Peter Kraus
Seit 57 Jahren auf der Bühne: Peter Kraus (rechts) wird in Ingolstadt ein Best-of-Programm seiner langjährigen Karriere zum Besten geben. Seine Fans dürfen sich auf Klassiker wie "Sugar Baby", "Tutti Frutti", "Tiger" und "it 17" freuen.
Mike Kraus
Video: Interview mit Peter Kraus
Als er zum ersten Mal auf der Bühne stand, schaffte der blutjunge Elvis Presley in den USA gerade seinen Durchbruch, „Giganten“ mit dem im Jahr zuvor tödlich verunglückten James Dean kam in die Kinos und Konrad Adenauer regierte Deutschland. „Und jetzt singt ein junger Münchner für Sie Rock 'n' Roll“, kündigte der Conférencier am 18. Oktober 1956 im Kongresssaal des Deutschen Museums Peter Kraus an – der Rest ist Geschichte. Der 17-Jährige gab drei Songs zum Besten (zwei von Elvis), wurde vom damals bekanntesten Produzenten Gerhard Mendelson vom Fleck weg unter Vertrag genommen und landete ein Jahr später seinen ersten großen Hit.
 
57 Jahre danach steht das einstige Teenageridol noch immer auf der Bühne. Am 10. Mai gastiert Peter Kraus im Festsaal des Stadttheaters in Ingolstadt (Karten gibt es im DK-Office). Unser Redakteur Uwe Ziegler sprach mit ihm.



Sie waren Mitte der 1950er Jahre Pionier in Sachen deutsche Rockmusik. Sind sie mit dieser neuen Musikrichtung damals auf Widerstand gestoßen?
Peter Kraus: Bei der Jugend nicht. Die war sehr nationalbewusst und froh, dass wir Rock 'n' Roll selber können. Der Widerstand kam von den Eltern. Ich treffe heute noch Leute auf meinen Konzerten, die sagen, sie wüssten nicht, warum sie ihrer Tochter damals wegen meiner Musik eine Ohrfeige gegeben haben (lacht).

Was dürfen die Fans in Ingolstadt von Ihnen erwarten?
Kraus: Eine Art Best-of-Programm. Hits von damals in teilweise anderem Gewand, sehr viel Rock 'n' Roll, ein paar lustige Dinge und fünf, sechs Songs vom aktuellen Album.
 

"Ich kann nicht ruhig sitzen"


Sie sind jetzt 74 und fit wie Mitte 40. Wie machen Sie das?
Kraus: Ich lebe relativ gesund, aber nicht asketisch – im Gegenteil. Es ist eine Sache der Vernunft. Ich esse alles, jedoch mit Maß und Ziel. Und ich bewege mich wahnsinnig viel, kann nicht ruhig sitzen. Ich lebe im Tessin direkt am See, fahre im Sommer Wasserski und Kanu und habe ein Segelboot. Gerade komme ich aus der Garage, wo ich an einem Oldtimer rumgebastelt habe.

Die „Bravo“ hat kürzlich den Starschnitt wiederbelebt. Mussten Sie schmunzeln?
Kraus: In der Tat, denn ich war 1959 der erste männliche „Bravo“-Starschnitt. Ich war stolz, weil ich unmittelbar nach Brigitte Bardot an der Reihe war.

Wodurch unterscheiden sich die Konzerte Ihrer Anfangszeit mit denen von heute?
Kraus: Heute sind die Konzerte aufgrund der Technik wahnsinnig laut. Wir hatten damals kleine Boxen, das war ja vergleichsweise Kammermusik. Dennoch konnten wir diese Euphorie entfachen. Damals wurde auch noch nicht mitgeklatscht. Das ist eine Erfindung der Neuzeit. In Deutschland können die Zuschauer immer noch nicht auf zwei und vier klatschen, deshalb bin ich froh, wenn sie bei mir nicht mitklatschen (lacht).

Welche aktuelle Musik hören Sie?
Kraus: Ich hab mir Pink in Basel angeschaut, das war gut. Helene Fischer hat mich begeistert. Zu Hause höre ich meistens das, was ich gerade selber mache. Manchmal Big Band, dann Blues. Zurzeit viel von Eric Clapton.

Was halten Sie vom aktuellen Album von Heino?
Kraus: Ich fand das eine tolle Idee und hätte nicht mit diesem Erfolg gerechnet. Ich gratuliere ihm dazu.
 


Haben Sie noch Freunde aus der Schlagerzeit – Conny Froboess zum Beispiel?
Kraus: Ich lebe etwas abseits hier im Tessin und bin zu selten in München. Nein, ich habe kaum Kontakte.

Freddy Quinn
Freddy Quinn 1971 in der Musikhalle Hamburg, 1971.
Heinrich Klaffs, Wikipedia
Mit einem anderen Heroen der damaligen Zeit verbindet Sie eine stille Feindschaft. Warum mögen Sie und Freddy Quinn sich nicht?
Kraus: Freddy war zeit seines Lebens ein wenig eigenartig. Er hatte schon eine Million Platten von „Heimweh“ verkauft, als er mit Max Gregers Big Band auf Tournee war. Als Highlight trat er zum Ende des Programms auf. Ich durfte als junger Kerl in der Pause spielen und hab da schon so abgeräumt, dass er sich hinterher schwergetan hat. Das ist ihm wohl ein bisschen im Hals steckengeblieben.
 

"Der junge Peter Kraus hätte bei 'DSDS' wenig Chancen"


Hätte der junge Peter Kraus heute bei „DSDS“ eine Chance?
Kraus: Ich glaube eher nicht. Ich wäre damals nie auf die Idee gekommen, so zu singen wie Elvis Presley oder Bill Haley, weil die gab's ja schon. Heute imitieren Sechs-, Siebenjährige Whitney Houston, die haben mehr Chancen. Deshalb kommt über Casting-Shows auch nur sehr wenig neues Material.
 


Welche Projekte planen Sie für die Zukunft?
Kraus: Ich hab nach langer Zeit mal wieder in einem Film mitgespielt, der im Juli in die Kinos kommt: „Wenn Inge tanzt“. Ich spiel das, was ich immer abgelehnt habe: einen alt gewordenen Schlagersänger. Ich wünsche mir, dass der Film erfolgreich ist und mir die Produzenten dann endlich andere Rollen anbieten. Zu meinem 75. Geburtstag im nächsten Jahr werde ich mit einem neuen Album auf Tournee gehen.

Wie lange möchten Sie denn noch auf der Bühne stehen?
Kraus: Das ist eine Frage der Gesundheit. Mein Publikum soll sich nach meinen Konzerten um 20 Jahre junger fühlen. Das kann ich nur erreichen, wenn ich selber fit bin. Ich werde den Saal nicht mehr vollbekommen, wenn ich auf einem Hocker sitze und schön brav Balladen singe. Dann wär's gescheiter, aufzuhören. Dafür gibt es aber noch keine Anzeichen.