Mittwoch, 22. Mai 2013 |

 

22.01.2010 20:34 Uhr | 68x gelesen
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Stepptanz über die Tasten


Bild: Stepptanz über die Tasten . Ingolstadt Ingolstadt (DK) Anthony Wonsey zieht erst mal das Sakko aus, bevor er sich an den Bösendorfer setzt. Der lackschwarze Flügel wird sein Spielzeug für die nächsten beiden Stunden sein. Aber wohin mit der Jacke? Bassist Milan Nicolic und Drumer Joris Dudli grinsen, auch aus dem Publikum ist leises Kichern als Antwort auf die suchenden Blicke des 38-jährigen Pianisten zu vernehmen.

Ingolstadt (DK) Anthony Wonsey zieht erst mal das Sakko aus, bevor er sich an den Bösendorfer setzt. Der lackschwarze Flügel wird sein Spielzeug für die nächsten beiden Stunden sein. Aber wohin mit der Jacke? Bassist Milan Nicolic und Drumer Joris Dudli grinsen, auch aus dem Publikum ist leises Kichern als Antwort auf die suchenden Blicke des 38-jährigen Pianisten zu vernehmen.



Lässt das Gefühl für Zeit und Raum schmelzen: Pianist Anthony Wonsey im Museum mobile. - Foto: Löser
Das Schmunzeln verbindet, die erste Distanz zum Publikum im leider nicht ganz gefüllten Museum mobile ist verschwunden. Noch ist kein einziges Wort gesprochen und das wird auch für die nächste halbe Stunde so bleiben. Anthony Wonsey hat ungleich facettenreichere und buntere Möglichkeiten, um sich auszudrücken. Kurz hebt er die flache Hand als Signal an den Rest des Trios und schon taucht der Mann aus Chicago mit dem Bassisten aus Serbien und dem Schweizer Schlagzeuger in die wundersame Welt des instrumentalen Jazz ein. Nach wenigen Takten ist klar: Die 88 Tasten des neuen Bösendorfer-Flügel haben mit ihm einen würdigen Spielgefährten gefunden. Wonsey lässt den Flügel für sich erzählen. Mal sprudelt das, was er an Stimmungen und Eindrücken transportieren möchte, in glänzenden Perlenreihen und mal in sprühenden Akkorden aus ihm heraus. Es sind zumeist Schöpfungen vom Lieblingskomponisten seiner Mutter – wie er später immer wieder mal schmunzelnd einflicht, nämlich von ihm selber.

Es gibt ohnehin nicht allzu viele Arrangements, die seiner Fingerakrobatik gerecht wären und seinen Schwindel erregenden Stepptanz über die Tasten ausreizen könnten. Fast den ganzen Abend hindurch wirbeln seine Hände über die Klaviatur, als hätte er acht Spinnenbeine anstelle von fünf Fingern an jeder Hand. Nur selten gönnt er sich eine ruhige Ballade oder gar eine kurze Pause.

Aber nicht nur die Akrobatik verzaubert. Wonsey punktet nicht weniger mit den vielfältigen farbigen Interpretationen seiner musikalischen Themen und dem spielerischen Wechsel zu leichtem Swing und anderen Abstechern in das weite Universum des Jazz. Die Begleitmusiker haben ihren guten Anteil an dieser klingenden Faszination, die immer wieder mit Spontanapplaus des Publikums belohnt wird. Bass und Drums stützen, ummanteln, streicheln und heben die unendlichen Variationen hervor, die das Klavier aus den Grundthemen destilliert. Das Trio kommt so in den Ohren der Zuhörer als homogenes Ganzes an und lässt das Gefühl für Zeit und Raum schmelzen. Wonsey und seine beiden Musiker dehnen so den Abend fast unmerklich auf ungewohnte Länge aus und bauen gleich die Zugabe nahtlos in ihr Konzert mit ein.


Von Lorenz Erl

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