Egal. Der Kühlschrank ist kaputt - und Elektriker Knorps willens, ihn zu reparieren. Doch als er damit fertig ist, herrschen im Kühlschrank ungewöhnlich heiße Temperaturen, im Herd dagegen Minusgrade. Herr Knorps muss noch mal ran. Am nächsten Abend kühlt der Kühlschrank wieder, dafür ertönt aus dem Elektroherd Musik. Herr Knorps arbeitet und arbeitet, freundet sich dabei mit den Lobesams an - und bringt ihren Haushaltsgeräten allerlei staunenswerte Fähigkeiten bei. "Eine gemütliche Wohnung" heißt diese Geschichte aus dem "Großen Paul-Maar-Buch", die der Autor höchstselbst unter großem Gelächter des Publikums im Kulturzentrum neun vorträgt. Höhe- und Schlusspunkt seiner Familienlesung im Rahmen der Ingolstädter Literaturtage.

Er hat uns das Sams geschenkt, dieses rotstrubbelige, anarchische, verfressene, reim-verrückte Wesen, das seinen schüchternen Papa Taschenbier Mut und Selbstvertrauen lehrt. Aber diesmal hat der Bamberger Kinderbuchautor etwas ganz anderes mitgebracht. Nämlich "Schiefe Märchen und schräge Geschichten" - und mit Wolfgang Stute und Konrad Haas zwei Musiker, die nicht nur mit Gitarre, Percussion, Querflöte, Blockflöte und Keyboards für den passenden Sound der köstlich bizarren Texte sorgen, sondern schon mal als Wasserkessel und Eimer mit einem alten Kohleherd parlieren, Wolfsgeheul zum Schauergedicht beisteuern oder den königlichen Aufzug musikalisch hoch- und runtersausen lassen. Nicht zu vergessen die Zwergennummer, die alle drei mit knallroten Mützen zum Besten geben. Schon etwas angetrunken verraten die Zwerge nämlich auf Schneewittchens Hochzeitsfest, in welches Chaos sie das Auftauchen der Prinzessin gestürzt hatte: "Wer hat in meinem Gemüschen geschlafen. " "Wer hat von meinem Stühlchen getrunken. " "Wer hat in mein Bettchen gepinkelt. "

In "Schiefe Märchen und schräge Geschichten" erzählt Paul Maar alte Märchen ironisch und humorvoll neu. Da wird der "Gestiefelte Kater" zum "Gestiefelten Skater", der unbedingt einem Müllerssohn ein (Fahrrad-) Schloss verschaffen will, um einer Katzendame zu imponieren. Da wird ein goldener Föhn von einer guten Fee in ein Telefon verwandelt. Und Hänsel und Gretel würden gern bei der Hexe Currywurst bestellen - wenn das Handynetz im Wald nicht so verhext schlecht wäre.

80 Jahre ist Paul Maar im Dezember geworden. Das sieht und hört man ihm nicht an. Die Stimme ist klar, und weich klingt das fränkische Idiom. Rau mitunter, wenn er die Fee aus dem Föhn sprechen lässt, und vorwitzig prinzessinnenhaft, wenn Elisa dem väterlichen König eine weitere Gutenachtgeschichte abschwatzt. Dabei ist Paul Maar ganz unprätentiös. Er sitzt auf seinem Stuhl in der Mitte der Bühne der Halle neun, das Manuskript in der Hand, rechts und links die Musiker. Und wenn er spricht, spricht er in erster Linie zu den Kindern.

Aber weil Paul Maars Fantasie so überbordend und federleicht wie seine Sprachkunst ist, sind die Geschichten komisch, frech, hintersinnig und doppelbödig, sodass sie nicht nur bei Kindern gut ankommen, sondern auch bei deren Eltern. Kein Wunder, dass sich am Büchertisch und beim Signieren später - nach dem letzten bejubelten Abzählreim - lange Schlangen bilden. Einen kleinen Vorrat solcher verzwickten, verzwackten und verzauberten Geschichten sollte man unbedingt zu Hause haben.
.