Teuflische Unterwelt: Jupiter (Christian Tscheleblew, rechts) und Pluto (Roma Payer, links) fallen brutal über Eurydike (Sophia Christine Brommer) her, während der berühmte Cancan erklingt. - Foto: Schölzel
Der Einfall, gestaltet von Bühnenbildner Stefan Morgenstern, beschreibt treffend das Strukturprinzip der Inszenierung: Hier wird an den Konventionen gerüttelt, werden die verzopften Mythen durch den Kakao gezogen, hier macht man sich schamlos lustig über die bigotte Scheinmoral. Anders als bei Christoph Willibald Glucks "Orpheus und Eurydike" wird die Handlung nicht von der absoluten Liebe vorangetrieben, sondern von der Öffentlichen Meinung (gespielt mit wunderbar tiefer Stimme von Kerstin Descher). Orpheus sucht nach seiner Frau Eurydike in der Unterwelt, weil sonst sein guter Ruf als unbescholtener Musikus leiden könnte.

Jochen Biganzolis Inszenierung verzichtet auf den sonst üblichen Ballett-Klamauk, konzentriert sich auf das Wesentliche, vermeidet oberflächliche Witzigkeit. So wirkt die Produktion insgesamt einen Tick ernster, schwerer, als man es sonst gewohnt ist. Am Ende geht es sogar teuflischer zu, als es sich Offenbach gedacht hat: Während der fetzige Cancan wie ein böses Spottlied ertönt, wird Eurydike von ihrem Liebhaber Pluto und von Jupiter gedemütigt, hinter die Minibar gezerrt und vergewaltigt.

Musikalisch brachte Dirigent Adi Bar die anspielungsreiche, parodistische Musik nicht immer ohne Wackler in den Tempiwechseln auf die Bühne. Überzeugen konnte dagegen das Sängerensemble: etwa der höhnische Bass von Christian Tscheleblew als Jupiter oder die aalglatte verführerische Stimme von Roma Payer als Pluto und vor allem der leuchtend-attraktive Sopran von Sophia Christine Brommer als Eurydike. Manuel Wiencke, der Orpheus-Darsteller, konnte ebenfalls Eindruck machen – allerdings nicht so sehr als Sänger und Darsteller, sondern vielmehr als erstaunlich sicherer Geigenspieler.

Vorstellungen am Theater Ingolstadt: 5. Mai, 3. und 5. Juni.