Suche nach Identität
Vohburg (DK) Roland Scheerer hat am Samstag in Vohburg die Endausscheidung im Kulturwettbewerb "Fliesstext10" gewonnen. Der 1974 geborene Scheerer, der zurzeit als Lehrer in Wolnzach tätig ist, setzte sich mit seinem Beitrag "Sebastianstraße" unter zehn Finalteilnehmern durch.
Bürgermeister Martin Schmid würdigte bei der Begrüßung im Vohburger Bürgersaal das "einmalige Bekenntnis zur Heimat", das die mehr als 300 Teilnehmer von "Fliesstext10" mit ihren Beiträgen abgegeben hätten. Die Stadt Vohburg ist eine der fünf Finalstädte des regionalen Wettbewerbs.
Organisator und Moderator Steffen Kopetzky lobte die "erste gemeinsame Anstrengung dieser fünf Städte". "Fliesstext10" ist für den Pfaffenhofener Kulturreferenten eine Möglichkeit, "Identität von unten her zu finden". Die Einsendungen zeigten, dass der Wettbewerb bei den Leuten ankomme. Darüber hinaus bilde er die Vielfältigkeit der Region 10 ab.
Nicht leicht hatte es die Jury, der unter anderem auch der Grafikdesigner Klaus Müller und die Künstlerin Anke Heelemann aus Weimar angehörten, die am Stadtplatz auch mit ihrer Fotothek, dem "Archiv der vergessenen Privatfotografien", vertreten war. Wie sie erklärte, seien in der Kategorie Fotografie die meisten Bewerbungen eingegangen. "Das war alles sehr spannend und voller Überraschungen", ergänzte Müller – vor allem wegen der Vielseitigkeit der Einsendungen.
Der Beitrag von Roland Scheerer überzeugte die Jury als gelungenes Beispiel für eine Bildergeschichte. Scheerer hatte in den 90er Jahren nach seinem Abitur am Schyren-Gymnasium in Pfaffenhofen seinen Zivildienst in Ingolstadt absolviert und dort zusammen mit anderen in einem Wohnheim bei der Sebastianstraße in der Altstadt gewohnt. Diese ehemalige, mittlerweile abgerissene Entbindungsstation des alten Krankenhauses war von den Zivis im Laufe der Jahre mit Graffiti, Bildern und Installationen ausgestaltet worden. Diesen Prozess hat Scheerer festgehalten und zehn seiner Bilder bei "Fliesstext10" präsentiert. Er vermittelt in seinem Fotos auch ungewöhnliche Sichtweisen, wenn etwa ein alter Röhrenfernseher zur künstlerischen Installation wird. Der Historiker Scheerer schließlich hat nach eigenen Worten mit seinen Fotografien auch ein Stück Heimatgeschichte festgehalten.
Von Bernhard Pehl
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