Claus Woelke

JEFF LORBER FUSION

 

Jeff Lorber (Keyboards), Eric Marienthal (Sopran- und Altsaxofon), Jimmy Haslip (Bass), Gary Novak (Drums) – was für eine Besetzung! Fusionfans geraten vermutlich bereits angesichts der vier Namen in Verzückung. Für vermeintlich elitäre Jazz-Akademiker mag die Jazz Lorber Fusion nicht das Maß aller Dinge sein, für Freunde knackiger Grooves, jazzig-poppiger Themen und schwer rockender Beats freilich kommt das Konzert diesem Status ziemlich nahe. In Lorbers Melodien könnte man sich glatt verlieben, den unwiderstehlichen Funk-Rhythmus verspürt man auch am Morgen danach noch in den Beinen und diese herrlichen Harmonien sind wie eine Hängematte, in der man genüsslich Körper, Seele und Geist baumeln lassen kann. Es war vorhersehbar, dass das Diagonal proppenvoll und ein Ortswechsel unmöglich sein würde. Wer drin ist, der bleibt drin. Denn wer rennt schon freiwillig aus einem Konzert mit solch intensiver Musik, um Spätentschlossenen Platz zu machen?

Karl Leitner
 

FABRIZIO CONSOLI & BAND

 

Ich spreche ein abenteuerliches Deutsch“, sagt der Italiener Fabrizio Consoli in echter Selbsterkennung zur Begrüßung in der Neuen Welt. Die mangelnden Sprachkenntnisse verzeihen ihm seine Fans in der ausverkauften Gaststube aber gerne, denn im Gegenzug liefern er und seine Band großartige Musik. Der Mailänder legt Herz, Seele und Leidenschaft im Italo-Sound in seine Lieder und erinnert mit seiner unterschwellig-rauchigen Stimme an die großen Barden aus dem Sehnsuchtsland der Deutschen. Musik aus Italien wird klischeehaft mit Liebesliedern gleichgesetzt, wie er selber zugibt und so hat er auch ein paar Songs mit süßem Kribbeln dabei. Trompeter Diego Ruvidotti legt noch etwas Honig darüber. Er klettert nicht ganz in die hohen Höhen, dafür aber garniert er den Sound mit schillernd farbigen Tönen bei ganz langem Atem. Mit dem Pianisten Gigi Rivetti und Silvio Cantamore an den Drums holt das Quartett südliche Wärme in den Ingolstädter Herbst.

Lorenz Erl
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BAHAMA SOUL CLUB

 

Sie hat „Das Mo“ sofort in der Hand: Sängerin Olvido Ruiz schüttelt ihre in gold und weiß gehüllten Soul-Diva-Schultern und haucht „just feel it“. Und der Bahama Soul Club zaubert auf völlig entspannte Weise einen Bossa-Groove. Die Sorte Groove, die Köpfe zum Mitwippen bringt und ein seliges Lächeln auf Gesichter bannt. Ohne viel Aufhebens schafft die Truppe den passenden Sound zum Paisley-Hemd und der Koteletten-Frisur des Bassisten. Der Soul wummert, Rhodes- und Hammond-Sound erschallen, Congas und Drumset lassen Bossa und karibische Rhythmen aufleben. York Ostermayer liefert ein hingebungsvolles Saxofon-Solo nach dem anderen. Dazu singt Ruiz auf ihre niedlich-kubanische Art, lässt die Hüften in den Pailletten-Leggings kreisen. Ingolstadts Soul-Gemeinde schwitzt auf der Tanzfläche. Zum Ende hin smoothe Wah-Wah-Sounds von der Gitarre, Bass-Solo-Ekstase, die Herren in den stilechten Vintage-Lederschuhen geben noch mal alles. Ingolstadt zappelt und jubelt.

Katrin Poese
 

VERA JONAS EXPERIMENT

 

Heulen wie die Wölfe. Vera Jonas steht am Mikrofon und fordert ihre Zuhörer im Museum für konkrete Kunst auf, mit ihr zusammen ein Wolfsrudel zu sein. Das Publikum ist längst gut eingestimmt auf die wagemutige Sängerin und Gitarristin aus Ungarn und bettet den Experiment-Song in den Ur-Sound der Wildnis. Das Ambiente dazu passt hervorragend. Die stimmgewaltige Frau folgt klaren Klanglinien, die zu den weiß getünchten Ziegelwänden des Museums harmonieren. Nichts soll ablenken. Gitarrist Márton Fenyvesi, Bassist András Csizmás und Drummer Hunor G. Szabó tragen den tief dringenden, sich im Ohr festkrallenden Vocalsound von Vera Jonas kraftvoll mit. An ein starres Konzept lassen sie sich nicht fesseln. Mal rütteln sie am wilden Rock der 80er, und mal führen sie mit ungehörten Soundpartikeln in die Zukunft. Veras Solo nur mit Gitarre ist ein Erlebnis für sich. Die Zuhörer warten mit Applaus und Jubelrufen, bis auch wirklich der letzte Ton verklungen ist.

Lorenz Erl
 

BELLA S'OL

 

Wie ein Wirbelwind schwirrt Gabriela Martini über die Bühne, barfuß und mit Schiebermütze auf dem Kopf. Mühelos reißt die blonde Frontfrau der Gruppe Bella S’ol die Zuhörer im voll besetzten Swept Away mit. Vor der Bühne tanzt eine große Traube Frauen begeistert, und selbst auf den Sitzplätzen wackeln die Menschen mit ihren Füßen und Köpfen. Das Besondere dabei? Es ist keineswegs vorhersehbar, was die fünfköpfige Formation als Nächstes zum Besten geben wird – nur eines ist sicher, dass es garantiert gute Musik sein wird. Die Palette der Band ist breit gefächert: Sie begeistern nicht nur mit lässigen Soulliedern und fröhlichen Popsongs, sondern überraschen ihr Publikum auch mit der einen oder anderen Rapnummer, die Martini im Wechsel mit ihrem Schlagzeuger vorträgt. Nur um im nächsten Moment wieder ein Saxofon-Solo folgen zu lassen. Bis der Zuhörer begreift: Im Musikprogramm von Bella S’ol gibt es nichts, was es nicht gibt.

Jessica Roch
 

CUENTOS DEL SUR

 

Geschichten aus dem Süden“ ist der Name des Duos, das im Ölbaum gastiert. Und dieser Name ist Programm: Jedes Mal, bevor Ricardo Volkert mit seinem Partner Jost Hecker eines der südländischen Lieder anstimmt, erzählt er eine seiner Geschichten. Sie handeln vom Zigeunerleben, vom spanischen Bürgerkrieg und von der Liebe. Voller Poesie sind die Erzählungen, und begleitet von warmen Cello- und Gitarrenklängen verwandeln sich die Worte in Gesang. Das ist so wunderbar anzuhören, dass man gar nicht mehr weggehen möchte. Und so fordern die Zuhörer lautstark eine Zugabe nach der anderen. Volkert und Hecker kommen dem gerne nach und beschenken ihr Publikum mit melancholischen wie stimmungsvollen Liedern, in denen stets Raum für ihre grandiosen Soli bleibt. So ist das Fernweh nach Lateinamerika vorprogrammiert.

Jessica Roch