"Ich liebe Filmemachen, das ist mein Leben"
München/Los Angeles (DK) Bei großen deutschen Kinoerfolgen hatte Bernd Eichinger meist die Finger im Spiel. Der Produzent hatte den Ruf als wichtigster Mann im deutschen Film. Zu den Streifen, die Eichinger auf die Leinwand brachte, gehören so erfolgreiche Produktionen wie "Die unendliche Geschichte", "Das Parfum", "Der Name der Rose" oder "Der Schuh des Manitu". Der "Filmbesessene", wie er sich selbst nannte, starb am Montag in Los Angeles im Alter von 61 Jahren bei einem Abendessen mit Freunden und Familie an einem Herzinfarkt. Er hinterlässt seine Ehefrau Katja und eine Tochter, die 29-jährige TV-Moderatorin Nina Eichinger.
"Wir alle sind geschockt von dieser unfassbaren Nachricht und fühlen mit der Familie und den Angehörigen", teilte die Produktionsfirma Constantin Film mit. "Mit Bernd verlieren wir einen Freund und Weggefährten, unsere Trauer und den Schmerz kann man nicht in Worte fassen. Bernd war über 30 Jahre lang das Herz der Constantin Film und hat die Filmindustrie national wie international geprägt."
Seinen Durchbruch feierte Eichinger 1981 mit dem Film "Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo". Spätestens 1984 wurde er mit der Michael-Ende-Verfilmung "Die unendliche Geschichte" (Regie: Wolfgang Petersen) zu einer der internationalen Größen im Filmgeschäft. Der von ihm produzierte Film "Nirgendwo in Afrika" (Regie: Caroline Link) gewann 2003 den Oscar für den besten nicht-englischsprachigen Film. Insgesamt produzierte Eichinger in 30 Jahren mehr als 70 Filme.
"Ich habe keine gute Nase für Stoffe, und ich versuche auch gar nicht, mich daran zu orientieren, was denn so en vogue ist", sagte Eichinger einmal. "Ich gehe nur von mir aus." Mit diesem Rezept traf er, der neben seiner Arbeit als Produzent auch Drehbücher geschrieben und Regie geführt hat, seit Jahrzehnten fast immer den Geschmack des Publikums.
Als Sohn eines Arztes wuchs Bernd Eichinger mit seiner Schwester in Rennertshofen (Kreis Neuburg-Schrobenhausen) auf. Mit elf Jahren kam er in ein katholisches Internat im Bayerischen Wald. "Die Glocke teilte dort das ganze Leben ein", beschrieb Eichinger den strengen Tagesablauf. Aus dieser Erinnerung entstand auch die Idee für einen Kurzfilm, in dem eine Klingel den Tagesablauf eines jungen Mannes bestimmt und ihn damit in den Wahnsinn treibt. Mit diesem Film bewarb Eichinger sich an der Münchner Filmhochschule. Zuvor hatte er den Streifen im Familienkreis in Rennertshofen in einer Art Testvorstellung vorgeführt. Bei 400 Bewerbern ergatterte er 1970 einen der begehrten elf Studienplätze. "Das war eine Offenbarung", schwärmte er von seiner Zeit dort.Mit 25 Jahren gründete Eichinger seine erste Produktionsfirma, mit der auch der Oscar-nominierte Film "Die gläserne Zelle" entstand. 1979 stieg der Jung-Produzent bei der angeschlagenen Verleihfirma Constantin ein. Auch dort bewies er eine glückliche Hand und konnte das Unternehmen im Laufe der Jahre durch Umstrukturierungen sanieren.
"Geschichten springen mich einfach an", beschrieb Eichinger sein Gespür für Stoffe. Für manchen seiner Erfolge kämpfte er über Jahre verbissen. So musste der Produzent 15 Jahre warten, ehe sein Freund Patrick Süskind seinem Drängen nachgab und ihm die Filmrechte an dem Roman "Das Parfüm" dem Vernehmen nach für zehn Millionen Euro verkaufte.
Eichinger bewies im Laufe der Jahre nicht nur Geschick bei seiner eigenen Karriere, er gilt auch als Entdecker von Stars wie Til Schweiger und Sönke Wortmann. Und er hatte den Ruf, die Kontrolle behalten zu wollen. "Die Regisseure sind im Prinzip eifersüchtig, wenn ich beim Dreh nicht dabei bin, weil sie denken, dass mich das jetzt nicht interessiert", erklärte Eichinger selbst seine Omnipräsenz.
Auch in Hollywood feierte er große Erfolge. Sein Film "Der Untergang" über die letzten Tage Hitlers im Führerbunker und der RAF-Thriller "Der Baader Meinhof Komplex" waren für den Oscar nominiert. Im April 2010 wurde Eichinger mit dem Ehrenpreis des Deutschen Filmpreises ausgezeichnet. Senta Berger sagte in ihrer Laudatio, Eichinger habe "ein Werk geschaffen, das international wenig Vergleichbares hat". Die Deutsche Filmakademie verdanke ihm ihre Existenz. Eichinger sagte unter dem stehenden Applaus des Publikums, er sei sehr berührt". "Ich liebe Filmemachen, das ist mein Leben." Er danke allen, die ihm "dieses wunderbare Leben möglich machen". Zuletzt hatte Eichinger am Drehbuch zur Geschichte des österreichischen Entführungsopfers Natascha Kampusch gearbeitet.


