Zwölf Tenöre und eine Überraschung
Ingolstadt (DK) Überraschung! Die „Twelve Tenors“ sind zu zehnt, tragen feuerrote, bodenlange Abendkleider und könnten einer Misswahl-Veranstaltung entstammen. Das Publikum im ausverkauften Festsaal wundert sich. Dann ertönt von den mehrheitlich blonden Damen passenderweise „Es grünt so grün“ aus „My fair Lady“. Sogleich wird das Rätsel durch eine der Sängerinnen gelüftet: Die „10 Sopranos“ haben sich als „Special Guests“ zu den zwölf Tenören gesellt.
Allerdings unter völlig anderen Vorzeichen. Jedoch lassen sich weder Akteure, noch Konzept auch nur annähernd vergleichen. Die „12 Tenöre“ beginnen ihr Konzert mit dem italienischen Kleinod „Funiculi, Funicula“, welches zur Eröffnung der Vesuv-Seilbahn 1880 von Luigi Denza komponiert wurde. Gemeinsam mit dem später im Programm dargebotenen „O Sole mio“ stellt das Lied so etwas wie das musikalisch-folkloristische Rückgrat Italiens dar. Die Tenöre vermitteln die Freude und den Stolz des Lieds unverfälscht, der Funke springt bereits bei diesem ersten Stück des Programms auf das begeisterte Publikum über.
Der weitere Verlauf des Konzertabends präsentiert einen bunten Reigen aus Oper, Musical und Popmusik. Allein die Breite des Spektrums lässt bereits ahnen, dass man mit einem Kriterium wie Werktreue völlig fehl am Platz ist. Die 12 Tenöre präsentieren dagegen eine geschickt choreografierte Revue: frech, charmant und in jedem Falle höchst unterhaltsam. Nicht alle Stimmen entsprechen den Standards des Fachs „ausgebildeten Kunststimme Tenor“. Und das ist gut so. Denn so entsteht die Ausdrucksvielfalt und Klangvariabilität, die ein so weit gefächertes Programm erst möglich macht. Tatsächlich erreichen die „12 Tenöre“ mit ihrem Konzept ein breites Publikum.
Die Begleitung von Gesangsensembles ist keineswegs schmückendes Beiwerk, sondern vielmehr Fundament. Das wird bei verschiedenen Stücken des Abends durch die Überforderung der dreiköpfigen Begleitband klar. Ob im emphatischen Mittelteil von John Miles’ „Music“, wo zwei Keyboards und ein Schlagzeug niemals den nötigen Druck aufbauen können oder in Puccinis „Nessum dorma“, wo das Umarrangieren des Klavierauszugs (Klavierfassung zu Übungszwecken) keine tragfähige Basis ergab.
Die Stimmgewalt des Gesangsensembles konnte diesen Mangel jedoch teilweise kaschieren. Ein absolutes Highlight war die Interpretation von „Now we are free“. Die Titelmusik von „Gladiator“, aus der Feder von Hans Zimmer beleuchtete in der Version der „12 Tenöre“ ganz neue Facetten, einfühlsam gesungen und perfekt arrangiert entstand etwas ganz Neues, Frisches und bewies damit, welches Potenzial grundsätzlich in solch einem Ensemble steckt. Dem tobenden Publikum im Festsaal wurde eine Zugabe geschenkt.
Von Christof Fiedler
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Adiemus
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geschrieben am 03.02.2012 08:59
"Adiemus" ist von dem gleichnamigen Projekt von Karl Jenkins und nicht von Enya.

