Mittwoch, 30.05.2012 |

 

06.06.2010 20:02 Uhr | 373x gelesen
Drucken Text vergrößern

Magie der Altmeister


München (DK) Richtig tot, so heißt es, sei einer erst dann, wenn niemand mehr an ihn denkt. Folgt man diesem Verdikt, dann müssen sich Robert Johnson und Ray Charles, Muddy Waters und Otis Redding quicklebendig mitten unter den rund 15 000 Musikfans befunden haben, die Eric Clapton und Steve Winwood am Samstagabend auf dem Königsplatz in München feierten.


An den Blues- und Rhythm’n’Blues-Vorlagen des schwarzen Amerika orientieren sich die Altmeister, seit sie vor fast 50 Jahren – Clapton (Jahrgang 1945) bei den Yardbirds, Winwood (Jahrgang 1948) bei der Spencer Davis Group – ihre ersten Spuren im Rock-Business hinterlassen haben. Und so sind es denn an diesem wunderschönen Frühsommerabend auch der Soul, der Blues und beizeiten – etwa im furiosen Instrumental "Glad" – der Jazz, die die Rockmusik dieser formidablen Band befeuern, den Motor rund laufen lassen. So ziemlich genau nach einer Stunde indes ist eh alles anders. Bis dahin war es ein tolles Konzert, auch wenn Winwoods Stimme mittlerweile in den höheren Registern altersbedingt an ihre Grenzen stößt, auch wenn J. J. Cales "After Midnight" vielleicht eine Spur zu fahrig gespielt wird. Doch dann, es ist 21.10 Uhr, fällt die erstklassige Rhythmusgruppe (Steve Gadd am Schlagzeug, Willie Weeks am Bass) in einen fiebrigen Groove, aus dem sich schließlich der 1936 von Robert Johnson als karger Countryblues aufgenommene "Crossroad Blues" herausschält. Von diesem Moment an ist es mehr als nur eine mitreißende Show: Es ist pure Magie.

Winwood sorgt mit einer betörenden Version von "Georgia On My Mind" für Gänsehaut im Auditorium, auch das viertelstündige Unplugged-Set mit dem "Driftin’ Blues", dem Clapton-Klassiker "Layla" und dem wehmütigen "Can’t Find My Way Home" zeigt, wo die Stärken Claptons, Winwoods und ihrer Begleiter liegen: in der immensen Musikalität, der enormen Spielfreude und der jeglicher Egotrips abholden Interaktion aller Beteiligten. Höhepunkt des zweieinviertelstündigen Auftritts ist eine elektrisierende Version von Jimi Hendrix’ "Voodoo Chile".

Mehr als eine Zugabe ("Dear Mr. Fantasy") ist danach nicht mehr drin. Das Publikum ist dennoch glücklich. Gut möglich auch, dass Muddy Waters, Ray Charles und Otis Redding irgendwo da oben die Köpfe zusammenstecken und anerkennend nicken – und Robert Johnson leise in sich hineinlächelt.


Von Peter Felkel

Artikel weiterempfehlen  Empfehlen Artikel verlinken  Artikel verlinken

Wenn Sie diesen Artikel von donaukurier.de verlinken möchten, können Sie einfach folgenden HTML-Code verwenden:

 

Drucken  Drucken  Leserbrief schreiben   Leserbrief Kommentare lesen/schreiben  Kommentieren
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingelogged sein!
Benutzername  
Passwort      
Noch keinen Zugang?
Jetzt kostenlos registrieren!
Anmeldung über Cookie merken

 
 


Weitere Themen 
Raritäten und Klassik-Schlager
"Die Kunst geht nicht nach dem Markt"
"Eine tolle Auswahl"
Literarisches Fräuleinwunder
Die Schönheit der Leiber
Frisch aus dem Baumarkt
Großes Herz
Das Fremde in uns
Per Karussell nach Moskau
Unheimliches Idyll
 


>