Schlagersängerin Andrea Berg Schlagersängerin Andrea Berg
Schlagersängerin Andrea Berg.
© 2016 AFP (Archivfoto)
München

Die scheint aktuell sehr drachen- und fantasylastig zu sein, ist das Bühnenbild doch ein einziges großes Fabelwesen, dessen langer Schweif als Laufsteg bis weit in die Arena reicht. Die Musiker agieren in den Windungen des Ungetüms, und Andrea Berg startet die Show hoch oben auf dem Kopf ihrer "Einbildung". DJ Bobo, der am optischen Konzept mitgewirkt hat, begrüßt das Publikum mittels Ansage vom Band, und dann heißt es Feuer frei. Zu "Drachenreiter" und einer Andrea Berg im Brunhilde-Look mit Brustpanzer spucken der Drache und andere Öffnungen Flammen, was die Leitungen hergeben. Schon zur zweiten Nummer "Piraten wie wir" kommt Andrea Berg ganz vorne an den Laufsteg, während die Leinwand hinter der Bühne, auf der sich auch Heavy-Metal-Bands wohlfühlen würden, mit Schiffsszenarien flimmert. Dazu Akrobaten mit Fackeln und Tänzer auf dem Rücken des Drachen.

Der bleibt aber trotz seiner Größe letztlich genauso harmlos wie die Musik der erfolgreichsten Sängerin der deutschen Chart-Geschichte. Den kleinen Plüschdrachen, den sie einer kostümierten Kindergruppe nach einem gemeinsamen Lied schenkt, tauft sie niedlich "spinnst du". Heute soll aber auch niemand verletzt, sondern einfach nur unterhalten werden. Eingängige und leichte Nummern wie "Du kannst noch nicht mal richtig lügen" oder "Der letzte Tag im Paradies" leitet sie zwar oft etwas gezwungen ein, aber die Freude über die Anwesenden bricht immer wieder mit spontanen "Huhuhs" oder "Kuckucks" durch. Einen Fan nennt sie liebevoll "Schätzelein", einen anderen holt sie zum Duett sogar auf die Bühne. Der sichtlich nervöse 17-jährige Jakob aus Weiden in der Oberpfalz darf im zweiten Teil des Konzerts "Wenn du mich willst" text-, aber nicht ganz tonsicher zum Besten geben.

Musikalisch ist heile Welt angesagt und die meist ähnlich klingenden und oft an Wolfgang Petry erinnernden Lieder streicheln die Seelen der Anwesenden und bringen sie zum Schunkeln und Tanzen. Inhaltlich werden nahezu ausschließlich Emotionen in allen Variationen thematisiert, Valentinstag wäre wohl der noch perfektere Termin gewesen. Zwar spricht das Ruhrpott-Original auch den Tod an, verklärt und romantisiert ihn aber. Die Grenzen zum Kitsch werden mit Vollmondbildern zu "Ich schieß dich auf den Mond" oder Schmetterlingen auf der Leinwand regelmäßig überschritten, aber genau deswegen sind ja auch alle hier.

Abgesehen davon kann die Echo-Preisträgerin richtig Party machen und gibt zum Ende hin mit Schlagerklassikern wie "Aber bitte mit Sahne", "Marmor, Stein und Eisen bricht" und Songs von Nena und der Spider Murphy Gang so richtig Gas. Die Erfahrung aus ihrer Zeit bei einer Tanzkapelle merkt man dem Vollprofi an.

Zum Schluss eigene Gassenhauer wie "Diese Nacht ist jede Sünde wert" und natürlich "Du hast mich tausendmal belogen". Wenn er gekonnt hätte, hätte auch der Drache mitgetanzt.