Nürnberg: Party heißt der neue Gott
Sie sind Kasimir und Karoline: Stefan Willi Wang und Josephine Köhler im Nürnberger Schauspielhaus. - Foto: Bührle
Nürnberg

Dafür gibt es am Schluss sogar Beifall.

Party heißt der neue Gott in diesem traurigen Liebesstück. Kasimir hechelt als jämmerlicher Waschlappen seiner aufgedrehten Braut (großartig: Josephine Köhler als Karoline) vergeblich hinterher. Die Beziehung zerbricht schneller als nach einer Kuppelshow auf RTL. Am Ende bekommen alle in die Fresse. Zum schwachen Trost finden Kasimir und Karoline schnell ein neues Gspusi.

Der Sozialbefund ist eindeutig: Abgestumpftheit im Techno-Rausch. Dazwischen zeigt uns der Regisseur noch allzu anschaulich, dass der Dämon als schlaffes Glied zwischen den Beinen eines Mannes baumelt. Regisseur Georg Schmiedleitner schickt sein deformiertes Pärchen nicht auf die Wiesn. Statt Oktoberfest-Romantik blicken wir auf Industriebrache mit Leuchtreklame, wie sie auf jedem besseren Techno-Festival in der Republik zu finden ist. "Tomorrow" steht in leuchtenden Lettern und unverhohlener Ironie über der Szenerie. Dazwischen wird für das Hier und Jetzt getanzt. Pius Maria Cüppers mimt als DJ-Ausrufer im Glitzerkostüm den Partyanimateur.

Wohin dieser Lifestyle führt, zeigen der Merkl Franz (Stefan Lorch als fieser Hipster) und seine Erna (Bettina Langehein als zugedröhntes Electrogirl) eindrucksvoll. Derweil kommen sich Kasimir und Karoline schnurstracks in die Wolle. Den Bräutigam hat man als Chauffeur abgebaut. Während Kasimir (Stefan Willi Wang) in Selbstmitleid versinkt, fährt ihm die Braut im bunten Autoscooter davon. Erst macht Karoline einem etwas weniger armen Kleinbürger schöne Augen. Danach wirft sie ihre Kurven wie einen Köder am Angelhaken nach einem dickeren Fisch aus. Der protzige Rauch (Michael Hochstrasser) will die Discomieze freilich nur flachlegen. Triebbefriedigung statt Traualtar in Altötting. Eine Story ohne Happy End.

Leider, und das ist die bittere Erkenntnis, auch ohne Sozialkritik. Über die hedonistische Techno-Jugend haben sich schon andere lustig gemacht. So verhallt die Nürnberger Neuinszenierung des zeitkritisch gedachten Volksstückes wie ein schlechter Drogentrip im Nirgendwo. Die bunten Bilder wirken seltsam teilnahmslos am aktuellen Geschehen. Das engagierte Treiben auf der Bühne macht einen Besuch dennoch zum Erlebnis.

Vorstellungen bis Februar 2018, Kartentelefon (01 80) 134 42 76.