New York: Gefeiert in der Carnegie Hall
Probe vor dem großen Auftritt: Christoph Eschenbach und die Bamberger Symphoniker in Miami. - Foto: Frei
New York

Auch die Bamberger Symphoniker spürten das, als sie jetzt durch die USA tourten. Zwar hatte ein Gericht die Pläne von Trump vorerst gestoppt, aber: Um Probleme bei der Einreise zu vermeiden, wurden vorsorglich die konkreten Staatsbürgerschaften aller mitreisenden Musiker überprüft. Keiner war betroffen, trotzdem war der Aufwand gewaltig. Dabei ist eine US-Tournee für Orchester ohnehin stressig und teuer genug.

Noch unter Barack Obama, dem Vorgänger von Trump, hatte sich die Situation enorm verschlechtert. Der Grund ist das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES): Seit 2014 kontrolliert der US-Zoll verschärft auch Musiker. Um zu vermeiden, dass Instrumente oder Bögen mit Elfenbein, Echsenleder, Edelhölzern oder Perlmutt beschlagnahmt werden, sind Genehmigungen im Vorfeld notwendig.

Selbst Karbon-Bögen sind keine Garantie, denn: Wenn sie aussehen wie artenschutzrechtlich bedenkliche Materialien, gibt es Ärger. Ein bürokratisches Monstrum ist die Realität. Doch der gewaltige Kraftakt hat sich für die Bamberger gelohnt: Ihre US-Tour wurde in jeder Hinsicht ein voller Erfolg. Weil die jetzige Amerika-Tour geplant wurde, als Jakub HruÅ¡a noch nicht als neuer Chefdirigent feststand, dirigierte Christoph Eschenbach die Konzerte.

Der Siemens-Musikpreisträger ist seit 2016 Ehrendirigent der Bamberger. Gemeinsam haben sie die große Feuerprüfung bestanden: das Gastspiel in der legendären Carnegie Hall in New York. Alle Orchester wollen hier rein. Wer eingeladen wird, darf sich geehrt fühlen. Und wer erfolgreich spielt, hat beste Aussichten in Amerika. Zuletzt waren die Bamberger 1983 hier, mit Eugen Jochum am Pult.

Mit dem früheren Chefdirigenten Jonathan Nott spielten die Bamberger hingegen im benachbarten Lincoln-Center. Seine besondere Vorliebe für die Moderne war der altehrwürdigen Carnegie Hall wohl zu progressiv. Jetzt aber wurden die Bamberger mit stürmischem Stehbeifall gefeiert. Die sonst so coolen New Yorker waren buchstäblich aus dem Häuschen.

Mit der Sinfonie Nr. 5 von Gustav Mahler konnten die Bamberger erneut beweisen, dass sie sich unter Nott zu einem Mahler-Orchester allererster Güte entwickelt haben. Das zeigt auch die Gesamtaufnahme, die bei Tudor als CD-Box erschienen ist. Im berühmten Adagietto wurde das Tempo wohltuend fließend genommen, ganz ohne kitschige Larmoyanz. Prompt wurden die Bamberger wieder eingeladen: Ab 2020 wird es ein weiteres Gastspiel in der Carnegie Hall geben.

In Miami glänzten die Symphoniker hingegen mit der Sinfonie Nr. 3 "Eroica" von Beethoven. Hier gastierten sie im neuen Adrienne Arsht Center, das der gewichtige Akustik-Guru Russell Johnson betreut hat. Auf dem Weg nach Florida zeigte sich hingegen vollends, wie gesund die Bamberger derzeit aufgestellt sind. Nach dem fulminanten Gastspiel in der Carnegie Hall traf über Nacht ein Blizzard-Schneesturm den Nordosten der USA.

Sämtliche Flüge wurden annulliert, für die Bamberger eine Katastrophe. Frühmorgens sollte es weiter nach Florida gehen. Über Nacht wurde geackert und ein Privatjet gechartert, für den späteren Abend, als sich die Lage beruhigt hatte. Die Musiker haben nicht gemeckert, trotz widriger Bedingungen. Denn sie fühlen sich dem Publikum und der Musik verpflichtet, egal wo. Sie sind eben kein "Beamten-Orchester", das "Dienst nach Plan und Vorschrift" absolviert.

Das bestätigt auch Eschenbach. Er kennt das Orchester seit Jahrzehnten, hat mit ihm als Dirigent und als Klaviersolist gearbeitet. Eine "ungeheure positive Energie" habe er erneut gespürt. "Ich glaube, die Musiker haben begonnen, sich mit dem neuen Chefdirigenten gut zu identifizieren." Dieses Orchester blickt in eine vielversprechende Zukunft, auch das zeigte die Tournee.