Mit Lebensdaten und Fotos weisen sie hin, dass es heute einen Geburtstag zu feiern gibt: Jean Paul, der Provinz- und Weltdichter aus Franken, wurde vor 250 Jahren geboren.

Fernab von den Schubladen der Literaturgeschichte, verloren für den Kanon der Lehrpläne schlummert sein Werk: Zu sperrig, um schnell mal weggelesen zu werden – und zu großartig, um ganz in Vergessenheit zu geraten.

Ein Poet, dem unsere Sprache viele Wortneuschöpfungen wie den „Seidenpudelspitz“ oder den „Schmutzfink“ verdankt – ein Dichter, den wir verpassen. Sein bahnbrechender Roman „Hesperus oder 45 Hundsposttage“, die Werke „Schulmeisterlein Maria Wutz“, „Siebenkäs“, „Titan“ schlummern im Dornröschenschlaf wie die kleinen Städte, in welchen er gelebt, geliebt, geschrieben und gern getrunken hat.

Der Bayreuther Verein „Jean Paul 2013 e.V.“ hat die Säulen aufgestellt – und das Residenztheater München organisiert eine große Sause, ein viertägiges Jean-Paul-Festival. Der Schriftsteller Albert Ostermaier hat dieses Projekt initiiert. Unter dem Motto „Berge, Bücher, Bier“ sind die kommenden vier Tage facettenreich konzipiert und hochkarätig besetzt.

Ostermaier (Jahrgang 1967) hat den Dichter schon lange für sich entdeckt – zuerst hat er nach dem „Titan“ gegriffen, Jean Pauls vierbändigem „Kardinal- und Kapitalroman“ (1800–1803). „Das war ein harter Start“, lacht er heute, und dass man vielleicht besser mit dem schmalbändigen „Leben des vergnügten Schulmeisterlein Maria Wutz in Auenthal“ begonnen hätte. Aber auch wenn er über Jean Paul sagt „der kann einen wahnsinnig nerven mit seinen ganzen Einschüben und Abschweifungen!“ – Ostermeier verfiel dem Werk.

„Jean Paul ist ein Dichter der Dichter, eine Galaxie für sich!“, meint er dazu. Hieran ändert auch die kleinbürgerliche Biografie nichts. „Jean Paul ist ständig über sich hinausgewachsen, als Schriftsteller und Mensch. Man muss eben rein in sein Werk – und deswegen ist er heute wohl nicht so populär.“

Der Begriff Popularität kommt einem bei Jean Paul zu allerletzt in den Sinn, eher denkt man an die Schatten, die andere Künstler ihm warfen: Goethe und Schiller. Sie sind heute bekannter, damals fürchteten sie die Kraft und den Erfolg des Denkers und Frauenlieblings aus Franken. Sogar Bayreuth, seinen letzten Wohnort, hat sich Jean Paul schlecht ausgesucht, denn dort feiert man derzeit ja bekanntlich Richard Wagner, der genau 50 Jahre nach Jean Paul zur Welt kam und die Kleinstadt mit seinen Festspielen weitaus stärker geprägt hat.

Eine Renaissance für Jean Paul steht aus. „Ein Fest für alle Kulturpessimisten“ nennt Ostermaier diesen Umstand, verleiht aber auch der Hoffnung Ausdruck, dass unsere sms- und twitteraffine Zeit bald umdenken möge. „Man sieht das ja am Erfolg der Fernsehserien: Die Menschen wollen wieder längere Kontexte.“

Mit seinem Festival will er Lust machen auf das Unbequeme. Er hat programmatisch Gäste aus ganz verschiedenen Kontexten eingeladen, sich mit dem Werk auseinanderzusetzen, er will die Rezeption von verschiedenen Seiten aus beleuchten und befeuern – und natürlich auch Hemmschwellen abbauen.

Dass dann dieses freigeistige Surfen durch den Kosmos von Jean Paul in DJ Hells Party-Hölle kulminiert, mutet fast etwas gewalttätig an, erdet aber immerhin einen großen Dichter dort, wo er hingehört: In unserer Gegenwart.

Am heutigen Donnerstag startet das Festival mit einem Prolog unter dem Motto „Birgit Minichmayr wühlt in Jean Pauls Zettelkästen“, dann folgt Albert Ostermaiers große Gala mit anschließender Party. Der Freitag bringt die Dramatisierung des Romans „Flegeljahre“, Samstag unter anderem „Der Komet“. Mehr dazu im Internet auf der Website www.residenztheater.de/jean-paul.