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09.03.2007 20:12 Uhr | 1747x gelesen
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Was Hinterkaifeck mit "Tannöd" zu tun hat


Bild:  Was Hinterkaifeck mit

Ingolstadt (DK) Der Erfolg lässt nicht nach. Und das beim Debütroman. Andrea Maria Schenkels Buch "Tannöd", das auf dem realen Fall von Hinterkaifeck – einem mysteriösen und nicht aufgeklärten sechsfachen Mord auf einem Einödhof in der Nähe von Schrobenhausen – basiert, stand unmittelbar, nachdem es im Februar 2006 erschienen ist, auf der Weltbestenliste. Es folgte der Deutsche Krimipreis 2007, Monica Bleibtreu erhielt mit der Einspielung des Romans den Deutschen Hörbuchpreis 2006, in den vergangenen Wochen ist das Werk auf Platz 1 der "Spiegel"-Beststeller-Liste geklettert, und nun ist der Roman für den Friedrich-Glauser-Preis 2007 in der Sparte "Debüt" nominiert. Dennoch, sagt die gebürtige Regensburgerin, habe sich kaum etwas geändert. Als Mutter von drei Kindern ginge das Leben weiter, erzählt sie unserer Redakteurin Katrin Fehr im Interview. Am Mittwoch, 14. März, liest die 44-jährige Autorin in der Ganghoferschen Buchhandlung in Ingolstadt.


Fallen Ihnen drei Begriffe zu Hinterkaifeck ein?
Andrea Maria Schenkel: (lacht) Oh, Gott. 

Das sind erst zwei.
Schenkel: Gruselig, mysteriös, 80. Jahrestag 2002. 

Waren Sie schon einmal am Tatort?
Schenkel: Ich wäre freiwillig nie dorthin gegangen . . . 

. . . weil Sie furchtsam sind?
Schenkel: Nein, überhaupt nicht. Ein Fernsehteam wollte unbedingt mit mir dort drehen. Sonst wäre ich wohl nie, beziehungsweise nicht so schnell nach Hinterkaifeck gefahren. 

Und warum nicht?
Schenkel: Weil für mich Hinterkaifeck nichts mit "Tannöd" zu tun hat. Es ist der Fall, aber es ist trotzdem etwas ganz anderes. Ich hätte zum Beispiel große Schwierigkeiten, die Namen der Opfer zu nennen.

Ist das auch der Grund, warum Sie Hinterkaifeck in Ihrem Roman mit keiner Silbe erwähnen?
Schenkel: Ich glaube, ja. Es interessiert mich nicht, wer der Mörder ist. Auch wenn ich weiß, dass es andere Menschen, etwa aus der Gegend, brennend interessiert. Die haben eine andere Sichtweise auf den Fall, eine andere Verknüpfung. Das ist klar.

Im Roman bleibt die Figur des Mörders weitgehend im Dunkeln. Sie sind die einzige, die ihn "kennen". Sehen Sie ihn vor sich?
Schenkel: Ich sehe ihn nicht als reelle Person vor mir, aber ich muss sagen, dass ich die Figur im Roman recht gern gemocht habe. Ich habe diese Stellen am liebsten geschrieben. Er war mir nicht ganz unsympathisch, obwohl er diese furchtbare Tat begangen hat. Aber ich denke, diese Figur im Roman war l etzt lich ein Opfer. Einer, der sich nach Liebe gesehnt hat und einfach furchtbar enttäuscht wurde. 

Wenn Sie so eine Distanz zum realen Fall aufgebaut haben, dann hat die Realität Sie nicht beim Schreiben eingeschränkt?
Schenkel: Die Realität war relativ weit weg. Die Entwicklung der Figuren und Charaktere im Roman sind absolute Hirngespinste. 

Sie haben Peter Leuschner, Autor eines wegweisenden Buchs über Hinterkaifeck und wohl einer der besten Kenner des Falls, besucht. Was wollten Sie von ihm wissen?
Schenkel: Ich wollte ihn kennen lernen und mir etwas über Hinterkaifeck erzählen lassen. Er ist ein wahnsinnig netter Mensch. Und es war ein wunderschöner Nachmittag. Meine Kinder schwärmen heute noch von seiner Frau, vom Schloss, vom Hund. Er hat mir aber auch Dinge erzählt, die mich erschreckt haben. Mir war bis zum damaligen Zeitpunkt nicht bewusst, dass in der Gegend nach den Morden eine wahre Hysterie ausgebrochen ist. Mich hat das richtig schockiert, und mir ist zum ersten Mal klar geworden, dass ich mit meine Buch in dieser Gegend wohl in ein richtiges Wespennest stoße.

Manche Ihrer Kollegen erklären sich den Krimiboom damit, dass die Leser gerne in eine fremde Welt eintauchen, in der am Ende aber wieder eine Ordnung hergestellt ist. Bei Ihnen ist das anders.
Schenkel: Das ist genau das, was ich wollte. Ich finde auch, dass "Tannöd" kein wirklicher Krimi ist. Das Buch hat vielleicht die Merkmale eines Krimis, aber ich wollte eben keinen Detektiv, der am Schluss dasteht und erklärt. Das stand von Anfang an fest. Der Leser darf nicht nur lesen, sondern sich seine eigenen Gedanken machen, sein eigenes Kino im Kopf entwickeln. Den meisten hat das recht gut gefallen.

Und welche Krimis lesen Sie gerne?
Schenkel: (lacht) Eigentlich überhaupt keine. Dürrenmatt habe ich gerne gelesen, die Klassiker, aber ich lese auch Sachbücher. Und wenn ich gar nichts zur Hand habe, dann kann ich stundenlang im Duden oder in einem Atlas blättern. 

Wann gibt es neuen Lesestoff von Ihnen?
Schenkel: Im August erscheint mein zweiter Roman, der auch auf einem wahren Fall basiert, aber kein "Tannöd" ist und nicht auf dem Land spielt. Und für das dritte Buch habe ich schon Ideen.

 

Die Lesung beginnt am 14. März um 19.30 Uhr in der Ganghoferschen Buchhan dl ung in Ingolstadt. Karten gibt es dort im Vorverkauf und an der Abendkasse.

 

 

 

Von Katrin Fehr


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