Neuburg: Zwei Sieger, keine Verlierer
Luis Martínez Pueyo spielt die Traversflöte im Ensemble La Guirlande. Die international besetzte Formation wurde mit dem ersten Preis geehrt. ‹ŒArch - foto: La Guirlande
Neuburg

Ein Hauch von Wehmut durchwehte deshalb den Kongregationssaal, als ihm Kulturamtsleiterin Kathrin Jacobs wie auch der Förderverein mit Präsenten für die maßgebliche Prägung der Alten Musik in Neuburg dankten. Gerührt verabschiedete sich Brunner, gab aber seinen Posten in versierte Hände: Seine Nachfolge tritt die renommierte Oboistin Xenia Löffler an, die der Sommerakademie bereits als Dozentin verbunden ist. "Was kann einem Besseres passieren, als einen so altehrwürdigen, bestens aufgestellten Kurs und Wettbewerb zu übernehmen", freute sich die Solistin der Akademie für Alte Musik Berlin auf ihre künftige Aufgabe.

Der barocke Violinvirtuose und Komponist Biagio Marini (1594-1663), nahezu 30 Jahre lang in den Diensten des Herzogs und Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm in Neuburg und an dessen Hof in Düsseldorf, steht seit 1999 Pate für den einzigen permanenten Wettbewerb für Alte Musik in Bayern, der sich längst zu einer festen Institution entwickelt hat. In diesem Jahr hatten sich dazu insgesamt acht Kammermusikgruppen beworben, von denen fünf junge, aufstrebende Ensembles aus Deutschland, Polen, Österreich und Spanien ausgewählt wurden, sich in 15-minütigen Vorspielen dem Urteil der Zuhörer und der Jury zu stellen. Die erschien auch diesmal hochkarätig besetzt mit Alte-Musik-Spezialisten wie Friederike Heumann, Leila Schayegh, Emma Kirkby, Gerhart Darmstadt, Xenia Löffler, Daniela Niedhammer, Jakob Lindberg, Han Tol, Gerhard Abe-Graf, Josep Domènech Lafont und letztmalig der scheidende Jurypräsident Georg Brunner.

Durch feinsinnige, präzise Musikalität verzauberte die Formation L'Armonia Gioiosa aus Österreich, Italien und Schweden (2016 zweiter Preisträger beim Concorso internazionale di musica antica "Maurizio Pratola" im italienischen L'Aquila), nämlich die Blockflötistin Magdalena Spielmann, der Cellist Johannes Kofler, der Cembalist Lukas Frank und der Lautenist John Martling. Neben einer Sonate von Giovanni Battista Fontana und einer Ciacona von Benedetto Marcello nahmen sie sogar den Wettbewerbs-Namensgeber Biagio Marini selbst ins Programm.

Nicht nehmen, das Publikum selbst zu begrüßen, ließ sich die Gruppe Cordae Animae, namentlich Marija Milosavljevic (Traversflöte), Anna Kaiser (Violine), Isabel Walter (Viola da gamba) und Hwa-Jeong Lee (Cembalo). Mitgebracht hatten die deutschen, amerikanischen und serbischen Künstlerinnen, die sich seit ihrem Musikstudium in Frankfurt kennen, eine musikalische Rarität in Gestalt einer Sonate des weitgehend unbekannten Louis-Gabriel Guillemain (Hofkomponist und -violinist von Ludwig XV.). Die sensitiven bis feurigen Klangschattierungen des Werkes leuchteten sie faszinierend aus.

Als erstes reines Streichquartett in der Geschichte des Wettbewerbs trat das Quartetto Nero aus Polen auf: Agata Haberer und Paulina WoÅ› an den Violinen, Anna Wiecorek an der Viola sowie Katarzyna CichoÅ„ am Cello hatten sich dazu ein Streichquartett von Luigi Boccherini ausgesucht, dessen drei Sätze sie wunderbar gefühlvoll-harmonisch darboten.

Auf das "Siegerpodest" schaffte es das Ensemble tr!jo und erhielt nach der Ansprache von Oberbürgermeister Bernhard Gmehling den zweiten Preis in Höhe von 1000 Euro und auch den mit 500 Euro dotierten Publikumspreis. Tabea Debus (Blockflöten), Lea Rahel Bader (Viola da gamba) und Daniel Trumbull (Cembalo) waren mit ebendiesen Ehrungen bereits 2015 beim zweiten Internationalen Berliner Bach-Wettbewerb ausgezeichnet worden und bestachen nun erneut durch ihre unkonventionelle Interpretationsweise: In einer Adaption der Purcell-Arie "Thus the gloomy world", einer Chaconne desselben Komponisten, einer Gavotte von Matthew Locke sowie einer Telemann-Sonate beeindruckten sie mit ihrem je nach Stimmung des Stücks wandlungsfähigen, frischen, unverkrampften Zusammenspiel.

Am meisten überzeugt zeigte sich die Jury schließlich vom international besetzten, mehrfach ausgezeichneten Ensemble La Guirlande. Mit ihrem in allen Facetten tief empfundenen, souverän-professionellen, perfekt aufeinander eingespielten Vortrag der Triosonate aus Bachs "Musikalischem Opfer" gewannen Luis Martínez Pueyo (Traversflöte), Shio Ohshita (Violine), Teodoro Baù (Viola da gamba) und Joan Boronat Sanz den ersten Preis, prämiert mit 2000 Euro.

Letztendlich gab es jedoch bei diesem hochvirtuosen Konzert keinen einzigen Verlierer: Alle teilnehmenden Ensembles stellten eindrücklich unter Beweis, dass sie über außerordentliche musikalische Siegerqualitäten verfügen - und dass sie durchweg das Zeug zu einer internationalen Karriere haben. Bravo a tutti!