"Heute wäre Brecht ein Rapper"
Augsburg (DK) "Brecht ist einer derjenigen Theaterleute, die am ehesten begriffen haben, wie wichtig die Musik für das Vermitteln von Gedanken ist", sagt Dominique Horwitz. Er ist einer der großen Namen, die am diesjährigen Brechtfestival der Stadt Augsburg auftreten.
Tatsächlich war die Musik ein wichtiger Bestandteil von Brechts Schaffen. So begann der in Augsburg geborene Künstler als Liederdichter. Später arbeitete er mit bekannten Komponisten wie Hindemith, Weill, Eisler oder Dessau zusammen. Das Festival beleuchtet das musikalische Gesamtwerk Brechts in den verschiedenen Phasen. Nicht fehlen darf hierbei natürlich die seit der Uraufführung enorm populäre und gar zum Broadway-Hit avancierte "Dreigroschenoper". Dominique Horwitz inszeniert deren Lieder für das Festival neu. "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny" kommt als Oper zur Aufführung. Über diesem Stück kam es zum Zerwürfnis zwischen Bertolt Brecht und Kurt Weill, welcher auch die Dreigroschen-Musik schrieb. Brecht arbeitete daraufhin vermehrt mit dem Schönberg-Schüler Hanns Eisler zusammen. So beispielsweise im umstrittenen und von Brecht als "Theater der Zukunft" bezeichneten Drama "Die Maßnahme", das das Festival mit einer Augsburger Erstaufführung abrundet.
Das Festival setzt, wie schon im letzten Jahr, einen Schwerpunkt auf Brechts Einfluss auf die Populärkultur und gibt sich betont jugendlich. Bob Dylan, Robbie Williams oder die Hamburger Indierock-Gruppe Kante, die beim Festival auftritt, sind nur einige von zahlreichen Künstlern, die unter Brechts Einfluss stehen. Bei der Lektüre des Programmhefts, ist eines nicht zu überlesen: "Wenn Brecht heute leben würde, dann wäre er Rapper", schreibt Marcus Staiger von rap.de. Ob dem auch wirklich so wäre, sei dahingestellt. Fakt ist, dass mit dem Österreicher Flip und der Augsburgerin Kitty Kat zwei Hip-Hop-Acts auf dem Programm stehen. Und auch die Poetry-Slam-Szene kommt mit drei Veranstaltungen nicht zu kurz. Ob Hip-Hop oder Poetry Slam: Dass bei Brecht der spielerisch-musikalische Umgang mit der Sprache im Zentrum stand, ist unbestritten.
In zehn Tagen sind über 30 Veranstaltungen geplant und zweimal reist das Festival gar nach München (Referat im Literaturhaus und literarische Stadtführung). Wenn sich der künstlerische Leiter des Festivals, Joachim Lang, zum Ziel setzt, Brecht als universellen Künstler jenseits von ideologischen Vorurteilen zu präsentieren und damit gleichzeitig neue Publikumsschichten wie Schüler anzusprechen, dürfte das mit diesem facettenreichen und teilweise auch interaktiven Programm mit Sicherheit gelingen. Und auf nächstes Jahr kann man sich auch schon freuen: Da heißt es dann zum Abschluss der Festival-Trilogie "Brecht und Politik".
Von Hannes Liechti

