Freystadt: Kulinarisches Kino
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Freystadt

Freystadt (DK) Es ist Fasching. Sechs verkleidete Kinder stürmen mit zwei Erwachsenen als Begleitung ins Café Beck. Ihre Kostüme reichen von der Prinzessin bis zum Skelett. Sie sind gekommen, um sich den Streifen "Wendy - Der Film" anzusehen. Bevor es losgeht, bestellen sie sich noch Popcorn und Getränke.

Das Besondere am Café Beck ist, dass man hier im Kino außer Popcorn auch Hauptgerichte wie Currywurst mit Pommes oder Cordon Bleu bestellen kann. Neben dem Kinosaal hat das Lokal am Ortseingang von Freystadt (Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz) noch ein Restaurant, in dem bürgerliche Speisen serviert werden. Im Gegensatz zu anderen Kinos sitzt man im Café Beck nicht in Sitzreihen, sondern in hufeisenförmigen Sitzgruppen mit einem großen Tisch in der Mitte.

"Als mein Vater das Kino 1971 eröffnet hat, war das en vogue", sagt Christa Hofbeck-Paulus, die Betreiberin des Café Beck. Die 59-Jährige ist die Tochter von Kinogründer Otto Beck (89). Dass es in ihrem Kino auch Hauptgerichte gebe, sei ein großes Plus. Zu bestimmten Filmen biete man außerdem spezifische Gerichte an. "Zum Film ,Schweinskopf al dente' konnten sich die Gäste hausgemachten Schweinskopf bestellen", erzählt Hofbeck-Paulus.

Thomas Müller (38) ist Stammgast im Café Beck und schätzt vor allem, dass man dort neben dem Film essen kann. "Besonders zu empfehlen sind die badischen Schweinelendchen", findet Müller. Durch den guten Sound im Kino störe das Geklapper des Geschirrs überhaupt nicht. Ein weiterer Vorteil im Vergleich zu anderen Kinos sei auch, dass man gratis direkt vor der Tür parken könne. Er komme regelmäßig am Sonntag mit seiner Frau und den zwei Kindern ins Café Beck. "Zuletzt haben wir ,Findet Dorie' gesehen", sagt er.

Früher habe es viel mehr Kinos gegeben, in denen man essen konnte, erinnert sich Hofbeck-Paulus. "Aber die Kinolandschaft hat sich radikal verändert", sagt sie. Die Kinos in Hilpoltstein, Beilngries und Allersberg gibt es längst nicht mehr. Nur ihr Filmtheater haben die Multiplexkinos in Neumarkt und Nürnberg noch nicht verdrängt. Bis 2013 hatte das Café Beck noch einen alten 35-Millimeter-Projektor. Doch Hofbeck-Paulus und ihr Mann Bernhard Hofbeck (52), mit dem sie das Kino zusammen betreibt, investierten 70 000 Euro in einen digitalen Projektor, der auch 3D-Filme zeigen kann. "Ich bedauere nur, dass wir es nicht früher gemacht haben", berichtet sie.

Die Filmauswahl bezeichnet die 59-Jährige als "dem Mainstream zugewandt". Donnerstag, Freitag und Sonntag laufe nachmittags ein Film für Kinder. Abends habe man zurzeit den Film "La La Land" im Programm. Der größte Kassenschlager sei bisher "Fack ju Göhte" gewesen. Manchmal muss sie sich aber über die Filmverleihe ärgern: ",Toni Erdmann' habe ich nicht gekriegt, obwohl ich den Film gerne zeigen wollte." Sie verstehe nicht, dass manche Verleihe das Angebot künstlich verknappen, um so höhere Preise erzielen zu können. Zum Glück habe man mit dem Restaurant noch ein zweites Standbein, denn 50 Prozent des Eintrittspreises gingen an den Verleih. Zudem müssten auch noch Steuern bezahlt werden.

Wenn sie und ihr Mann einmal in Rente gehen, hofft Hofbeck-Paulus, dass ihr Sohn Stefan Paulus (26) das Kino weiterführen wird. "Zurzeit arbeitet er hauptberuflich im Metroplex in Fürth als Assistent der Geschäftsführung", berichtet sie. Doch auch in das Kino der Eltern sei er als Chefvorführer schon eingebunden. "Wir wünschen uns, dass Stefan das Kino in der dritten Generation weiterführt", sagt sie.

Thomas Müller hofft, dass das kleine Kino erhalten bleibt. "Wir gehen seit zehn Jahren gerne hin", sagt er. Ein Grund dafür ist auch die familiäre Atmosphäre im Café Beck. Mit den Betreibern des Kinos unterhalte er sich oft über neue Filme und andere Dinge. "Ich habe mittlerweile auch meinen Stammplatz im Kino", erzählt er. Wenn ein neuer Blockbuster im Café Beck anlaufe, komme es oft vor, dass der Laden bis auf den letzten Platz ausverkauft sei. Besonders in Erinnerung geblieben sei ihm der 30. Geburtstag seiner Frau, den das Paar zusammen mit Freunden im Kino feierte. "Zum zehnten Hochzeitstag haben wir das Kino noch mal gemietet und eine Halloweenparty veranstaltet", sagt er.

Christa Hofbeck-Paulus ist der persönliche Kontakt zu den Menschen wichtiger als der Umsatz. Trotz der Konkurrenz durch die Multiplexkinos und der Tatsache, dass viele Leute warten, bis ein Film auf DVD herauskomme, statt ins Kino zu gehen, habe das Café Beck auch ein besonderes Angebot für die Bewohner des Hilpoltsteiner Auhofs. Die Gäste, die in der Einrichtung für Menschen mit Behinderung leben, zahlen für den Kinobesuch nur die Hälfte. Für die Betreuer ist der Eintritt frei. "Zudem zeigen wir vor dem Hauptfilm keine Werbung, sondern nur ein paar Filmvorschauen", berichtet sie.

Christa Hofbeck-Paulus bringt den verkleideten Kindern noch ihr Popcorn, dann geht der Film "Wendy" los. Für eineinhalb Stunden ist nun sogar der Fasching uninteressant.