dass Männer sich aufblasen und Frauen dadurch einschüchtern wollen – wie eine immerwährende Machtdemonstration. Man darf es nicht akzeptieren, dass Männer gegenüber Frauen laut werden, so verhalten sie sich ja auch nicht untereinander. Meine Karriere als Raumausstatterin hatte noch nicht einmal begonnen, da sagte mir ein Mann: „Das ist kein Frauenberuf.“ Ich bin trotzdem meinen Weg gegangen und habe heute mein eigenes Geschäft. In meinem Beruf musste ich aber zum Glück noch nie eine Situation erleben, die mir Angst gemacht hätte. Dennoch habe ich das Gefühl, dass der Sexismus in der Gesellschaft wieder stärker wird. Wir waren schon mal weiter. Frauen sind immer noch zu stark fremdbestimmt, abhängig und glauben dann, sich alles gefallen lassen zu müssen. 

Agnes Krumwiede, Politikerin (Grüne), Künstlerin und Pianistin aus Ingolstadt

Ingolstadt: "Ich kandidiere für gar nichts mehr"
Agnes Krumwiede
Hammer
Ingolstadt

Sexuelle Belästigung – klar ist mir das auch schon passiert, wenn auch in anderer Form. Als ich 2009 für die Grünen in den Bundestag kam, bin ich sofort zur „Miss Bundestag“ gewählt worden. Kein Mensch hat mich vorher gefragt, ob ich das will – das hat mich zutiefst erschüttert. Nachdem ich meine erste Rede gehalten hatte, schrieb die Bild-Zeitung, Jürgen Trittin habe mir auf den Hintern geschaut, als ich wieder zurück zu meinem Platz ging. Da gibt es ein Youtube-Video. Dabei hatte er mir nur nachgerufen: „Tolle Rede.“ Aber fortan wurde ich in den Medien nur noch auf mein Körperteil reduziert. Das fand ich skandalös. Einem Redakteur der Süddeutschen Zeitung hatte ich stundenlang von meinen kulturpolitischen Zielen erzählt, aber was stand über dem Artikel? „Agnes und ihre Beine“. Das fand ich sexistisch. Ich fühlte mich ohnmächtig und belästigt – so als würde mich jemand durch die Zeitung begrapschen, und alle Welt schaut zu. Als es dann die Aktion #Aufschrei gab, habe ich in einem Gastbeitrag für die TAZ geschrieben, in Sachen Sexismus sollten sich die Medien an die eigene Nase fassen. Von einem Kollegen im Bundestag habe ich mich nie belästigt gefühlt. An der  Musikhochschule in Würzburg allerdings ging es richtig ab, dort war sexuelle Belästigung der Studentinnen an der Tagesordnung. An mich hat sich zwar keiner rangetraut, aber ich wurde Zeugin von echt widerlichen Vorfällen. Agnes Krumwiede, Politikerin (Grüne), Künstlerin und Pianistin aus Ingolstadt

Eva Bulling-Schröter, Politikerin (Die Linke) aus Ingolstadt

Eva Bulling-Schröter
Eva Bulling-Schröter
Ingolstadt

Sexuelle Anmache habe ich schon in jungen Jahren erlebt. Damals habe ich in einem Metallbetrieb gearbeitet, da gab es öfter verbale Übergriffe. Zum Beispiel fragte mich ein Vorgesetzter regelmäßig am Montag früh, wie mein Wochenende in sexueller Hinsicht gelaufen sei. Das war mir total peinlich, denn ich war noch sehr jung. Ich habe mich auch gewehrt, aber das wurde nicht ernstgenommen. Damals war das ja noch kein Thema in unserer Gesellschaft, da war man noch nicht so sensibilisiert. In der Werkshalle hingen auch Nacktfotos von Frauen. Ich habe den Kollegen gesagt, wenn die nicht wegkommen, dann hänge ich auch Fotos von nackten Männern auf. Und dann wurden sie abgehängt. Mit der Zeit wirst du halt handfester und weißt dich zu wehren. Inzwischen gibt es gute Gesetze, und ich kann als Politikerin nur allen Frauen raten sich nicht zurückzuziehen, sondern stark mit den Problemen umzugehen, denn nur so verändert sich etwas in dieser Gesellschaft – und es gibt viele Mitstreiterinnen. 

Eva Gottstein, Landtagsabgeordnete (FW) aus Eichstätt

Eva Gottstein
Eva Gottstein (Mitte)
Redl
Ingolstadt

Natürlich wurde ich auch angetatscht, am Knie oder am Oberschenkel. Als junge Frau habe ich das als selbstverständlich hingenommen. Ich konnte das nicht einordnen. Manche Lehrer haben sich auch immer so hinter mich gestellt, dass sie mir in den Ausschnitt schauen konnten. Ich bin froh, dass das Thema jetzt gespielt wird – am besten so lange, bis es nicht mehr notwendig ist, darüber zu sprechen. Männer müssen erkennen, wie ihre Botschaften ankommen. Ein schlechter Witz kann bei der einen Frau ganz anders wahrgenommen werden als bei einer anderen. Und da geht es nicht darum, dass man gar keinen Witz mehr machen oder nicht mehr flirten darf. Frauen werden ganz häufig noch als das schwächere Wesen gesehen und in der ganzen Debatte um #MeToo merke ich schon, wie ein Großteil der Männer das Thema noch belächelt, als sei das alles ein hysterischer Aufschrei. 

Monika Schratt, ehemalige Dritte Bürgermeisterin (Grüne) aus Pfaffenhofen

Pfaffenhofen: Menschenkette für Toleranz
Monika Schratt und ihre Gruppe „Pfaffenhofen gegen Rechts“ setzen sich für Toleranz gegenüber allen Mitbürgern ein. - Foto: Eibisch
Ingolstadt

Ich bin nie betatscht worden, und wenn es jemand versucht hat, dann habe ich ihm gesagt, dass er weggehen soll. Was ich aber durchaus erlebt habe, ist, dass ich mich als Frau zurückgesetzt gefühlt habe. Als einzige Frau in einer Arbeitsgruppe – und ich war dauernd die einzige Frau – wurde mir wie selbstverständlich das Diktiergerät zugeschoben, als wäre ich die Sekretärin. Das habe ich abgelehnt. Die Grenzen zur sexuellen Belästigung sind fließend und oft ist es ein schleichender, oft unterschwelliger Prozess. Einmal hat eine Gruppe in meinem Beisein davon erzählt, wie auf einer Party Viagra verteilt wurde. Das hätten sie sicher nicht getan, wenn ich nicht da gewesen wäre. Das ist einfach ungehörig. Die Männer haben dieses Verhalten gelernt, aber jetzt brechen andere Zeiten an. Frauen müssen aber auch lernen, sich zu wehren und sich davon nicht beeinträchtigen zu lassen. 

Maria Paulig, Triathletin und Studentin aus Ingolstadt

Maria Paulig
Maria Paulig
Ingolstadt

Es ist ungefähr sechs Jahre her, da war ich 17 Jahre alt, als mich beim Joggen im Frühling eine ganze Zeit lang ein Auto verfolgt hat. Der Fahrer ist in meinem Tempo neben mir hergefahren und hat mich begafft, bis wir an eine größere Kreuzung gekommen sind. Das habe ich als sehr belästigend empfunden, deswegen bin ich auch zur Polizei gegangen. Aber weil ich mir vor lauter Schock das Kennzeichen nicht gemerkt hatte, konnten die Beamten nichts machen, obwohl sie sehr bemüht waren. Seit diesem Vorfall habe ich immer, wenn ich alleine trainiere, Pfefferspray in der Hand. Anders fühle ich mich einfach nicht sicher. Es kommt auch regelmäßig vor, dass Männer das Fenster herunterkurbeln und mir nachpfeifen, rumgrölen oder hupen. Erst vor Kurzem ist mir ein älterer Mann auf dem Rad entgegen gekommen und hat mir ins Gesicht gesagt: „Von dir habe ich heute geträumt.“ Was gibt diesen Männern das Recht, mich so anzugaffen? Frauen machen das bei Männern doch auch nicht. 

Ingrid Cannonier, Schauspielerin aus Ingolstadt

Ingrid Cannonier
Ingrid Cannonier
Olah
Ingolstadt

Ich kann jede Menge berichten zu dem Thema: Als Schülerin, so mit zwölf Jahren, hatte ich einen Lieblingsbusfahrer. Einmal waren wir ganz allein im Bus, und ich saß in seiner Nähe. Da hat er mich plötzlich an sich gezogen und mir seine Zunge in den Mund gesteckt. Ich bin erschrocken weg von ihm und war total perplex. Ich habe bis heute mit niemandem darüber gesprochen, weil es mir so peinlich war und ich mich geschämt habe – auch nicht mit meinen Eltern. Ich musste ja weiter mit diesem Bus fahren, das war schrecklich. Und der Mann hat so getan, als sei überhaupt nichts passiert. Auch später, als junge Schauspielerin, sind mir solche Dinge passiert: Ich hätte gleich zweimal Fernsehrollen bekommen, wenn ich mich mit dem jeweiligen Regisseur eingelassen hätte. Das Vorsprechen war toll gelaufen, ich war schon ganz selig. Aber plötzlich war dann klar, dass ich die Rolle nur dann kriegen würde, wenn ich mit dem Regisseur ins Bett gehe. Das wollte ich natürlich nicht – und da war die Rolle futsch.