München: "Schee is dahoam"
Michael Patrick Kelly füllt die Hallen auch ohne die anderen Familienmitglieder. - Foto: Buchenberger
München

Jetzt hat es den Musiker mit irisch-amerikanischen Wurzeln auf das Land nach Niederbayern verschlagen, wo er heute mit seiner Frau wohnt. Und in die kleine Olympiahalle nach München im Rahmen seiner "iD"-Tour zum neuen Solo-Album.

Immer wieder spricht Kelly von einem Heimspiel und versucht sich am bayerischen Dialekt. "Schee is dahoam", sagt er und die überwiegend weiblichen Fans sind da ganz seiner Meinung.

Während die ohne ihn reformierte Kelly Family mit Sicherheit die große Variante der Olympiahalle komplett füllen würde, muss sich Michael Patrick, früher auch Paddy genannt, (noch) mit der kleinen begnügen. Die aber ist mit 1950 Besuchern bis auf den letzten Sitzplatz ausverkauft. Dabei hätte es die Stühle gar nicht gebraucht, steht die anwesende Damenwelt doch gleich zu Beginn des Konzertes auf und nimmt nur für wenige, etwas ruhigere Stücke, vorübergehend wieder Platz.

Im Vorfeld des Auftritts und in der Pause läuft Tracy Chapman vom Band. Ein Hinweis, dass es solo in die anspruchsvolle Singer/Songwriter-Richtung geht? Durchaus, denn in Interviews spricht Kelly immer wieder von seiner Vorliebe für handgemachte Musik und Künstler wie Bruce Springsteen und Bob Dylan, deren Songs er auch gerne mal covert. Jedoch nicht heute, Fremdkompositionen von nationalen Kollegen wie Mark Forster und Gentleman kommen neben vielen eigenen und neuen Stücken zum Einsatz. Mit dem Riesenhit "An Angel" erinnert Kelly kurz an die erfolgreiche Zeit im Familienverbund.

Aber es geht eben auch gut ohne Angelo, Maite und Co. mit der eigenen Band. Der Neu-Niederbayer kann wirklich einiges. Nicht nur, dass er immer noch ausdrucksvoll und intensiv singt, er greift auch in die Tasten, spielt Gitarre, Bass und auch Percussion.

Vielleicht ist das auch das Dilemma, denn er kann zwar viel, will aber auch (zu) viel. Keine noch so überzogene Rockstarpose vom liegenden Beginn, dem Karatekick über den Sprung von der Treppe bis hin zu dramatisch gen Himmel gereckten Händen lässt er aus. Kelly zitiert Nietzsche, legt eine dramatische Schweigeminute ein und huldigt verstorbenen Rockstars, was heutzutage wirklich jeder macht.

Auch musikalisch geht es in die Breite. Mal klingt ein Song nach Robbie Williams, häufig wie Coldplay oder auch mal nach den angesagten The Script. Das Publikum nimmt dankbar die Stücke vom neuen Album wie "A Little Faith", "Free" und gegen Ende das dramatische "Lazarus" entgegen und ist auch jenseits der Kitschgrenze voll bei der Sache. Am intensivsten wirken die spirituellen und religiösen Songs, die Kelly an der Akustikgitarre vorträgt, wobei "Holy" für weniger katholische auch schon wieder fast zu viel des Guten ist. Lang ist mit zweieinhalb Stunden auch die Spielzeit, die aber dank der Vielfalt schnell vorübergeht. Und mit dem pathetischen "Hope" ein positives Ende findet.