Ethan Hawke
Ethan Hawke
Warren Toda (EPA)
Für seine Rolle in "Boyhood" könnte Ethan Hawke den Oscar für die beste männliche Nebenrolle gewinnen. Er spielt darin Mason, der gemeinsam mit seiner Ex-Frau Olivia zwei Kinder hat. Während Olivia sich alleine um das Wohl der Kinder sorgt, ist Mason ihr unreifer Gegenpart, der zwar gerne Zeit mit seinen Kindern verbringt, aber nur so lange die Vaterpflichten Spaß machen. Das heißt: Baseballspiele und Bowling-Abende ja, Hausaufgaben nein. Wie alle anderen Darsteller drehte Hawke zwölf Jahre an dem Film mit. In dieser Zeit sieht man nicht nur die Figur "Mason" vom Kindskopf zum verlässlichen Mann reifen, sondern auch den 44-Jährigen selbst. Die Tatsache, dass die Schauspieler in den Film eigene Erfahrungen einfließen ließen, merkt man stark an der Rolle des Mason. Hawke spielt ihn nicht nur, er verschmilzt mit der Figur, sodass am Ende keine Ränder mehr erkennbar bleiben.

Robert Duval
Robert Duval
Peter Foley (EPA)
Eine sehr schmerzliche Rolle spielt Robert Duval in "Der Richter". Er tritt als Joseph Palmer auf, ein Richter in einer Kleinstadt, dem vorgeworfen wird, einen Mann totgefahren zu haben. Das Problem: Der krebskranke Palmer unterzieht sich einer Chemotherapie und hat aufgrund dessen immer wieder Erinnerungslücken. Die Hoffnung liegt nun auf Palmers Sohn Hank, der ihn als Anwalt vor Gericht verteidigen soll. Duvals Figur wirkt nach außen hart wie Stein; das Wichtigste für ihn ist es, in der Stadt als Verteidiger von Recht und Ordnung zu gelten - und nicht als alter, krebskranker Mann. Kühl begegnet Duval seinem Sohn, es gibt keine Umarmungen, kein freundliches Lächeln. Und doch lässt der 84-Jährige in seinem Schauspiel den ein oder anderen Sonnenstrahl durchscheinen, etwa bei der Begegnung mit seiner kleinen Enkeltochter oder am Grab seiner Frau. Diese Momente sind kurz, doch sie rühren tief ohne ins Kitschige abzugleiten. Duval zeigt hier, was hinter der kalten Fassade steckt. Zudem mimt er den Krebskranken frei von Rührseligkeit, sondern stellt sehr subtil die hässlichen Begleitumstände der Krankheit dar.

Edward Norton
Justin Lane (EPA)
Die besten Chancen auf einen Oscar hat wohl Edward Norton, der in der Satire "Birdman" den völlig abgedrehten Mike Shiner spielt - einen Broadway-Schauspieler mit übergroßem Ego. So zerstört der 45-Jährige als Shiner schon einmal das Inventar der Theaterbühne bei laufender Vorstellung, versucht seine Co-Darstellerin zu Sex vor dem Publikum zu überreden und bestellt sich ein riesiges Solarium für seine Künstlergarderobe. Norton gibt überzeugend das Ekel; er spuckt einen überheblichen Satz nach dem anderen aus, während er mit blasierter Miene in das Gesicht seines Gegenübers blickt. Zudem zeigt er die Auswüchse des in Hollywood beliebten Method Actings mit einer übertrieben affektierten Art, dass das Zuschauen einfach nur die reine Freude ist. Man möchte fast soweit gehen, ihn als unterhaltsamste Figur des ganzen Films zu bezeichnen. Er nimmt damit nicht nur sich, sondern die gesamte Bussi-Bussi-Gesellschaft Hollywoods auf die Schippe.

J.K. Simmons
J.K. Simmons
Frazer Harrison (GETTY IMAGES NORTH AMERICA)
Nicht weniger interessant ist J.K. (Jonathan Kimble) Simmons Rolle in dem Musikfilmdrama "Whiplash", in dem er den Musiklehrer Fletcher spielt. Mit Psychospielchen, extremem Mobbing und teilweise auch mit Gewalt versucht er, seine Jazz-Schüler zu Höchstleistungen anzutreiben. Seine Motivation: den nächsten Star der Szene zu entdecken. Simmons brilliert in diesem Film als soziopathischer Jazzfreak: Kaum klingt ein Ton nicht so wie gewünscht, presst er vor Entsetzen die Augen zusammen, nur um sie dann wieder wütend zuckend aufzureißen und voller Rage um sich zu brüllen. Auch die hinterlistige Schlange, die ihre Schüler ins Verderben locken will, beherrscht der 60-Jährige. Sein Auftritt ist grandios und beängstigend zugleich - und seine Nominierung damit vollkommen berechtigt.

Mark Ruffalo
Mark Ruffalo
Zuletzt steht auch der 47-jährige Mark Ruffalo auf der Oscar-Liste. Er tritt in der Charakterstudie "Foxcatcher" als erfolgreicher Ringer David Schultz auf, der am Schluss von dem psychopathischen Milliardär John du Pont (Steve Carrell) erschossen wird. Er ist der ältere Bruder des Ringers Mark Schultz (Channing Tatum), und zugleich dessen Trainer und unerreichtes Vorbild. Er ist die sanftmütigste Figur des Films, strahlt Ruhe aus und versucht immer wieder, zwischen den Hitzköpfen Mark und John zu vermitteln - bis hin zu seinem eigenen tragischen Ende. Ruffalo spielt den Part solide, doch da seine Figur im Vergleich zu den beiden Hauptrollen des Films sehr flach angelegt ist, verblasst Ruffalo neben Tatum und Carrell. Das ist schade, denn seit der oscargekrönten Tragikkomödie "The Kids are allright" weiß man, welches Talent in diesem Schauspieler schlummert. So oder so ist ein Oscargewinn Ruffalos jedenfalls mehr als unwahrscheinlich.
 

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