Ingolstadt: Virtuoses Gitarrenspiel
Das ganz große Gänsehautfeeling blieb an diesem Abend aus: Muriel Anderson trat im Rahmen der Acoustic Guitar Night auf - Foto: Löser
Ingolstadt
Nach dessen Tour-Annullierung bot sich Veranstalter Walter Haber die Gelegenheit, den Fingerstyle Guitar Champion Muriel Anderson aus den USA nach Ingolstadt einzuladen. Die zierliche Dame hat sich mit ihrem akustischen Gitarrenspiel weltweit einen Namen gemacht und arbeitet derzeit unter anderem mit dem australischen Saiten-Star Tommy Emmanuel oder dem deutschen Gitarren-Duo Tierra Negra zusammen. In der Neuen Welt zeigte sie ihr Solo-Programm mit eingängigen Eigenkompositionen und gekonnt umgesetzten Cover-Songs. So hat Muriel Anderson einige Schlaflieder geschrieben, traut sich sogar an Gesang in „Tokio Lullaby“, was allerdings im Vergleich zu ihrer Fingerfertigkeit auf den Saiten eher dünn und farblos erscheint. Die zarte, kindliche Singstimme steht im Gegensatz zum voluminösen Gitarrenspiel wie im klassischen Gitarrenstück „Recuerdos de la Alhambra“, bei dem Muriel Anderson ihre Virtuosität eindrucksvoll unter Beweis stellt. Sphärisch-perlende Sequenzen erleben die Zuhörer bei Nummern wie „View From Space“ oder „Summer Morning Rain“, leichtfüßig-flotte Melodien bestechen in „Home Is Where My Heart Is“ oder „Continental Breakfast“. Dieser Song entstand, weil Anderson bei ihren Europa-Reisen das Frühstücken schätzen gelernt hat: Offenbar ist sie ein recht kulinarischer Mensch, denn auf ihrer Homepage finden sich neben Hörbeispielen und Unterrichtsangeboten auch ein ganzer Teil mit Rezepten aus aller Welt, die sie auf Tour kennengelernt hat.

Die 51-Jährige lernt zudem gerade Deutsch und führt charmant gebrochen durch den Abend. So erfährt das Publikum auch, dass ihr Großvater Saxofonist in einer legendären Marchingband war, weshalb sie auch ihm zu Ehren das Stück „The Liberty Bell“ (bekannt als Titelmelodie von Monty Python’s „Flying Circus“) interpretiert. Sowohl dies als auch ihre Versionen von bekannten Titeln wie „Superstitious“ (Stevie Wonder) oder „Vincent“ (Don MacLean), welches sie dem Gastgeber widmet, sind einfühlsam, kraftvoll und wirklich beeindruckend gespielt.

Dennoch bleibt bei diesem Konzert das ganz große Gänsehautfeeling aus – vielleicht liegt es an der fehlenden Harp-Guitar, die sonst Muriel Andersons Spezialität ist? Vielleicht wäre es aber auch mal schön, die Künstlerin zusammen mit ihren musikalischen Freunden zu sehen und zu hören.