Anekdoten wie diese kann Franz Werthmann viele erzählen. Von Bill Evans, von Hazmat Modine, von Mulo Francel, von Darryl Jones. Und je länger man mit ihm im Raum C2 - zu Konzertzeiten die Künstlergarderobe mit Standspiegel, Schwarz-Weiß-Fotografien von diversen Musikern, den Sticks von Dany Gottlieb, einem großen Tisch und einer langen Bank - zusammensitzt, umso mehr werden es. Es sind nur freundliche Geschichten. Wie die Musiker selbst, sagt Werthmann. Und vergisst zu sagen, dass auch er mit seiner zugewandten, gelassenen und respektvollen Art sowie seinem feinen Humor einen großen Anteil daran hatte, dass sich die Stars und solche, die es noch werden sollten, im Diagonal-Backstage und auf der Bühne wohlgefühlt haben.

Seit 1993 organisiert das städtische Bürgerhaus "Alte Post" die über die Region erfolgreichen Clubkonzerte im Jazz-Fusion-Bereich. Ort des Geschehens, das Diagonal: 106 Quadratmeter, Platz für maximal 99 Besucher, Musiker und Publikum sind nah beieinander, eine ganz besondere Atmosphäre. Für Bill Evans etwa sein "musikalisches Wohnzimmer". Seit 2005 ist Franz Werth-mann nach Maro Karmann der Programmmacher, der Organisator, der wichtigste Mann im Hintergrund - und Garant in den vergangenen Jahren für den enormen Publikumszuspruch und den Erfolg der Reihe "Jazz and more": zwölf Konzerte pro Jahr, sechs pro Halbjahr mit Sommerpause, mal in Zusammenarbeit mit Jan Rottau, den Jazztagen oder den Künstlerinnentagen.

Am Mittwochabend stand mit der US-amerikanisch-schweizerischen Musikerin Erika Stucky - bekannt und geschätzt für ihre wandelbare und schräge Performance - die letzte Künstlerin auf der Bühne, die Werthmann verpflichtet hat: Im April nächsten Jahres geht der Sozialpädagoge, der seit 1993 beim Bürgerhaus in verschiedenen Bereichen gearbeitet hat und noch die große Töpferei betreut, in Rente. Wegen der längerfristigen Planungen der Konzertreihe gibt er bereits jetzt die Aufgabe des Impresarios an seine Nachfolgerin weiter. Dass Erika Stucky ihm nun gerade sein Abschiedskonzert gab, freut ihn besonders. Seit 2008 hat er sie gleich mehrmals nach Ingolstadt geholt. "Dass sie außerdem mit dem Jimi-Hendrix-Programm auftritt, steigert die Freude noch", sagt er.

Zwölf Jahre hat Werthmann, dessen musikalische Helden Bob Dylan und Rolling Stones heißen, das richtige musikalische Gespür, ein glückliches Händchen und gute Kontakte für den Jazz und das "more", das Folk und Rock-Jazz, Weltmusik und Singer/Songwriter bedeutet, gehabt. Es ist ihm gelungen, das heterogene Publikum zu begeistern. Und manchmal auch ein Wagnis einzugehen, wie etwa bei Erika Stucky. "Ich hatte auch schlaflose Nächte, aber es ging immer gut aus", sagt er im Rückblick. Er hat die skandinavischen Musikerinnen nach Ingolstadt geholt: etwa Solveig Slettahjell oder Silje Nergaard. Rechtzeitig hat er Sophie Hunger 2011 für ein legendäres Konzert verpflichtet, bevor die Schweizerin dann den großen Durchbruch erlebte. "Danach habe ich ihr erfolglos hinterhertelefoniert. Und irgendwann war sie nicht mehr zu bezahlen."

Für seine Nachfolgerin, Verena Gutsche, hat er eine ganze Reihe an guten Wünschen parat: "Schöne Konzerte, viel Zuspruch der Besucher, ausverkaufte Konzerte und alles möglichst stressfrei." Und was macht er ab Mai nächsten Jahres? Der gebürtige Köschinger, der in Dollnstein lebt, will sich wieder mehr der Steinbildhauerei widmen. Und mehr Zeit im Garten verbringen. Ob er mit einem weinenden Auge geht? "Ja, ganz sicher. Aber im Alter wird man ja auch sentimentaler."

"1993-2017. 25 Jahre Jazz and more im Bürgerhaus/Diagonal". Ein fotografischer Rückblick von Reinhard Dorn und Christian Pacher. 15 Euro, erhältlich über suedapotheke@t-online.de. #media-0;