Hollywoodschauspieler Bradley Cooper hält nicht viel von übertriebenen Macho-Allüren. Er bewundere Männer, die verantwortungsbewusst aber auch wunderbare Clowns seien, sagte er dem "Stern". Bradley Cooper mag Männer mit Humor
Bradley Cooper
© 2013 AFP
Das dritte Jahr in Folge ist Bradley Cooper für einen Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert. In den vergangenen Jahren war der 40-Jährige mit "Silver Linings" und "American Hustle" ins Rennen gegangen. 2015 tritt er mit "American Sniper" an. Der Film erzählt die wahre Geschichte des Scharfschützen Chris Kyle, der 160 Menschen während des Irakkriegs tötete. Für diese Rolle musste sich Cooper etwa 20 Kilo Muskelmasse antrainieren. Und gerade die Rollen, die eine extreme körperliche Veränderung mit sich bringen, werden von der Jury oftmals mit einer Nominierung belohnt. Allerdings hat Cooper abgesehen von seinem massiven Muskelaufbau nicht sonderlich viel zu bieten. Er spielt den sanften, patriotischen Riesen zwar gekonnt, doch geht die Rolle im Vergleich zu den Figuren der anderen Nominierten nicht in die Tiefe. Das Problem liegt in der Figur selbt: Chris Kyle ist so still, dass seine Motive oftmals schwer nachvollziehbar sind. Obwohl der Film nach dem Ermordung des echten Scharfschützens Chris Kyle am 2. Februar 2013 nicht mehr ein reiner Kriegsfilm, sondern vielmehr eine Charakterstudie werden sollte, ist "American Sniper" noch immer zu sehr Kriegsfilm, als dass Bradley Cooper berechtigterweise einen Oscar gewinnen dürfte.
 
Benedict Cumberbatch erspielte sich mit "The Imitation Game" eine Nominierung
Benedict Cumberbatch
Facundo Arrizabalaga (EPA)
Für Fernsehfans ist der Brite Benedict Cumberbatch (38) schon lange kein Unbekannter mehr: Er ist bekannt für seine brilliante Darstellung des soziopathischen Meisterdetektivs Sherlock Holmes in der BBC-Serie "Sherlock". Nun schlüpft Cumberbatch erneut in die Rolle eines Genies, das sich am Rande der Gesellschaft bewegt: In "The Imitation Game" stellt er den Mathematiker und Kryptografen Alan Turing dar, der im Zweiten Weltkrieg den Briten dabei half, den deutschen Verschlüsselungsapparat Enigma zu decodieren. Diese Rolle ist Cumberbatch wie auf den Leib geschneidert: Ein Sonderling, der nicht mit seinen Mitmenschen zurechtkommt, kühl und überlegt agiert und sich am liebsten in seiner Arbeit vergräbt. Nur minimal sind die Unterschiede zu seiner Paraderolle als Sherlock. Und doch sind sie da: Denn Turing ist nicht nur ein Einzelgänger, der mit der Gesellschaft nicht zurecht kommt, sondern durch und durch ambivalent: Trotz aller Abgebrühtheit seiner Figur, zeigt Cumberbatch, dass unter der reservierten Fassade die Emotionen brodeln. Es ist ein großes Maß ein Tragik, das die Rolle des Turing in sich birgt - und ihn so zwar zu einer unglückseligeren, aber dadurch auch facettenreicheren Figur macht, als Cumberbatch sie je gespielt hat. "The Imitation Game" ist der bisherige Höhepunkt in der Karriere des Briten und sein Schauspiel ist so bewegend, dass er einen Goldjungen auf dem Kaminsims mehr als verdient hätte.


Eddie Redmayne ist für seine Rolle in "The Theory of Everything" nominiert
Eddie Redmayne
KEVIN WINTER (GETTY IMAGES NORTH AMERICA)
Auch ein anderer britischer Schauspieler darf auf den Oscar hoffen: Der 33-jährige Eddie Redmayne ist für seine Rolle als Astrophysiker Steven Hawking in dem Drama "Die Entdeckung der Unendlichkeit" nominiert. Das Drama beginnt kurz vor Hawkings Erkrankung. Gerade als es scheint, als würde dem Wissenschaftler alles gelingen, setzt der körperliche Verfall ein: die Kaffeetasse rutscht aus den zittrigen Fingern, die Beine wollen ihn nicht mehr über den Schotterweg tragen und irgendwann muss Hawking auf dem Rücken die Treppen herunterrutschen, weil er die Stufen nicht mehr bewältigt. Unvergleichlich zeigt Redmayne, was die fortschreitende Krankheit mit Hawkings Körper anrichtet, sodass man schnell vergisst, dass man nicht wirklich den echten Stephen Hawking vor sich hat. Obwohl der britische Schauspieler bisher vor allem Erfahrung auf der Theaterbühne gesammelt hat, scheint er wie gemacht für die große, wichtige Rolle. Sein Auftritt ist herzzerreißend - und es wäre erstaunlich, wenn dies nicht auch für die Herzen der Oscar-Jury gelten sollte.

 
"Birdman"-Darsteller Michael Keaton ist als bester Hauptdarsteller für einen Oscar nominiert.
Paul Buck (EPA)
Favorit für den Hauptrollen-Oscar ist aber vor allem einer: Michael Keaton. Der 63-Jährige spielt in der Satire "Birdman" einen gealterten Hollywood-Schauspieler, der sein Comeback am Broadway plant. Für diese Rolle hat Keaton bereits einen Golden Globe eingeheimst, was für seine Chancen bei der Oscar-Verleihung spricht. Tatsächlich ist ihm die Figur des Riggan Thomson quasi auf den Leib geschneidert: Thomson feierte als Superheld "Birdman" große Erfolge an den Kinokassen, Keaton stieg mit seiner Rolle als "Batman" zum Hollywoodstar auf. Wie auch seine Figur, gelang es Keaton nicht, an seine früheren Erfolge anzuknüpfen - erst jetzt hat er mit seiner Rolle in "Birdman" die Chance auf ein spätes Comeback. Thomson hingegen versucht seine Rückkehr am Broadway zu erreichen. Weil Keatons Lage die gleiche wie auch die seiner Rolle ist, kann sich der 63-Jährige wie kein Zweiter in die Ängste und Unsicherheiten, Hoffnungen und Träume seiner Figur einfühlen. Grandioser Höhepunkt Keatons Schauspiels: Thomson stellt sich im Bademantel zum Rauchen vor die Hinterür seines Theaters. Doch die Tür fällt zu, der Bademantel wird eingeklemmt und der gealterte Schauspieler muss nur mit einer Unterhose bekleidet über den Broadway zum Vordereingang laufen - begleitet von Fans, die das Spektakel mit ihren Smartphones festhalten. Keatons versteifte Körperhaltung und seine hastigen Schritte erzählen von seiner Panik, seine Mimik scheint gelähmt vor Angst zu sein. Allein schon wegen dieser Szene hat Keaton die Oscar-Nominierung verdient.


Steve Carrell spielt einen Multimillliadär in "Foxcatcher"
Steve Carrell
Imeh Akpanudosen (GETTY IMAGES NORTH AMERICA)
Selbst wenn seine Chancen neben dieser starken Konkurrenz eher schlecht stehen - Steve Carell zeigt in der Charakterstudie "Foxcatcher" eine beachtliche Leistung. Er spielt den Milliardär und Sportliebhaber John du Pont, der beschließt, den jungen Ringer Mark Schultz (Channing Tatum) zu fördern. Doch die Beziehung der beiden bleibt nicht lange gut, bald entwickelt du Pont paranoide Züge und erschießt schließlich Schultz' Bruder. Von dem dauerwitzelnden Looser, den Carell in dem Großteil seiner Filme mimt, ist in "Foxcatcher" nichts mehr übrig. Mit unterwürfigen Blicken, doch ohne Worte, kämpft Carells Figur um die Zuneigung der kalten Mutter, die schon in seiner Kindheit seine Spielkameraden bezahlte, damit sie sich mit ihm abgeben. Erst in Schultz sieht du Pont einen wahren Freund, sogar eine homosexuelle Vorliebe für seinen Schützling deutet Carell an. Dann aber schlagen die Psychosen zu; der Hass flirrt durch Carells Augen, sobald der Ringer den Gehorsam verweigert. Als er schließlich allein in seinem Trophäenzimmer sitzt, sieht man in Carells Mimik wie die Gedanken durch den Kopf seiner Figur jagen und einen Mord planen. Der 52-Jährige spielt seine Figur so unsympathisch und unheimlich, aber dabei doch bemitleidenswert, dass der Zuschauer am Ende des Films nicht wirklich weiß, was er gegenüber du Pont fühlen soll. Diese  Wirkung ist oscarreif - und die Nominierung Carells mehr als berechtigt.  
 
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