Freitag, 30.07.2010 |

 

13.06.2006 19:51 Uhr | 53x gelesen
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Vom eskalierenden Fußballtaumel


Bild:  Vom eskalierenden Fußballtaumel  .  Nürnberg  (DK) Für Besucher des Nürnberger Staatstheaters ist die Fußballweltmeisterschaft schon gelaufen –  \

Nürnberg (DK) Für Besucher des Nürnberger Staatstheaters ist die Fußballweltmeisterschaft schon gelaufen – "Wir sind Weltmeister". Das gleichnamige Stück von Johan Heß nimmt das Finale vorweg – und persifliert gleich zum WM-Auftakt den eskalierenden Fußballtaumel. Im Theatercontainer des Nürnberger Schauspielhauses, der Blue Box, wurde die Fußballfarce jetzt unmittelbar nach dem Abpfiff des glorreichen Eröffnungsspiels uraufgeführt – als große Fußballverarsche.


Draußen, vor dem Theatercontainer, tobte lautstark der Siegestaumel – drinnen, in der Blue Box, bibberten bei der Uraufführung die drei Fußballfans auf der Bühne noch um den Sieg: die zur Fußballseniorin gealterte Fußballfanatikerin Herta (Jutta Richter-Haaser), der vertrottelte Security Gerd (Thomas Stang) und die Fußballagitpropagandistin Tina (Susanne Bormann), die im Fußballstadion ihr politisch-feministisches Fußball-Süppchen kochen und die rote Fahne ihres Polit-Klubs "Rote Sehnsucht" entfalten möchte.

Und während sie auf dem Bahnsteig noch auf den Zug zum Endspiel, das ihnen den "Endsieg" bescheren soll, warten, erinnern sie sich wehmütig an die großen Spiele von einst, als die DDR mit der sozialistischen Fußballlegende Jürgen Sparwasser die BRD schlug, was für die deutsche Fußballgeschichte mindestens so wichtig war wie der Sieg von Bern.

Das etwas langatmige Stück lässt kein Fußballfettnäpfchen aus, trifft aber voll ins Schwarze bzw. ins Tor, wenn es die Allmacht der F ifa , das Sparbüchsen-Sponsoring bei der WM und das armselige Fußballdeutsch der Rasen-Matadore auf die Schippe nimmt. Und verkehrt den Fußballfanatismus in sein Gegenteil, wenn die Fußballfeministin Tina für das Männerspiel eine Frauenquote fordert, die Frauen gleichberechtigt zusammen mit den Männern aufs Fußballfeld stellt oder – makaber – die Aufstellung von Behinderten in jeder Fußballmannschaft verlangt.

In der Regie des Autors Johan Heß gipfelt die mit Siegessongs angereicherte Persiflage nicht nur in "La Olas" des Publikums, sondern auch im Spiel zweier Zuschauer gegen die Schauspieler mit einem Minifußball hinter Bauzaungittern. Aber da ist das fingierte Fußballfeld schon zum Affenkäfig geworden, in dem das Theaterpublikum das Theater um den Fußball als Affentheater beäugt. ? Friedrich J. Bröder

Weitere Aufführungen: 16. und 28. Juni, 6. und 16. Juli, Kartentelefon: (0 18) 01 34 42 76.

Donaukurier

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