Horst Seehofer und Franz-Josef Strauß
Horst Seehofer 1980 mit dem CSU-Übervater Franz Josef Strauß.
Wolf
Ingolstadt
Geboren 1949 als Kind einer Arbeiterfamilie trat er mit jugendlichen 20 Jahren 1969 in die Junge Union ein. Nach der mittleren Reife hatte er eine Beamtenlaufbahn eingeschlagen und war an den Landratsämtern in Ingolstadt und Eichstätt tätig. 1971 konnte ihn die CSU als Mitglied begrüßen - deren Vorsitzender er 27 Jahre später werden sollte.
Horst Seehofer
Das Bild entstand 2002, als Seehofer nach seiner lebensbedrohlichen Herzmuskelerkrankung seine Rückkehr in die Politik verkündete.
Herbert
Ingolstadt

Nach dem schlechten Abschneiden seiner Partei bei den Landtagswahlen 2008 bestimmte ein Sonderparteitag Horst Seehofer mit 90,3 Prozent zum neuen CSU-Chef. Er folgte auf Erwin Huber. Dem Niederbayern war er ein Jahr zuvor bei einer Kampfkandidatur unterlegen. Zwei Tage später wählte ihn der bayerische Landtag am 27. Oktober 2008 als Nachfolger von Günther Beckstein auch zum Ministerpräsidenten. Somit waren beide Ämter in einer Hand - Seehofer war am Zenit der Macht angekommen. Mit ihm an der Spitze errang die CSU bei den darauffolgenden Landtagswahlen im Jahr 2013 wie schon zwischen 1962 und 2008 wieder die absolute Mehrheit.

Seine politische Erfahrung und sein strategisches Verständnis, die diesen Erfolg möglich gemacht hatten, kamen freilich nicht von irgendwoher. Erstmals zog Horst Seehofer als direkt gewählter Abgeordneter für den Wahlkreis Ingolstadt 1980 in den Bundestag ein. Schon früh avancierte er zum sozialpolitischen Sprecher der CSU-Landesgruppe, 1989 wurde er Staatssekretär unter Norbert Blüm. 1992 ernannte ihn Helmut Kohl zum Gesundheitsminister. 1998 endete seine Zeit in der Bundesregierung, die schwarz-gelbe Koalition wurde vom rot-grünen Bündnis mit Gerhard Schröder an der Spitze abgelöst.

2002 erkrankte Seehofer lebensbedrohlich. Eine Entzündung des Herzmuskels zwang ihn zur Pause - die jedoch nicht allzu lange währte. Zurück im Bundestag trat er 2004 wegen Kontroversen rund um die Gesundheitsprämie als stellvertretender Fraktionsvorsitzender zurück. Diese Konsequenz brachte ihm viel Respekt ein. Ab 2005 bekleidete er wieder ein Ministeramt. Unter Angela Merkel war er für die Themen Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zuständig - bis 2008, als er dringend in der bayerischen Heimat gebraucht und Ministerpräsident wurde.

Diesen Posten und den des CSU-Vorsitzenden wollte er ursprünglich 2018 abgeben und sich in den Ruhestand verabschieden - doch davon rückte er schließlich ab. Nach dem desaströsen Ergebnis der Bundestagswahl ist alles anders gekommen: Er scheidet nicht ganz freiwillig aus einem seiner beiden Ämter. | Verena Belzer