Zaz in Ingolstadt
Zaz benötigte nur wenige Minuten, um das Publikum im Festsaal für sich zu begeistern.
Cornelia Hammer
Absoluter Mittelpunkt des Abends? Paris und – immer wieder Paris. Ob „Sous Le Ciel De Paris“, „Paris Sera Toujours Paris“ oder „Dans Mon Paris“ in allen Liedern besingt Zaz die für sie „schönste Stadt der Welt“. Und erklärt in charmant-gebrochenem Deutsch: „Für viele ist Paris der Eiffelturm, die Champs-Élysees oder der Louvre. Aber für mich ist Paris viel mehr, für mich ist Paris das Leben“.


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Nachdem sie einige ihrer typischen fröhlichen Chansons zum Besten gegeben hat, legt die Sängerin jedoch auf einmal eine ganz andere Platte auf – im wahrsten Sinne des Wortes. Plötzlich ist von Mundharmonika und Akkordeon kein Ton mehr zu hören. Stattdessen knallt die kleine Französin ihrem Publikum E-Gitarren-Beats um die Ohren, während ihr verwuschelter Zopf beim Headbanging durch die Luft fliegt. Aus ursprünglich ruhigen Nummern wie „La Fée“ oder „Si Je Perds“ macht Zaz rockig-rotzige Songs, die von einer wilden Lichtershow begleitet werden.

Das Publikum reagiert überrascht über diese ungewöhnliche Seite der Chansonnière. Aber mit ihrer unbändigen Energie schafft es Zaz dennoch, die Zuschauer mitzureißen: Immer wieder spricht sie mit den Menschen unterhalb der Bühne, erzählt Geschichten und ermuntert sie zum Mitsingen. Danach braust die Französin in ihrem eleganten schwarzen Anzug über die Bühne, schubst fast ihren Trompeter von dieser herunter, trocknet ihrem Gitarrist die schweißnasse Stirn und springt übermütig zu ihren Liedern auf und ab. Und spätestens als Zaz' weltbekannter Hit „Je Veux“ erklingt, kann sich auch die Menge nicht mehr halten: Die Menschen tanzen wie entfesselt und singen sich euphorisch die Seele aus dem Leib.

Wenn der Puls der Zuschauer schließlich nach oben geschnellt ist, schiebt die Sängerin als Beruhigungstablette das ein oder andere melancholische Lied dazwischen, das beispielsweise von verlorener Liebe handelt („La Complainte De La Butte“) oder von utopischen Träumereien erzählt („Si“). Überhaupt scheint die Französin den Drang zu verspüren, die Welt zu verbessern. So erklärt sie im Anschluss an das Konzert, dass sie ihre Marketing-Einnahmen stets an wohltätige Zwecke spende und selbst eine Organisation gegründet habe, die unter anderem regionale Projekte fördert. Denn sie sei der Auffassung, dass selbst der Kleinste mit seinem Handeln etwas in der Welt bewegen könne – ein Gedanke, den sie auch in ihrem letzten Song „La Légende De Colibri“ aufgreift.

Zaz ist eine großartige Sängerin, die sich auch noch karitativ engagiert. Kein Wunder, dass es am Ende des über zweistündigen Konzerts im Festsaal stehende Ovationen für Zaz gibt. Der minutenlange Applaus lockt sie schließlich zurück auf die Bühne, und sie beendet den Abend mit der ergreifenden Ballade „Eblouie Pour La Nuit“.  
 

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