Neuburg: Reise durch die Musikgeschichte
Zeitlose Songs: Altmeister Georgie Fame im Jazzclub. - Foto: Leitner
Neuburg

Dass letzterer, der neben seiner höchst erfolgreichen Tätigkeit als Solokünstler immerhin neun Jahre lang musikalischer Leiter der Van Morrison Band war, nun ausgerechnet im für seine Verhältnisse geradezu winzigen Birdland-Jazzclub spielt, darf man ruhig sensationell nennen.

Ja, dieser Clive Powell, besser bekannt als Georgie Fame, ist wahrlich ein Kaliber. Als Komponist, Interpret, als Hammond-Spezialist und vor allem als Sänger, als Vertreter des Blue Eyed-Soul, auf den sich ganze Generationen von Nachfolgern berufen. Im Birdland-Konzert, das er im Rahmen des dort derzeit laufenden Radio Jazz Festivals gibt, hält er Rückschau, gewährt seinem Publikum eine ganz persönliche Führung durch 50 Jahre hautnah erlebte Musikgeschichte.

Zusammen mit seinen Söhnen James (Schlagzeug) und Tristan (Gitarre) startet er bei Booker T. Jones und dessen "Green Onions", streift Ray Charles, Mose Allison und Floyd Dixon, bearbeitet Carole King's "Point Of No Return" für die Orgel und biegt schließlich mit seinen eigenen Hits "Yeh Yeh" und "The Ballad Of Bonnie And Clyde" auf die Zielgerade ein. Das ergibt in der Summe ein knappes Dutzend Songs, die seine Karriere begleiteten, und wenn man noch all die Zitate berücksichtigt, die Fame immer wieder einbaut, sind es noch weitaus mehr. Überraschend ist, dass er keine einzige Nummer aus seiner langjährigen Partnerschaft mit Van Morrison spielt, ja, dass jener nicht einmal erwähnt wird, und das, obwohl Fame freimütig im Plauderton etliche Anekdoten aus seinem bewegten Leben erzählt.

Dafür entschädigt dann das - zumindest für mich - beste Stück des Abends, nämlich "Funny How Time Slips Away", in dem er doch tatsächlich Willie Nelson und George Benson aufeinander loslässt.

Der Abend mit Georgie Fame im Birdland ist sicherlich nicht dazu da, um neue Aspekte des Jazz zu entdecken, virtuose Soli zu bewundern oder den Schritt auf avantgardistisches Neuland zu wagen. Nein, bei Fame geht es ganz einfach um zeitlose Songs, die allesamt zu Klassikern geworden sind, wobei das Genre, aus dem sie stammen, unwichtig ist. Es geht um ein klein wenig Nostalgie, um die erste persönliche Begegnung mit dem einen oder anderen Hit von einst, um die Zeit, als man abends am Mittelwellenradio herumschraubte oder AFN hörte, ständig auf der Suche nach der richtigen Musik. Und wenn man Glück hatte, stieß man dann im Äther irgendwo auf Georgie Fame.