Düsteres Kammerspiel
Regensburg (DK) Die schwarze Bühne schluckt viel Licht, das bleibt knapp drei Stunden so. Und in dieser Düsternis handeln sie, die Schatzschneiders und die Hufnagels, ihre fatale Familiengeschichte ab. Mal auf der hölzernen schiefen Ebene, mal vorn an der Rampe zum Publikum hin.

Begegnung mit Folgen: Erna (Anna Dörnte) und Andreas (Hubert Schedlbauer). - Foto: Theater Regensburg
Am selben Abend, dem 31. Januar, feierten die beiden „Eisensteins“ Premiere – viel Glück war den Regensburgern danach freilich nicht beschieden. Wegen eines Krankheitsfalles im Ensemble fiel bereits die zweite Aufführung aus, nach weiteren Absagen spielte man vergangenes Wochenende die einzigen Februar-Vorstellungen mit einem Ersatz. Für den März-Spielplan, so hofft das Haus, soll dann „Eisenstein“ wieder in Originalbesetzung, nämlich mit Michael Heumann statt Florian Münzer (als Ersatz tadellos agierend) als Gutsbesitzer Hufnagel zu sehen sein.
An der Wirkung der Gastinszenierung des Münchner Metropol-Theater-Prinzipals Schölch dürfte das jedoch nichts ändern. Wie auch gerne in seinem eigenen Haus setzt Schölch in Regensburg auf Einfachheit und Atmosphäre; für Ersteres stehen die schwarze Schaukastenbühne, der weitgehende Verzicht auf Requisiten und die schlichten Kostüme mit zurückhaltenden Zeit- und Milieuzitaten (Hannes Neumaier). Für Letzteres die eingespielte schwermütige Musik und Lautmalerisches aus dem Hintergrund. Hier sitzt der gerade nicht spielende Teil des 15-köpfigen Ensembles und lässt Regen zu immer neuen Beerdigungen plätschern, Flaschen ploppen, Kinder weinen – Geräusche, zu denen vorne oft pantomimisch agiert wird. Das geht mitunter seltsam und zuletzt auch ein wenig effekthascherisch zusammen zum emotionalen Figurenspiel (wunderbar hier vor allem das Frauenquartett Nikola Norgauer, Anna Dörnte, Edith Konrad und Ina Mehling!).
Schade auch: Der Lauf der vielen Jahre, in denen die Geschichte von den schicksalshaften Verstrickungen zweier Familien führt, wird durch eingeblendete Zeitangaben zwar thematisiert, aber mehr behauptet als ersichtlich – auch wenn sich die Sprache im Verlauf des Abends feinschleift ins Dialektfreie und die Bewegungen lässiger und moderner werden. 60 Jahre Bundesrepublik, wie sie Berkenhoff in Ingolstadt wie nebenbei Revue passieren lässt, kommen bei Schölch als Zeitkolorit kaum vor. Er lässt Gesellschaftsgeschichte Gesellschaftsgeschichte sein; konzentriert sich aufs Individuelle, auf Familienschicksal und -aufträge. Streng wählt er seine Doppelbesetzungen innerhalb der familiären Linie und schickt sie in zuletzt übergangslosen Wechsel. Wie in Bruchteilen von Sekunden aus Georg, Andreas’ Sohn, sein eigener Filius Albert (alle drei: Hubert Schedlbauer) wird, das verlangt und bekommt hohe Schauspielkunst. Und stellt, als düsteres volkstheatrales Kammerspiel, die Frage, was wir von unseren Ahnen in uns tragen.
Von Karin Derstroff

