Die Sängerin studiert noch in München. Mäkeln könnte man auch über das Begleitensemble. Die Veranstalter hielten kein Orchester für nötig, sondern begnügten sich mit einer zehnköpfigen Bläserformation, der Gruppo Fiati Musica Aperta Bergamo. Als Opernorchester kann dieses wenig dynamisch agierende Ensemble natürlich nur sehr bedingt überzeugen, so professionell die einzelnen Mitglieder auch spielen. Und als unglücklich erwies sich auch die Auswahl des Programms. Denn bei einem Festival zu Ehren des bedeutenden bayerischen Komponisten Simon Mayr so gut wie kein Werk des Meisters erklingen zu lassen, wirkt (freundlich ausgedrückt) befremdlich. Statt einige der wunderbaren Opernarien zu präsentieren, spielte das Bläserensemble lediglich zwei ausgesprochen unbedeutende, lediglich unterhaltsame Divertimenti.

Aber all diese Nörgeleien können wir eigentlich übergehen. Denn der Konzertabend hat sich für die wenigen Besucher dennoch gelohnt. Ja, man kann sogar sagen: Viele der Musikfreunde waren sogar völlig überwältigt von dem Abend. Der Grund für die Begeisterung ist die koreanische Sopranistin Sumi Hwang. Die junge Sängerin ist nicht nur eine angenehm anzusehende Bühnenerscheinung mit großer Ausstrahlung. Sie singt vielmehr so, dass die Bezeichnung Operngala in ihrem Fall vielleicht doch nicht ganz unangemessen ist.

Triumphieren konnte sie besonders mit der populären Arie „Brindisi“ aus „La Traviata“. Lässig, mit einem Sektglas in der Hand, spielte sie das Trinklied ironisch lächelnd. Vor allem aber zeigte sie, dass ihr Sopran über alle Register mühelos, ohne alle Brüche anspricht, dass sie textverständlich singen kann, ihre Intonation überaus sicher und dass ihr Timbre überwältigend schön ist. Ihr Sopran sitzt sicher, für ihr Alter besitzt sie bereits ungewöhnlich viel Substanz in der Stimme und ihre Höhe leuchtet kraftvoll. Aber auch die leichteren Partien sang Sumi Hwang hinreißend, etwa die Arie der Zerlina („Vedrai, carino“) aus „Don Giovanni“ oder die Arie der Susanna „Deh vieni, non tardar“ aus „Figaro“. Und ihre Stimme vermag auch schon den spezifischen, schwermütigen Glanz zu entwickeln, der für Puccini so wichtig ist. Wehmütig sang sie die Arie der Laurett „O mio babbino caro“ aus „Gianni Schicchi“.

Von dieser jungen, schönen Sängerin will man mehr hören, viel mehr. So empfand es das Publikum und wollte Sumi Hwang fast nicht mehr gehen lassen.