Mittwoch, 30.05.2012 |

 

03.02.2012 19:24 Uhr | 209x gelesen
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Spezialist für Jelinek


Ingolstadt (DK) „Für Elfriede Jelinek bin ich ein Spezialist“, sagt Michael Simon, der Regisseur der neuen Produktion „Winterreise“ am Stadttheater Ingolstadt, die an diesem Samstag Premiere feiert.


Schon vier Werke der österreichischen Theaterrevolutionärin hat der 54-Jährige in den vergangenen Jahren auf verschiedene Bühnen gebracht.

Warum ihn die Literaturnobelpreisträgerin so interessiert? Weil sie den Regisseur quasi als Co-Autorin mit einbezieht. „In dieser Hinsicht geht die Jelinek neue Wege“, sagt Simon. Sie gibt dem Regisseur grundsätzlich völlige Freiheit, mit ihren Texten anzustellen, was immer sie wollen. Bis daraus ein neues Kunstwerk wird. „Ich muss sozusagen durch den Dschungel des Textes eine neue Schneise schlagen“, sagt der Regisseur und scheint dabei mit einer weiten Handbewegung, die Richtung durch das Interpretations-Dickicht andeuten zu wollen.

In Jelineks Stück „Winterreise“, das am Badischen Staatstheater Karlsruhe bereits in der vergangenen Spielzeit gespielt wurde, scheint er mit kraftvollen Ideen an den Text herangegangen zu sein. Das gesamte Drama hat Simon auf weniger als die Hälfte zusammengestrichen. In einem langen ersten Teil wird sogar überhaupt nicht gesprochen, dafür gibt es zu den Aktionen auf der Bühne Musik zu hören: Eine Kontrabassistin spielt Variationen auf Werke des estnischen Komponisten Arvo Pärt (76). „Das wird ein hochmusikalischer Abend“, erzählt Simon.

Überhaupt Musik. „Ich glaube an die Musikalität“, sagt er, wenn er von seinen sehr unterschiedlichen Projekten spricht. Denn die Tätigkeit von Michael Simon ist keineswegs leicht einzuordnen. Er begann vorwiegend als Bühnenbildner, arbeitete für Inszenierungen von Pierre Audi und Peter Greenaway. Später gestaltete er die Bühnen für bedeutende Choreografen wie William Forsythe. Dann begann er Opern zu inszenieren, war Professor für Szenografie in Karlsruhe, choreografierte selber experimentelles Tanztheater und brachte als Regisseur Dramen an bedeutenden Theatern wie dem Wiener Burgtheater oder der Berliner Schaubühne auf die Bühne. „Mich interessiert es am meisten, selber etwas zu erfinden“, sagt er. Und, das lässt er durchblicken, für ein wirklich ungewöhnliches Projekt würde der bekannte Regisseur möglicherweise auch noch mal nach Ingolstadt kommen.

Elfriede Jelineks „Winterreise“ hat an diesem Samstag, 19.30 Uhr, im Stadttheaters Ingolstadt Premiere.


Von Jesko Schulze-Reimpell

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