München: Satire auf den Modelwahn
Auf dem Selbstfindungstrip: Pauline Fusban (als Heather, links) und Juliane Köhler (Cookie) in "Für immer schön". - Foto: Baumann
München

Cookie nennt sie sich, die nicht mehr ganz junge, aber vom beruflichen Schönheitskult restlos besessene Kosmetikvertreterin in dem Boulevard-Dramolettchen "Für immer schön" des US-Amerikaners Noah Haidle. Mit ihren mit allerlei Tuben, Cremes, Schminkutensilien und Duftwässerchen vollgestopften Warenköfferchen stöckelt sie übers Land. Ein toll aufgestylter Typ wie aus dem Fotoset der besten Modelagenturen: Eine wild wallende blonde Mähne zum perfekt geschminkten Gesicht. Ein hinreißend einstudiertes Dauerlächeln mit Glitzersternen auf den Wimpern und ein Augenaufschlag, bei dem jeder Mann schwach wird. Dazu ein kanariengelbes, wie eine zweite Haut auf der Superfigur eng anliegendes Stretchkostüm. Cookie als Inbegriff des amerikanischen Traums der selbstbewussten Frau, die in ihrer Karriere nicht aufzuhalten ist - und doch ganz gewaltig abstürzt.

Pech jedenfalls für Cookie, dass auch andere Frauen sich auf einem steilem Selbstfindungstrip befinden. Der Zickenkrieg zwischen ihr und ihrer größten Konkurrentin Heather (Pauline Fusban) nimmt geradezu groteske Formen an. Hauen und Stechen nicht nur im übertragenen Sinn, sondern ganz real und brutal. Ebenso heiße wie auch reichlich missglückte Affären mit Männern jeglichen Alters und unterschiedlicher Potenz (vom schüchternen Jüngling bis zum senilen Lustmolch: Nils Strunk) inklusive all der Tränendrüsen animierenden Exkurse über die aussichtslose Situation von Cookies Mama und ihrer drogensüchtigen Tochter (Mathilde Bundschuh in Personalunion).

Ein Hollywood-Schmachtfetzen, den Katrin Plötner in Anneliese Neudeckers geisterhaft beleuchtetem Bühnenbild voll - natürlich ganz symbolischen - himbeerfarbenen Plastikplanen als melodramatische Satire auf den Beauty-Wahn inszeniert hat. Und klar auch, dass Cookies tolles Leben mit einem reichlich melancholischen Abgesang endet: Erblindet ist sie nun im Alter, arm und einsam. Und ihre positive Ausstrahlung und optimistische Lebenseinstellung sind ebenso nur noch Erinnerung an bessere Zeiten wie auch ihre inzwischen verblichene Schönheit. Alles war nur Fassade. Jetzt ist Cookie zur wütenden Furie und zur verbitterten Schlampe abgesunken. Schluchz. Und doch: eine schauspielerische Glanzleistung von Juliane Köhler.

Die nächsten Vorstellungen sind am 6., 8. und 17. Dezember. Kartentelefon: (0 89) 21 85 19 40.