In den 70er Jahren wurde im Norden Bremens die Grohner Düne gebaut – Platz für 1500 Menschen. Doch was als Modellprojekt für modernes Wohnen geplant war, entwickelte sich bald zum sozialen Brennpunkt: Drogen, Kriminalität, Ghettobildung. Man sprach über Abriss. Doch die Düne blieb. Neuerdings versucht man, den Problemen mit Überwachungskameras beizukommen.

Was sind das für Menschen, die dort auf engstem Raum leben? Letzten Sommer zogen Videokünstler Florian Thalhofer und Autor Kolja Mensing in eine Wohnung im 13. Stock und sammelten Geschichten. Die von Herrn Özgüvenç, dem der Laden "Aladin" an der Vorderseite der Grohner Düne gehört, wo er Waschmaschinen und Taschenrechner verkauft. Von Frau Witt, die bei den Zeugen Jehovas ist und für die beiden Neuankömmlinge Pizza bäckt. Von Frau Berishas Kopfschmerzen. Von Ingrid Gallas Erinnerungen an Tanz in den Mai. Von Selbstmorden. "Viele kommen extra her und stürzen sich vom Balkon", sagt eine Frau auf einem Sofa.

Viele Sofas. Viele misstrauische Gesichter. Viele Geschichten. Viele Namenlose. Dazwischen Notizen, Alltagsbilder, Musik. Weil das alles gleichzeitig passiert, haben Florian Thalheimer und Kolja Mensing eine spannende interaktive Rauminstallation kreiert , die bis gestern im Erlanger media.art.zentrum im Rahmen des Poetenfests zu sehen war. Man muss sich seinen eigenen Weg durch diese Geschichten suchen. Per Mausklick zappt man durch Wohnungen, lauscht Gesprächen, Ängsten, Lügen und dem großen Schweigen. "Jeder Tag wunderbar", singen Jeans Team. Eine Frau sagt: "Sicher ist man nirgends."

Florian Thalhofer, Kolja Mensing: [ 13ter Stock ] . DVD-Rom, Verbrecher Verlag, 15 Euro.