Pfaffenhofen: Porträtmalerei mit der Kamera
Ziehen sich Gegensätze immer an? Kritisch beobachtet Max Raabe den Musiker Marilyn Manson auf Oliver Marks Foto.
Pfaffenhofen
Es ist eine Liste Oliver Marks, die alle eint. Sage und schreibe 523 Namen prominenter Zeitgenossen aus Kunst, Politik, Theater, Kino, Musik, Management, Sport oder auch mal aus dem Zoo (denn auch der kürzliche verstorbene Eisbär Knut ist mit dabei) sind auf der Website des Fotografen aufgezählt; Namen von Menschen von Mario Adorf bis Ermenegildo Zegna, die der heute 47-Jährige dank seines Renommees vor seine Kamera locken konnte. Mit Fug und Recht lässt sich also sagen: Es ist eine sehr kleine Schau, die der Neue Pfaffenhofener Kunstverein in der Alten Gepäckhalle des Bahnhofs mit gerade mal 29 Fotografien zeigt.

Das trifft die Sache und doch nicht ganz. Denn zum großen inneren Rundgang wird der Weg entlang der Bilder – eine Gemäldegalerie heutiger Persönlichkeiten. Wirklich etwas wie Malerei ist hier zu sehen, von einem Maler, der sein Modell erfasste, es ausprobieren ließ oder in Pose setzte, und den einen richtigen Moment bebender Authentizität dann festhielt in seinen Bilder. Das gilt für die 18 Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die vorwiegend Gesichter zeigen – Moritz Bleibtreu etwa oder Markus Lüpertz, Joschka Fischer oder Will Smith – wie für die wenigen großen Inszenierungen in Farbe. Joachim Gauck halb verdeckt von einer blühenden Rosenhecke (berührend zart), Sigmar Gabriel zwischen Rehen in einem Diorama (gutherrschaftlich) oder Karl-Theodor von Guttenberg auf Dinosauerierrücken (ironisch) – das ist szenische Porträtmalerei historischer Natur und dabei ungeheuer heutig und expressiv.

Doch egal, ob hier oder in den Gesichtern: Immer nah, fast obsessiv und dabei doch wohltuend distanziert ist Marks Blick, immer weit mehr als ihr Äußeres sind die Porträtierten und wirken dabei doch niemals interpretiert oder gar benutzt. Dafür mitunter geradezu entdeckt: Wunderbar ist das große Schwarz-Weiß-Foto von Martina Gedeck, liegend und mit entrücktem Blick: Sehr erotisch ist das und wie aus einem französischen Film noir.

Von solchen Kostbarkeiten gibt es viele zu entdecken – wenn dann auch größtenteils im ausliegenden Buch, das vorort auch erhältlich ist "Oliver Mark – Portaits" heißt der 2009 erschienene Band mit 140 Aufnahmen des Fotografen (der übrigens regelmäßig für alle großen Magazine wie "Elle", "Vanaty Fair" oder "Die Zeit" arbeitet). Und darin zu schmökern, ist nicht die kleinste Freude dieser kleinen Schau.

Die Oliver-Mars-Ausstellung läuft bis 10. April, Mi bis Fr 14 bis 19 Uhr, Sa, So 15 bis 18 Uhr.