Frischer Wind
Ingolstadt (DK) Die Herren tragen quietschgelbe Hemden zu schwarzen Anzügen und sind auch sonst ein wenig merkwürdig. Streifen Laute ausstoßend durch die Galerie, fallen vor Bildern um, rennen gegen Wände, winden rote Fäden ums Publikum und vor allem – zitieren dabei.

Das Plakat zur Produktion von Friedrich Schillers "Kabale und Liebe" ist in der Galerie des Theaters zu sehen. - Foto: P. Reiß
Erstaunlich, wie das funktioniert! Kaum einmal beliebig ist das Plakatmotiv im nun standardisierten Format: Da ist aus einem Werk namens "Hexaeder blau" das aussagekräftige Bild für "Pornografie" geworden", aus "Palast", einer Art Schnittzeichencollage, die unglaublich passende Umsetzung für "Happy" und eine riesige Holzinstallation – eine Wand durchbohrender Pfosten – assoziiert als Druck bestens die "Heilige Johanna der Schlachthöfe". Gut kann man Originalwerk und Grafikergebnis übrigens vergleichen: links an der Wand die einen, rechts die anderen, jedes Original zusätzlich mit einer winzigen Plakatversion bestückt.
Natürlich ist nicht alles hohe Kunst, was linker Hand zu sehen ist. Und dass die Künstler kein Honorar erhielten für das Zurverfügungstellen ihrer Arbeit, ist fragwürdig genug. Indes: Der erstaunlich frische Wind, der am Verniessagenabend durch die Theatergalerie wehte, die vielen jungen Kreativen, die vergnügliche Schau, die Demonstration eines überzeugenden Konzepts: Ausgesprochen erfreulich!
Von Karin Derstroff

