"Birdman" - Globe-Favorit
Favorit auf den Oscar ist die Satire "Birdman".
20th Century Fox (20th Century Fox)
Große Chancen auf eine der Trophäen kann sich „Birdman“ ausrechnen. Die Satire nimmt das Hollywoodbusiness auf die Schippe und zitiert die Filmgeschichte rauf und runter. Zudem reizt der mexikanische Regisseur Alejandro González Iñárritu die narrativen Möglichkeiten des Mediums Film bis an seine Grenzen aus: „Birdman“ kommt ohne sichtbare Schnitte aus und arbeitet mit extrem langen Einstellungen – was den Film für ein Publikum, das auf reine Unterhaltung aus ist, schwer zugänglich macht.

Dennoch scheint es so, als könnte nur der ehemalige Geheimtipp „Boyhood“, der bei den Golden Globes abräumte, „Birdman“ einen Strich durch die Rechnung machen. Ist das nicht der Fall, werden die Macher der Satire wohl mit Oscars für den besten Film sowie die beste Regie nach Hause gehen. Dazu gesellen könnte sich ein Oscar für den besten Hauptdarsteller. Denn Michael Keaton ist die Rolle des ehemaligen Superhelden-Darstellers Riggan Thomson, der in „Birdman“ sein Comeback am Broadway startet, wie auf den Leib geschneidert. Keaton flatterte selbst 1989 als Batman über die Leinwände, bekam danach kaum Aufträge.

Abspenstig gemacht werden könnte ihm der Oscar von Eddie Redmayne. Der Brite spielt in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ den Astrophysiker Stephen Hawking. Mit Bravour zeigt er, wie Hawkings körperlicher Verfall einsetzt: Die Tasse rutscht aus den zittrigen Fingern, die Beine wollen ihn nicht mehr über die Straße tragen. Zwar spielen auch die anderen Nominierten der Kategorie stark, es sieht aber nach einem Duell zwischen Redmayne und Keaton aus.



Was die beste weibliche Hauptdarstellerin angeht, ist die Sache klarer: Aussichtsreichste Kandidatin ist Julianne Moore. Die 54-Jährige war bereits fünfmal nominiert, erhielt die Auszeichnung bisher aber nie. Für ihre bewegende Rolle als Professorin, die in „Still Alice“ gegen ihre Alzheimer-Erkrankung kämpft, stehen Moores Chancen sehr gut. Einen Golden Globe hat sie bereits in der Tasche. In Sachen Nebenrollen-Oscar könnte Favorit „Birdman“ weiter abräumen. Bei den Frauen wird sich wohl Emma Stone einen Goldjungen abholen dürfen: Trotz starker Besetzung sticht ihre Figur in der Satire hervor – ganz im Gegensatz zu den anderen nominierten Nebendarstellerinnen.

Stones Co-Darsteller Edward Norton ist beim Rennen um den besten männlichen Nebendarsteller ebenfalls vorne dabei. Allerdings hat er stärkere Konkurrenz: Auch Ethan Hawke („Boyhood“) und J.K. Simmons („Whiplash“) haben laut Kritikern gute Chancen. Verdient hätte es Simmons am meisten. Er spielt die Rolle eines soziopathischen Jazzlehrers derart eindrucksvoll, dass die eigentliche Hauptfigur des Filmes in den Hintergrund gedrängt wird.

Die Oscarverleihung wird live von Pro Sieben übertragen. Die Verleihung beginnt nach deutscher Zeit am Montag, 23. Februar, gegen 1.30 Uhr.
 

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