Mittwoch, 30.05.2012 |

 

09.05.2010 20:06 Uhr | 104x gelesen
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Frischer Wind


Bild: Frischer Wind . Ingolstadt Ingolstadt (DK) Die Herren tragen quietschgelbe Hemden zu schwarzen Anzügen und sind auch sonst ein wenig merkwürdig. Streifen Laute ausstoßend durch die Galerie, fallen vor Bildern um, rennen gegen Wände, winden rote Fäden ums Publikum und vor allem – zitieren dabei.

Ingolstadt (DK) Die Herren tragen quietschgelbe Hemden zu schwarzen Anzügen und sind auch sonst ein wenig merkwürdig. Streifen Laute ausstoßend durch die Galerie, fallen vor Bildern um, rennen gegen Wände, winden rote Fäden ums Publikum und vor allem – zitieren dabei.



Das Plakat zur Produktion von Friedrich Schillers "Kabale und Liebe" ist in der Galerie des Theaters zu sehen. - Foto: P. Reiß
Satz um Satz in sinnfreien Kombinationen, und doch: Eigentlich hohe Theaterliteratur. Aus den Stücken der Spielzeit stammen die Verbalien, und das passt ja ziemlich gut. Denn in einer Kunstausstellung mit Bildern junger Kreativer, die den Stückplakaten des Theaters zugrunde liegen, befindet man sich schließlich hier in der Galerie des Theaters. Eröffnung also einmal anders: Mit einer Performance der Schauspieler Peter Reisser, Ulrich Kielhorn, Jan Gebauer und Richard Putzinger statt mit gescheiten Laudationes und mit Werken, die sonst in die hehren Hallen nicht Einzug halten dürfen. Das Ingolstädter Designkollektiv xhoch4 und das Theater haben die Schau ausgerichtet, die eine großartige Idee – mittlerweile in der Finalrunde für den International Design Award in Amsterdam stehend – dokumentiert. Autonome Werke junger Künstler aus ganz Deutschland hat xhoch4 angefragt, die eingereichten 22 Arbeiten jeder Technik und Größe (ohne verlangtes Thema) wurden den Stücken einfach zugeordnet.

Erstaunlich, wie das funktioniert! Kaum einmal beliebig ist das Plakatmotiv im nun standardisierten Format: Da ist aus einem Werk namens "Hexaeder blau" das aussagekräftige Bild für "Pornografie" geworden", aus "Palast", einer Art Schnittzeichencollage, die unglaublich passende Umsetzung für "Happy" und eine riesige Holzinstallation – eine Wand durchbohrender Pfosten – assoziiert als Druck bestens die "Heilige Johanna der Schlachthöfe". Gut kann man Originalwerk und Grafikergebnis übrigens vergleichen: links an der Wand die einen, rechts die anderen, jedes Original zusätzlich mit einer winzigen Plakatversion bestückt.

Natürlich ist nicht alles hohe Kunst, was linker Hand zu sehen ist. Und dass die Künstler kein Honorar erhielten für das Zurverfügungstellen ihrer Arbeit, ist fragwürdig genug. Indes: Der erstaunlich frische Wind, der am Verniessagenabend durch die Theatergalerie wehte, die vielen jungen Kreativen, die vergnügliche Schau, die Demonstration eines überzeugenden Konzepts: Ausgesprochen erfreulich!


Von Karin Derstroff

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