Schrobenhausen: Wegbereiter des Jugendstils
Foto: Andrea Hammerl
Schrobenhausen

Heute führt er eher ein Schattendasein unter den bekannten Künstlern des frühen Jugendstils, zu seiner Zeit jedoch war der vor 150 Jahren in Schrobenhausen geborene Maler und Exlibriskünstler einer der bedeutendsten Buchillustratoren Europas. Zu seinem 150. Geburtstag zeigt das Lenbachmuseum Schrobenhausen nun eine Ausstellung mit 80 Werken Sattlers.

Wobei Museumsleiterin Claudia Freitag-Mair den Schwerpunkt auf Exlibris gesetzt hat, kleine Drucke, die in Bücher geklebt wurden, um den Eigentümer anzuzeigen. Wie berühmt Sattler damals war, beweist ein Blick auf namhafte Auftraggeber aus Adel und Großbürgertum. Unter anderem sind Exlibris der englischen Königin Viktoria, Philipp Graf von Eulenburg oder Graf Kessler, eines Künstlermäzens, sowie die Exlibris namhafter Bibliotheken zu sehen. Manche auch in verschiedenen Farbnuancen. Kleine Kunstwerke, die mit einer Detailverliebtheit imponieren, die ihresgleichen sucht. Sattlers extrem zarte Linien sind kaum mehr als solche zu erkennen, sodass auf größere Distanz beinahe der Eindruck eines Schwarz-Weiß-Fotos entsteht. Die Technik beherrschte Sattler par excellence, was besonders deutlich wird im Vergleich zu der gröberen Linienführung auf der Urkunde, die ihm im Jahr 1900 überreicht wurde, als er für die Entwürfe der "Nibelunge" für die Weltausstellung 1904 ausgezeichnet wurde. Die ist sein Prachtwerk, allerdings in der Ausstellung lediglich mit dem Deckblatt vertreten - mehr war in der Sonderausstellung vor zehn Jahren zu sehen gewesen.

Dass er in England und in seiner Wahlheimat Straßburg weitaus mehr geschätzt wurde als im Heimatland, mag an seinen düsteren Motiven, vielleicht auch an seiner beißenden Ironie gelegen haben. Neben den Exlibris, die zwar zur Gebrauchskunst zählten, im Falle Sattlers aber ebenso gut als Sammlerstücke gelten können, sind im Lenbachhaus auch Buchillustrationen und eigene Bilderzyklen wie "Bilder aus der Zeit des Bauernkrieges" oder "Ein moderner Totentanz" zu sehen. Eins der sprechendsten Exponate ist "Der Wurmstich" aus dem Totentanz - da eilt der Tod auf spitzen Stelzen über alte Folianten und hinterlässt unliebsame Löcher. Als Sattler Frontzeichner im Ersten Weltkrieg war, entstand das relativ in sich ruhende Bild des Kanoniers im Pelzmantel, irgendwo an der Deutsch-Französischen Front im frühen Kriegsjahr 1915, wohl noch ehe der Krieg seine Schrecken voll entfaltet hatte.

Nicht fehlen dürfen im Lutherjahr die "Zehn Bilder aus Luthers Leben", von denen die Stadt Schrobenhausen, die rund 600 Sattler-Werke besitzt, Probedrucke, teils mit Platten, zeigt. Erkennbar sind die Probedrucke an den Randzeichnungen, die mal Köpfe, mal eine Tanne, mal eine Landschaft mit Haus zeigen. Sie dienten dazu, die Qualität des Drucks zu überprüfen, und wurden später abgeschnitten.

Heiter ist - neben dem Deckblatt der Zeitschrift "Pan" - eigentlich nur ein Exponat, ein Werbeplakat, das für den "Trank der Dame" Reklame machte. Dennoch hat Sattlers Werk seinen Reiz, vor allem dank der meisterhaften Strichführung, die einfach begeistern muss.

Lenbachhaus Schrobenhausen, Ulrich-Peißer-Gasse 1, bis 28. Januar 2018; geöffnet Mittwoch, Samstag, Sonntag von 14 bis 16 Uhr.