München: Mit 77 Jahren, da fängt das Leben an
"Das Beste kommt zum Schluss" heißt Peter Kraus' Tour, die ihn nächste Woche nach Berlin und Hamburg führt. - Foto: van der Voorden
München

Und natürlich mit vielen seiner großen Hits.

Schon der Beginn der Show ließ keine Zweifel an der Virilität des legendären deutschen Rock'n'Rollers aufkommen. Auf der Leinwand eines großen Retro-Fernsehers über der Bühne konnte der prall gefüllte Circus Krone erleben, wie Kraus auf einer Harley backstage vorfuhr. Kurz danach stand er auch schon mit dem Helm noch in der Hand auf der Bühne und legte zusammen mit seiner starken, jungen Band los. Der gebürtige Münchner fegte geradezu über die Bretter, die seine Welt bedeuten und zerbrach sogar eine (präparierte) Gitarre über dem Knie. Das Spiel mit seinem Alter und (seiner) Jugend sollte sich durch den gelungenen Abend ziehen.

So nannte Kraus Musikerkollegen wie Marteria, Tim Bendzko oder Sportfreunde Stiller, deren Songs er in verswingten und verrockten Versionen präsentierte, stets "die jungen Leute". Ganz der Gentleman blieb er bei der Kommunikation mit dem Publikum immer beim "Sie". Die Neuinterpretationen wurden zwar jeweils höflich beklatscht, aber die jung gebliebenen Fans wollten den Bezug zur eigenen Jugend und die großen Hits von damals. Und die gab es auch. Mit schmunzelnden Seitenhieben auf nationale Rock-'n'-Roll-Kollegen wie Ted Herold und globale wie Elvis Presley präsentierte Peter Kraus ihre Gassenhauer, spielte insgesamt an die zehn Presley-Titel wie "(Let Me Be Your) Teddy Bear", "Viva Las Vegas" und "Jailhouse Rock" und glänzte bei diesen durch große Bewegungsfreudigkeit.

Neben eigenen Stücken wie "Alle Mädchen wollen küssen" und "Wenn Teenager träumen" wurde sein Kracher "So wie ein Tiger" zum Highlight der ersten Konzerthälfte. Der Tiger bot viel Platz für den Kraus-Trademark-Hüftschung aber auch für Ironie. So begannen Peter & Co. den Titel in der volksmusikalischen Variante, nur um dann im Verlauf so richtig wild und rockig zu werden.

Bei all der Energie kam aber auch die Nostalgie nicht zu kurz und Einspielungen aus alten Filmen und TV-Shows ließen die Fans in Erinnerungen schwelgen. In der kurzen Pause konnte man Peter Kraus im Fernseh-Klassiker "Was bin ich" mit Robert Lemke erleben. Weitere Ausschnitte zusammen mit Heinz Erhardt, Caterina Valente und Udo Jürgens zeigten, dass hier ein echtes Stück deutsche Unterhaltungsgeschichte auf der Bühne steht. Ein noch ziemlich lebendiges dazu, das mit Evergreens wie "Kitty Cat" und natürlich "Sugar Baby" zum Schluss hin noch mal so richtig Gas gab. Der Abschied von der Bühne - der laut dem einstigen Teenager-Idol vielleicht doch nicht ganz endgültig ist - war dann noch mal so richtig beschaulich und nostalgisch und "Schwarze Rose, Rosemarie" entführte ein letztes Mal in die Schlagerseligkeit.

Glücklich und wohl auch ein bisschen neidisch auf die Fitness ihres Peters verließen alle den Circus Krone - und hoffen auf ein Wiedersehen. Vielleicht zum 100., wie Peter Kraus humorvoll in Aussicht gestellt hatte