Künstler hautnah: Das Ensemble Amarcord besuchte das Reuchlin-Gymnasium und stand den Schülern Rede und Antwort. - Foto: Herbert
Ingolstadt
In ihren Händen halten sie die Flyer für das Konzert des A-cappella-Quintetts am vergangenen Freitagabend im Theaterfestsaal. "Wer war jetzt wer", fragt eine Schülerin ihre Freundin und deutet auf den Flyer mit den Unterschriften, die sie schon gesammelt hat. Künstler hautnah kennenzulernen, das ist die Idee, die hinter der Aktion "Meet the artist" des Konzertvereins Ingolstadt steht, erklärt Mitorganisatorin Barbara Thalmann. Die Schüler der Chor-Klasse und des P-Seminars der elften Jahrgangsstufe hatten in einer besonderen Unterrichtsstunde mit dem Ensemble Amarcord die Gelegenheit.

Klassischer Unterricht war es freilich nicht. Dafür sorgten schon die fünf Musiker. Soeben aus Leipzig angereist, führte sie ihr Weg nicht zum Festsaal, sondern direkt in die Schule. Die besten Plätze hatten sich die Schüler der Chor-Klasse ausgesucht. "Chor=Klasse" stand in roten Lettern auf ihren T-Shirts, die sie sich extra übergestreift haben. Alle warteten gespannt auf die Gäste aus Leipzig.

Applaus brandet auf, als das Ensemble Amarcord vor das Rund der Schüler und Eltern tritt. Und wie es sich für ein A-cappella-Quintett gehört, begrüßen die Sänger ihr Publikum mit einem Lied. Die großen Augen der Schüler kleben an den Lippen der Sänger, die mit einigen spontanen Liedern ihre Klasse zeigen. "Was heißt eigentlich A-capella", fragt Daniel Knauft in die Runde, und die Finger einiger Schüler schnellen sofort nach oben. "Gesang ohne Instrument", kommt prompt die Antwort.

Auf Augenhöhe begegnen die jungen Männer den Schülern und erzählen von ihrer Zeit im Leipziger Thomanerchor. Sie plaudern aus ihrem Leben als Musiker, von ihren Reisen und ihrer Liebe zur Musik. Immer mit Witz und Charme, der auch bei den Schüler ankommt und sie zum Lachen bringt. So entsteht eine ungezwungene und lockere Atmosphäre. Berührungsängste haben die Schüler jetzt keine mehr und sie stellen – nach einem weiteren Lied – ganz ohne Scheu ihre Fragen an das Ensemble. Habt ihr Haustiere, was ist euer Lieblingsstück, was sind eure Vorbilder, will das Publikum von morgen, wie Holger Krause die Schüler respektvoll nennt, wissen. Die Comedian Harmonists, die mit dem kleinen grünen Kaktus, das sind Vorbilder, verrät Daniel Knauft. "Ja, das singen wir auch", kommt es aus den Reihen der Schüler; natürlich eine Steilvorlage für Knauft: "Das müsst ihr uns singen." Und so sind zum Schluss die Schüler die Künstler und das Ensemble Amarcord das Publikum, als die Chor-Klasse sich von ihren Stühlen erhebt und "Mein kleiner grüner Kaktus" singt.

"Wir wollen die Barrieren zur klassischen Musik abbauen", sagt Barbara Thalmann. Das ist dem Ensemble Amarcord im Reuchlin-Gymnasium mit seiner ungezwungenen und witzigen Art gelungen. Und wie es sich für echte Fans gehört, zu denen die Schüler an diesem Nachmittag geworden sind, darf ein Autogramm nicht fehlen.