Mittwoch, 30.05.2012 |

 

11.10.2010 19:53 Uhr | 20x gelesen
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Magischer Sog


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Neuburg (DK) Sein Bruder habe ihn für verrückt erklärt, dass er den "Roman unserer Kindheit" schreiben wolle, erzählte Georg Klein im Neuburger Stadttheater seinem Publikum während der Autorenlesung im Rahmen des Festivals "Fliesstext10". Was diese zuvor aus dem Kapitel "Sonnentag" vom Autor gehört hatten, sei zu "120 Prozent selbst erlebt; die restlichen 30 Prozent, besonders die pikanten Details aus der Familiengeschichte der Böhms hat mir meine Mutter erzählt", erklärte der 1953 in Augsburg geborene Klein.




Neuburg: Magischer Sog
Georg Klein im Gespräch mit den Besuchern seiner Lesung in Neuburg. - Foto: bfr
Bis 1972 hat er in Augsburg gelebt. Seine Beschreibung der Kindheit in dem Augsburger Neubauviertel mit den hervorstechenden Farben – erbsengrün oder türkis – sei auch "wunderbar getroffen", wie ihm eine Zuhörerin bestätigte. Für einen älteren Herrn dagegen war das Buch als Lokal- oder gar historischer Roman eher enttäuschend, wenn auch wunderbar zu lesen, gewesen. Der ältere Augsburger hatte sich mehr Fakten und Aufklärung über bestimmte Menschen und Geschichten und Gerüchte erhofft. Doch genau darum war es Klein nie gegangen.
 
Georg Kleins im März mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichneter "Roman unserer Kindheit" ist eine atmosphärisch dichte Beschreibung von Kindheitserfahrungen aus den 60er Jahren, die zwar in Augsburg spielen, aber keineswegs nur dort spielen können. Mit seiner präzise die Naturerfahrungen der Kinder schildernden Sprache spürt Klein Lebenswelten nach, "die es so auch anderswo" in der Nachkriegszeit gab. Sätze wie "Die Kinder müssen sich die Dunkelheit erschleichen" oder "Der böse Hof hat ihnen einen Widersacher ausgespuckt", die den Grusel schildern, wenn die Kinder die von den Erwachsenen gesteckten Grenzen überschreiten, sind Generationen übergreifende Themen.

Die Kleinschen Sprachbilder üben einen magischen Sog aus und lassen die Welt derart in einer neuen Perspektive erscheinen, dass man sich dem kaum entziehen kann. Nur eine Stunde der ruhigen Stimme Kleins zu lauschen war zu wenig. Nachlesen ist angesagt.


Von Barbara Fröhlich

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