Ingolstadt: Wenn der Mitbewohner mit Gesang den Tag beginnt
"Zusammengewürfelt" beschreibt die WG am besten. - Foto: Weinmann
Ingolstadt

Das Programm "Zimmer, Küche, Irgendwas" des Münchner Ensembles La Vie wird im Dezember - wie der Name verrät - irgendetwas zwischen Seifenoper und Musical, Witz und Wahnsinn, Tragik und Komik über das Leben von vier WG-Bewohnern präsentieren. So beschreibt es Regisseur und Schauspieler René Rothe im Gespräch. Damit hat sich der Besuch aus der Landeshauptstadt im Altstadttheater Ingolstadt einiges vorgenommen: Denn die Story lebt von der Musik, es wird kaum gesprochen. Dafür werden die hochkochenden Emotionen mit eigens dafür arrangierten Liedern ausgelebt, die man vermutlich erst nach dem zweiten Takt erkennen wird: von modernem Pop über schwere Klassik bis zu einem anspruchsvollen Medley aus 40 Songs, das acht Minuten dauern soll. Ziel ist es, die Einzelschicksale der Figuren teils stark humoristisch überzogen oder sehr tiefgreifend darzustellen.

Es handelt sich hier weder um eine klischeehafte Studenten-WG oder eine fröhliche 70er-Jahre Hippie-Kommune - die vier Bewohner sind vom Leben und der Einsamkeit durch das Wohnen in einer reinen Zweckgemeinschaft gezeichnet. Die Gruppe La Vie beschäftigt sich seit ihrer Gründung vor acht Jahren überwiegend mit gesellschaftskritischen Themen. "Aber man kommt nicht drum rum, und das will man auch gar nicht, Komödien zu bedienen", sagt Rothe. Deswegen sei "Zimmer, Küche, Irgendwas" ein witziges und komödiantisches Werk mit ernsthaftem Hintergrund: Wer kann es sich heute noch leisten, die Miete von 2000 Euro für eine Wohnung allein zu bezahlen?

Und so ziehen ein Student - der als Installateur sein Studium finanziert - ein Leichenbestatter - der früher als Maskenbildner tätig war - ein frecher Postbote und eine Tupperwarenvertreterin - die nebenbei in einem Call-Center arbeitet - zusammen. Bleibt da überhaupt Platz für Harmonie? Rothe versichert: "In dieser WG wird es wie bei jeder anderen Konstellation sein, in der Menschen zusammenwohnen: Es gibt Streit, Harmonie, Eifersucht, Ärger, Geldprobleme, Sorgen und auch viel Freude. Aber es wird sich doch immer über die Verteilung der Aufgaben im Haushalt gestritten. So etwas wie ein Putzplan funktioniert doch eh nie!"

In die Arbeit des Ensembles fließen viele Eindrücke mit ein, aus Dresden, Leipzig über München bis Ingolstadt, weswegen das Gastspiel an der Donau stattfindet. Dramaturg des Ensembles ist Paul Voigt, der sonst für das Stadttheater Ingolstadt tätig ist. Benedikt Streicher hat ebenfalls seine Finger im Spiel - beziehungsweise auf den Klaviertasten: Der Jazzförderpreisträger wird in den Ingolstädter Folgen "Krieg der Untermieter" und "Der Putzplan schlägt zurück" zusammen mit René Rothe, Guido Drell und Karina Schiwietz auf der Bühne stehen. Sie haben zwar noch nie alle zusammen Zeit in einer gemeinsamen Wohngemeinschaft verbracht, kennen die Unannehmlichkeiten aus eigener Erfahrung jedoch genau.

Das Programm feierte bereits Erfolge in München. Dort liefen sechs Folgen, anhand derer sich die Handlung entwickelt hat. Nun kommt die musikalische Soap mit zwei eigenen und unabhängigen Ausgaben nach Ingolstadt. Wem das nicht reicht, der kann sich auf neue Folgen ab 2018 in München freuen oder auf ein weiteres Gastspiel warten - darauf fiebert besonders René Rothe hin, denn weitere Veranstaltungen mit dem Altstadttheater sind bereits in Planung.

Karten und ermäßigtes Kombiticket bei den DK-Geschäftsstellen und unter event.donaukurier.de.