München: Quasimodo verzaubert München
Prachtvolles Bühnenbild, kluge Effekte: David Jacobs spielt Quasimodo. - Foto: Person
München

Basierend auf dem Roman-Klassiker von Victor Hugo sowie dem Zeichentrickfilm von Disney ist die Geschichte um den berühmten Glöckner Quasimodo nach der Europapremiere in Berlin für gut zwei Monate in München zu erleben.

Dabei hat das Musical mit dem Cartoon und seinen komischen Momenten eher weniger gemein. Abgesehen natürlich von den wunderbaren Melodien. Die humorvollen steinernen Wasserspeier, die zum Leben erwachen und mit denen Quasimodo allein in seinem Glockenturm spricht, verwandeln sich in der Musical-Variante in mystisch wirkende Mönche. Wenn sie gemeinsam in ihren Kutten singen, hat das aber mehr packende Dramatik und zielt weniger auf Witz und Lacher im Publikum.

Überhaupt ist die opulente Inszenierung zwar ungemein unterhaltsam, kommt aber bis auf vereinzelte Wortwitze ohne überzogene Albernheiten aus. "Disneys Der Glöckner von Notre Dame" ist eine Bild- und Klanggewalt, die lange nachwirkt. Die legendäre Liebesgeschichte des buckligen Glöckners wird vor einem prächtigen Bühnenbild in Szene gesetzt. Allein der Turm, der immer wieder durch das Herablassen großer Glocken dargestellt wird, wirkt mächtig. Ebenso wie das Innere der berühmten Kathedrale mit seinem großen Buntglasfenster im Hintergrund. Durch kluge Effekte wird im Handumdrehen häufig ein Wechsel der Szenerie erzeugt. Flugs ein Wirtshausschild aufgehängt und schon ist man in einer Taverne, wo sich im spätmittelalterlichen Paris die geächteten Zigeuner treffen. Das ist ebenso einfach wie grandios inszeniertes Theater.

Die Darsteller tun ein Übriges, um Sound und Story mit Nachdruck zu vermitteln. Allen voran Felix Martin als Erzdiakon Claude Frollo. Martin mimt und singt mit Wucht und Würde und lässt erhabene Momente entstehen. Auch David Jacobs als Quasimodo ist eine Topbesetzung für die schauspielerisch, körperlich und vokal anspruchsvolle Rolle. Wenn er hoch oben über den Dächern von Paris sehnsuchtsvoll die Stimme erhebt, ist das wahrlich ergreifend. Oder im Duett mit der Zigeunerin Esmeralda, dargestellt von der australischen Künstlerin Sarah Bowden - herrlich. Die optische Opulenz wird durch eine akustische ergänzt, wenn das Ensemble aus Zigeunern, Mönchen und einem 24-köpfigen Chor zum Einsatz kommt.

Pathos und Bombast gibt es viel, Kitsch und Klamauk bleiben hingegen glücklicherweise Fehlanzeige. Ebenso raffiniert wie die musikalischen Arrangements sind auch die vielen kleinen und großen Bühnentricks. Besonders beeindruckend die Darstellung von flüssigem Blei durch ein großes wehendes Tuch. Oder die Sturzszene des Diakons, der auf den Händen des Ensembles in die Tiefe der Bühne entschwebt.

Hier gibt es viel zu sehen und noch mehr zu hören, die Harmonien bleiben nachhaltig im Gedächtnis. Als die Vorstellung zu Ende ist, hat man fast das Gefühl einen Film zwischen historischem Drama und Mantel und Degen erlebt zu haben. Ein geradezu cineastisches Erlebnis!

Noch bis zum 7. Januar am Deutschen Theater München.