"Seit 2012 wollte ich sie haben", sagt Festivalleiter Jan Rottau. "Sie macht sich rar, es ist schwer, sie zu bekommen." Nun also hat es geklappt. Wie im vergangenen Jahr, als der Auftritt von Grammy-Preisträger Gregory Porter den umjubelten Abschluss der Jazztage darstellte, gelang dies, weil man sich im Verbund mit anderen Veranstaltern und Städten um die Ausnahmekünstlerin bemühte. So wird Melody Gardot im November auch bei den Jazztagen in Leverkusen auftreten, außerdem in Hamburg und Berlin.
 
Melody Gardot
Melody Gardot
Franco Tettamanti
Im wahrsten Wortsinn schmerzhafte Umwege führten die 30-Jährige zur Musik. Sie studierte Modedesign und hatte erste Auftritte in Klubs im Raum Philadelphia. Als sie 18 war, missachtete ein Autofahrer ihre Vorfahrt. Sie stürzte vom Fahrrad und zog sich einen mehrfachen Beckenbruch sowie Kopf- und Wirbelsäulenverletzungen zu. Vom Klavierspielen, das sie als Jugendliche erlernt hatte, musste sich sich zunächst verabschieden. Während eines langen Krankenhausaufenthalts lernte sie Gitarre und entschied sich für Jazzgesang als Teil einer Musiktherapie. 
 
Seit diesem Unfall benutzt Gardot einen Gehstock, die abgedunkelte Brille trägt sie aufgrund einer Geräusch- und Lichtempfindlichkeit. Weil sie nur eingeschränkt sitzen kann, benutzt sie in Konzerten einen Spezialstuhl oder singt stehend. Ausgestattet ist sie dann mit einem TENS-Gerät, eine Art elektronische Schmerzkontrolle.
 


 
In ihrem 2005 veröffentlichten Minialbum "Some Lessons: The Bedroom Sessions" verarbeitete sie den Unfall und die Folgen, im Frühjahr 2009 folgte mit dem Longplayer "My One And Only Thrill" der internationale Durchbruch. Das Album war in drei Kategorien für den Grammy nominiert und hielt sich 42 Wochen in den deutschen Charts, wo es bis auf Platz vier kletterte. 2010 bekam sie den Echo Jazz in der Kategorie "Sängerin des Jahres international". 
 

Das neue Album erscheint in Kürze


Im Nachfolgealbum "The Absence" experimenterte Gardot mit Stilmitteln aus den Genres Bossa Nova, Samba, Tango und Fado. "Sie ist die aufregendste Entdeckung des Jahrzehnts", schwärmt Jan Rottau, der bereits in ihr neues, Ende des Monats erscheinendes Album hineingehört hat. "Currency Of Man" gehe in eine für sie völlig neue Richtung, schreibt die Musikerin auf ihrer Homepage. In der Tat: Es bewegt sich weg von den hingehauchten Jazztupfern, für sie einst bekannt wurde. Weg von bedeutungsschweren Klangsphären, die in "The Absence" noch vorherrschten. Es geht hin zu tiefem, erdigem Blues, zu satten Grooves. Hier Anleihen bei Jazz-Göttin Billie Holiday, dort mit analogen, alten Mikros aufgenommene Außenaufnahmen, sogenannte field recordings, die die Pausen zwischen den Liedern füllen. Jan Rottau spricht von einer "Mischung aus Jazz, Blues, Swing und Folk". 
 
"Horrende Preise" müsse man bei Gardot-Konzerten berappen, sagt der Festivalleiter. In Ingolstadt soll das nicht so sein. Die günstigsten Tickets gibt es ab 45 Euro. "Für einen Studenten mag das auch nicht gerade wenig sein, aber in der Relation ist es das." Tickets für das Konzert am 8. November im Festsaal gibt es 22. Mai (ab 45 Euro zuzüglich Gebühren).
 
Schlusstag der Jazztage soll übrigens erstmals ein Montag sein. Dann, wenn es Rottau gelingt, einen weiteren Hochkaräter zu verpflichten. Bis Mitte Juli will der Festivalleiter mehr verraten.