Spielarten der Realität
Ingolstadt (DK) Das Gefühl ist beklemmend, irgendwo zwischen Mitleid und Bewunderung. Brigitte Paulowski erzählt von ihrer Wut auf den Unfallverursacher, die noch da ist. Aber auch von der Erkenntnis, dass Wut nichts ändern kann.

Gespräch mit dem Autor: Torsten Körner bei der Signierstunde nach der Lesung in Pfaffenhofen. - Foto: Fahn
Acht Dokumentarfilme, zusammengefasst unter dem Thema Realitäten, eröffneten am Samstag das 4. Kurzfilmfestival "20min/max" im voll besetzten Audi-Programmkino in Ingolstadt. "Die Maske aus Florenz" war einer davon.
Es sei furchtbar gewesen, sich selbst auf der Leinwand zu sehen, meint Brigitte Paulowski schmunzelnd. Neben ihr und Markus Siebler waren auch die Regisseure Thomas Kren und Claudia Schröter ("Jetzt bin ich mal dran") sowie Janina Heckmann ("Was is’ ne falsche Bahn") in Ingolstadt zu Gast und stellten sich den Fragen des interessierten Auditoriums.
In erweiterter Form und mit einigen Neuerungen flimmern heuer die Filme über die Leinwand. Denn das Festival wurde um zwei Tage und zwei Spätvorstellungen erweitert. Zudem werden die einzelnen Programmblöcke erstmals mit Themen betitelt. Sie sollen der roten Faden sein, erklärt Clara Fischer von der Agentur "xhoch4", die zusammen mit dem Theater Ingolstadt das "20min/max" veranstaltet. "Beim Sichten haben wir bemerkt, dass sich die Kategorien für die Filme fast von selbst aufstellen", erinnert sich Fischer. Realitäten, das erste Thema des Festivals, zeige das Spiel mit dem Genre Dokumentarfilm.
Es sind die Schicksale von Menschen, denen sich die Dokumentarfilmer widmen. Sie zeigen Realitäten, die sich an der des Zuschauers reiben. Und das mit unterschiedlicher Herangehensweise. Da ist Horst, ein schwuler 81-Jähriger, für den die Welt seine Bühne ist. Für Spannung sorgt bei dem Schwarz-Weiß-Film "Jetzt bin ich mal dran" die Interaktion zwischen Regisseur Thomas Kren, der aus dem Hintergrund Fragen stellt, und seinem Hauptdarsteller. Oder die Gesichte der beiden arbeitslosen Schulabbrecher Sven und Marvin, die in "Was is’ ne falsche Bahn" ohne Scheu oder Scham von ihrer kriminellen Vergangenheit, von Aggression und Reue erzählen. Dass Dokumentationen auch Spielfilmelemente enthalten können, zeigt der Kurzfilm "Mira 83": Regisseur Rene Eckert erlebt eine faszinierende Geschichte, die ihm eine Frau erzählt. Er sucht einen Mann, der darauf ähnlich reagieren könnte. In einem Café treffen dieser Mann und die Frau im Zuge einer Internetbekanntschaft aufeinander – ebenso Gesellschaftskritik und die Suche nach der Wahrheit. Bei aller Vielfalt haben die Filme an diesem Abend eines gemeinsam: Sie bestechen mit Professionalität und sie ziehen den Zuschauer in ihren Bann.
Von Bernd Limmer

