Mittwoch, 30.05.2012 |

 

29.03.2011 20:45 Uhr | 61x gelesen
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Wie Mahler zum Hit wurde


Bild: Wie Mahler zum Hit wurde . Ingolstadt Ingolstadt (DK) Ein Gewitter grollt. Die Kamera fährt in einen Raum von düsterer Pracht. \

Ingolstadt (DK) Ein Gewitter grollt. Die Kamera fährt in einen Raum von düsterer Pracht. "Diese Musik! Was ist das, Brahms" – "Nein, das ist Mahler", antwortet Leonardo di Caprio bedeutsam, und über die Leinwand ziehen Bilder aus dem KZ Dachau. In dem aufwühlenden Film "Shutter Island" von Martin Scorsese spielt Mahlers Musik eine Schlüsselrolle.


Ingolstadt: Wie Mahler zum Hit wurde
Ganz im Geiste seines Namensgebers intonierte das Mozart Piano Quartet mit fast spröder Leichtigkeit romantische Musik beim Konzert des Musikvereins Ingolstadt. - Foto: Schaffer
Und zwar ein Klavierquartettsatz, ein Studienwerk des 16-Jährigen, das zuvor kaum ein Mensch kannte. Der Film hat es fast zu einer Art Hit gemacht. Im Konzertverein war es nun live zu erleben.
 
Das Mozart Piano Quartet stellt das melancholische Hauptthema ganz sacht in den Raum, artikuliert verhalten und gibt auch den leidenschaftlich-orchestralen Steigerungen nicht übermäßig viel Pathos. Gerade diese klug dosierte Emotionalität erweist, wie viel suggestive Kraft in der Musik selber steckt – nicht zufällig funktioniert das Stück als Filmmusik prächtig. Natürlich klingt es streckenweise nach Brahms, und Mahlers eigentlicher Ton ist noch nicht zu hören. Aber, und das zeigt sich auch in dieser Interpretation, ist es mehr als eine bloße Studie: Ein reiches Gefühl ergießt sich da in einen breiten Erzählstrom, motivisch dicht verflochten, formal nicht schematisch eingedämmt.
 

Ganz zum Kernrepertoire gehören dagegen die beiden anderen Werke des Programms. Kann man Robert Schumanns Klavierquartett in Es Dur op. 47 noch etwas Neues abgewinnen? Hier hat es den Anschein. Die Einleitung klingt wie schimmernde Erwartung, das Allegro-Thema betritt die Klangbühne in fein geschnittenen Umrissen. Man bleibt in jedem Moment gespannt, was noch alles passieren wird mit dieser Gestalt, man ist nahezu gebannt von dem Geschehen und hört ebenso konzentriert zu, wie die Musiker spielen. Präzise, brillant, reaktionsschnell. Das Scherzo huscht mühelos dahin, aber die Konturen sind so scharf, dass man an eine Fieberkurve denken muss. Zart und zerbrechlich, wie eine bange Frage eröffnet der Cellogesang das Andante, die Violine antwortet mit leuchtender Innigkeit, die Bratsche mischt sich mit kraftvollem, etwas nasalem Ton ein: Im Mozart Piano Quartet stehen sich sehr individuelle Charaktere gegenüber, und man wundert sich, wie homogen und verschwebend sie im nächsten Moment wieder einen einzigen Klang bilden. Sehr schlank und transparent, mit dosiertem Vibrato und im Finale mit einer fast spröden Leichtigkeit spielen sie diese romantische Musik, ganz im Geist ihres Namensgebers.

Mozarts Klavierquartett in Es ist nur oberflächlich von schlichter Heiterkeit geprägt. In Wirklichkeit erstaunt der rasche, proteushafte Wechsel von brillantem Spiel, empfindsamer Lyrik und thematischer Arbeit. Jede Phrase, jedes Detail (noch ein simpler Trommelbass ist subtil artikuliert) schmieden die Spieler dabei zu einem klingenden Kleinod, jede melodische Linie ist mit feinstem Pinsel gezogen. Und das alles passt auch noch wunderbar zusammen. Das Klavier, bedient mit nuanciertester Anschlagskunst, dialogisiert mit den Streichern als gehörte es zur Familie. Das Ensemble wird seinem Namen wirklich glänzend gerecht. Und die Zuhörer reagieren begeistert, obwohl das Finale keineswegs als mitreißender Rausschmeißer funktioniert, sondern eher ein glückliches Lächeln herbeizaubert. Die Zugabe, ein nun doch recht vollmundig klingendes "Ständchen" von Richard Strauss", setzt dann noch ein kleines Sahnehäubchen auf das großartige Konzert, das so ernst begonnen hat.


Von Jörg Handstein

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