Jan Delay
Jan Delay trat am Donnerstagabend auf dem Tollwood in München auf.
Woelke
Völlig ohne Allüren erschien der Hamburger Künstler pünktlich zum Konzertbeginn auf der Bühne, um sofort mit seinem aktuellen Hit „Liebe“ voll aufzudrehen und dem Publikum seine rockige Seite zu präsentieren. Die Energie, die Jan Delay dabei ausstrahlte, riss alle mit. „Lasst die Hemmungen fallen und tanzt“, forderte er die Zuschauer auf. Diesem Aufruf leisteten alle gerne Folge – und schon nach kurzer Zeit schien es so, als hätte jemand die Temperatur im Festsaal aufgedreht: Überall glänzten die Gesichter und vielen Stand der Schweiß auf der Stirn. Der Funke zwischen Künstler und Publikum schien von der ersten Minute an sofort übergesprungen zu sein.


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Delay, der geborene Entertainer, freute sich über die Begeisterung seiner Zuschauer und ließ abwechselnd die Männer und Frauen seine Texte nachsingen – auch, wenn diese meist gar nicht so genau verstanden, was sie da eigentlich von sich gaben. Danach versuchte sich der Musiker als Tanzlehrer und animierte das Publikum zum „Freeze-Tanzen“, bei dem man in der Bewegung verharrte, sobald die Musik ausging. Selbst die Leute auf den Rängen konnten sich nicht mehr halten: Sie standen von ihren Sitzplätzen auf und schwangen die Hüften.

Es waren aber nicht nur die ausgefeilten Tanzschritte, mit denen Delay beeindruckte, sondern vor allem die musikalische Vielfalt, die der Hamburger an den Tag legte. Scheinbar mühelos wechselte er von hartem Rock über entspanntem Reggae zu funkigem Soul, begleitet von beeindruckenden Bläser-Fanfaren. Unter seine Songs mischte er immer wieder bekannte Songs anderer Künstler, wie „Can't Stop“ von den Red Hot Chili Peppers, „Get Ur Freak On“ von Missy Elliot, „Thrift Shop“ von Macklemore & Ryan Lewis oder „Fight For Your Right“ von den Beastie Boys.

Ähnlich breit gefächert wie seine musikalischen Zitaten war auch Delays persönliche Songauswahl: Im Gepäck hatte der Musiker sowohl bekannte Hits wie "Oh Johnny", „Klar“ oder "Türlich, türlich". Er performte aber auch einige neue, weniger berühmte Songs, beispielsweise "Straße" oder "Action" von seinem neuesten Album "Hammer und Michel". Diese Mischung kam beim Publikum wunderbar an und kaum war Delay hinter der Bühne verschwunden, wurden sofort die Rufe nach einer Zugabe laut. Dieser Bitte kam der deutsche Star mit Freuden nach und zeigte nach einem Konzert voller Kraft und Energie auch einmal seine ruhige Seite: Während der Festsaal in bläuliches Licht getaucht wurde, sang er eine sehr stimmungsvolle und ruhige Version des Liedes „Hoffnung“.

Nach diesem Moment der Melancholie musste Delay aber noch ein letztes Mal auf die Pauke hauen: Und soerschien er nach seiner ersten Zugabe noch ein zweites Mal auf der Bühne. „Ich hoffe, es war Euch ein unvergesslicher Abend“, rief der Hamburger und ließ sich mit weit ausgebreiteten Armen von der Masse feiern. „Und weil ihr keine U-Bahn in Ingolstadt habt, hab ich euch eine gekauft. Sie bringt Euch heute alle heim – und sie bringt auch uns nach Hause: Nach Sankt Pauli“, erklärte er grinsend, bevor als letztes Lied „St. Pauli“, eine mitreißende Hommage an seine Heimat anstimmte.
 

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