Mittwoch, 10.03.2010 |

 

21.10.2008 19:29 Uhr | 113x gelesen
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"Mit einem Aufpasser rechnen wir nicht"


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Geiselhöring (DK) Im Rahmen eines bayerischen Tages der Veranstaltungsreihe "Deutschland und China – gemeinsam in Bewegung" werden Haindling in Kanton auftreten. Zuvor, am 3. November, spielt die sechsköpfige Band in der Alten Schweißerei in Schrobenhausen (19.30 Uhr). Thorsten Stark sprach mit Bandleader Hans-Jürgen Buchner über Bayern-Wahl, Musik und die Reise nach China.


Am 3. November spielen Sie in Schrobenhausen, sechs Tage später im chinesischen Kanton. Welche Unterschiede zwischen beiden Konzerten fallen Ihnen spontan ein

Hans-Jürgen Buchner: Zunächst einmal, dass Schrobenhausen in Bayern liegt – und China ist weit weg (lacht). Und ich denke mal, ich war ja noch nie in China, dass in Kanton das Aussehen der Zuhörer anders ist.

 

Werden Sie das Programm dort anpassen

Buchner: Natürlich. Wir spielen da anderthalb Stunden immerhin vor 10 000 Menschen. Übrigens haben wir die Texte vorab schon abgeben müssen, so dass die chinesische Übersetzung beim Konzert auf einer Großleinwand mitlaufen kann.

 

Kamen da Anmerkungen wie: Das und das bitte nicht spielen

Buchner: Nein. Wir haben unser Programm so angepasst, dass nichts dabei ist, was aneckt. Es sind schon kritische Lieder dabei, das ist klar. Aber die umfassen die ganze Welt, und nicht China allein.

 

Wie ist das Konzert in China denn zustande gekommen

Buchner: Übers Goethe-Institut. Die sagten: Das ist das Richtige für China. Wir haben ja sehr viele instrumentale Stücke, die weltweit verständlich sind. Und dann internationales Musikinstrumentarium. Ich glaube, dass das nicht so langweilig ist wie bei einer Gitarrenband mit drei Gitarren.

 

Haben Sie in der Band diskutiert, ob Sie zusagen?

Buchner: Meine Musiker waren ganz begeistert. Sie waren noch nie in China, ich war noch nie in China. Unschön an der ganzen Sache ist der lange Flug.

 

Was versprechen Sie sich von dem Auftritt

Buchner: Mal ein neues Land kennen zu lernen. Und vielleicht gefällt denen die Haindling-Musik so gut, dass man eine künstlerische Zusammenarbeit machen kann – zum Beispiel mit einer Opernsängerin. Die chinesische Oper, bei der der Gesang so katzenmäßig klingt, ist für mich recht interessant.

 

Vielleicht wird der Kontakt zu chinesischen Musikern aber erschwert, weil Sie einen Aufpasser bekommen . . .

Buchner: Das wissen wir nicht. Aber mit einem Aufpasser rechnen wir nicht. Wir haben ohnehin schon einen dabei: Ein Team vom Bayerischen Fernsehen, das uns vor Ort filmen will.

Das Konzept der Veranstaltung heißt "Deutschland und China – gemeinsam in Bewegung". Glauben Sie an Wandel durch Annäherung

Buchner: Ja. Wenn man sich austauscht, kommt immer was raus. Ob jetzt der Wandel in China auf menschlicher Seite passiert, weiß ich nicht. Aber eine Begegnung ist immer interessant und hilfreich für die Kultur.

 

In Bayern ist die Einparteienregierung passé. Denken Sie, in China wird in absehbarer Zeit etwas Ähnliches passieren

Buchner: Leute, die schon in China waren, haben gesagt, dass so ein großes Land wie China nicht so leicht zu regieren ist. Ich glaube, dass sich da, außer wirtschaftlich, wenig ändert. Da wird nicht so viel Rücksicht auf die Menschen genommen wie bei uns. Man sieht’s ja immer wieder im Fernsehen: Ortschaften, die ausradiert werden – und dann verpflanzen sie die Bewohner einfach woanders hin. So weit ist es bei uns nicht.

 

Wie habe Sie denn den Wahlabend verbracht

Buchner: Ich war in der Türkei und habe die Wahl im Fernsehen verfolgt. Ganz ehrlich: Ich hatte zwei Wochen vorher ganz intuitiv auf 43 Prozent getippt. Zwei Tage vor der Wahl dachte ich aber: doch ein bisschen zu tief gegriffen. Dass ich dann aber Recht hatte mit dem Gefühl – da habe ich innerlich schon lachen müssen.

Glauben Sie, der Regierungsstil wird sich nun ändern

Buchner: Ich habe neulich ein Gleichnis gebracht: Wenn eine Kapelle seit Jahrzehnten immer wieder die selben Lieder spielt und gewohnt ist, dass das Publikum applaudiert – und die Konzertbesucher doch einmal neue Lieder hören wollen – dann überlegt sie sich: Was können wir machen? Und wechseln dann den Dirigenten. Die Zuschauer sagen aber: Ja, was bringt uns das, wenn ihr keine neuen Lieder spielt? Dann sagen die Musiker: Okay, wir müssen unser Programm vielleicht so ändern, dass die Leute Freude haben und wir wieder Zuschauer kriegen.

 

Aber Ihnen ist das in 25 Jahren Haindling noch nicht passiert

Buchner: Na, wir haben ja immer wieder unser Programm geändert und geschaut, dass wir was Neues machen. Und wir sind bis jetzt immer gut damit gefahren. Und werden wahrscheinlich den Dirigenten nicht wechseln müssen (lacht).

 

Wie hat sich die Musikbranche im Laufe der vergangenen 25 Jahre verändert

Buchner: Als ich angefangen habe, war ja die Neue Deutsche Welle aktuell. Und ich kam mit etwas absolut Neuem. Erstens mit dem bayerischen Gesang. Zweitens mit meinem Instrumentarium. Ich habe gleich den deutschen Schallplattenpreis gekriegt und bin in sämtlichen Rundfunkanstalten rauf und runter gespielt worden. Mittlerweile hört man dort hauptsächlich amerikanische Musik. Vor 25 Jahren hat man einem jungen Musiker die Chance gegeben, sich zu entwickeln. Heutzutage muss man gleich mit einem Hit anfangen. Experimentierfreudigkeit ist nicht gefragt. Aber es wird immer Bands, Maler oder Schriftsteller geben, die sich nicht am Einheitsbrei orientieren.

 

Sie versuchen auch weiter zu experimentieren

Buchner: Ich versuch’s nicht. Ich machs. Gott sei Dank habe ich auch einen Plattenvertrag, wo ich tun kann, was ich will. Mir redet keiner rein.

 

Und – wann kommt das neue Album raus

Buchner: Das weiß ich noch nicht. Die Fans warten schon seit drei, vier Jahren darauf, aber ich veröffentliche es erst, wenn ich selber damit zufrieden bin. Einen Schnellschuss gibt es auf keinen Fall.

 

Also nächstes Jahr

Buchner: Ja, nächstes Jahr.

 

Donaukurier


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